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Zungenkarzinom

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LaFleur
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Ich schon wieder :) z.Zt. schneien die neurologischen Patienten gerade so in die Praxis und heute war wiedermal eine
„Besonderheit“ für mich dabei, weshalb ich gerne um Rat fragen möchte.

Patient mit Zungenkarzinom, z. N. Bestrahlung und Chemotherapie (keine Operation). Beweglichkeit der Zunge deutlich eingeschränkt, rausstrecken fast gar nicht möglich, seitliche Bewegungen ebenso (vorwiegend natürlich auf der betroffenen Seite), nach oben und unten (im Mund) mit viel Anstrengung und Kraft. Der Patient kann einwandfrei schlucken (Speichel, Wasser, Joghurt,…), das Problem ist aber der Transportweg im Mund bei festen Konsistenzen, die gekaut werden und gerade DAS ist sein Ziel und auch der Anmeldegrund, obwohl eine differenzierte gustatorische Wahrnehmung ebenso kaum mehr vorhanden ist. Die Nahrung bleibt nach der Kauphase irgendwo in den Wangen oder an den Zähnen kleben und kann von dort mit der Zunge nicht entfernt und somit auch nicht abgeschluckt werden.

Meine Ideen zur Therapie sind auf jeden Fall die Bereiche der ganzkörperlichen Tonusregulation, Stimulation der Zunge bzw. allgemein intraoral mit Eis, Verbesserung der orofacialen Sensomotorik, Beratung hinsichtlich Mundtrockenheit etc.

Aber: In wie weit kann die Beweglichkeit euren Erfahrungen nach wieder hergestellt werden? Was gibts noch für „Tricks“ außer Eis? Kennt ihr irgendeine adaptive Möglichkeit, um das Essen fester Nahrung zu ermöglichen? Auch für Fobi-Tipps bin ich dankbar!

Schöne Weihnachten, liebe Logos und danke vorab!


vor 6 years, 2 months #92615

Hallo @LaFleur

Ich würde das mit der Eisstimulation lassen – außer es handelt sich um eine neurogene Störung. Davon ist bei einem onkologischen Patienten aber eher nicht auszugehen, gerade, weil keine OP stattgefunden hat.

Wärme ist gut. Es ist eher so, dass das Gewebe durch die Bestrahlung verhärtet ist. Da helfen Wärme und Dehnungen, also durchaus manuelles Arbeiten wie Ausstreichen und Massieren.

Was die Mundtrockenheit angeht: künstlicher Speichel, gefrorene Weintrauben lutschen, Brühe trinken und überhaupt viel trinken… im Sinne von vielen kleinen Schlucken immer wieder zwischendurch.

Grüße
Alex


vor 6 years, 2 months #92616

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LaFleur
Teilnehmer

Danke Alex für die super schnelle Antwort!

Oh, wirklich? Na super, dass wir in unseren Unterlagen aus der Ausbildung „thermische Reize wie z. B. Eisstimulation“ stehen haben… Brr! Wie kann man denn gut mit Wärme arbeiten? Warme Getränke? Und warum rätst du von Eis ab (wills ja auch verstehen :))

Das mit der Mundtrockenheit kannte ich genauso – immerhin!

Hast du noch eine Idee zum Schlucken und dem beschriebenen „Transportproblem“? Oder muss er sich wirklich auf die genannten Konsistenzen beschränken? Ich hab leider überhaupt keine Erfahrung hinsichtlich einer Prognose (also ob die Bewegung jemals wieder ausreichen wird, um Nahrung aus den Wangen zu holen etc.)


vor 6 years, 2 months #92617

Zur Prognose kann man auch nichts sagen. Spürt dein Patient Veränderungen ist das gut. Ändert sich nix… nun ja.

Was die Wärme angeht, so nehme ich eher Rotlicht-Lampen, heiße Rolle (in klein).

Das Eis bei neurogenen Erkrankungen soll einen Reiz über die Temperatursensoren an den Nerven leiten, der dann – so der Plan – durch den stetigen Reiz an Aktivität zulegen kann. Auch kommt es durch die Reizung mit Eis zu einer unwillkührlichen Kontraktion der Muskulatur. Aber nun ist es bei Patienten mit Z.n. Bestrahlung ja so, dass sie eher eine Lockerung der Muskulatur und des Gewebes benötigen. Kurze Eisreize erhöhen aber die Spannung.

Was das Transportproblem ganz akut angeht, so würde ich adaptiv rangehen. Nimm Speisen, die eine hohe Fließgeschwindigkeit haben. Und immer einen kleinen Schluck Wasser dazu.

Was du noch funktionell ausprobieren könntest, wäre willentliches Gähnen. Direkt nach einem Gähnen kommt es zu massiver Entspannung der oralen und pharyngealen Strukturen… das mag auch ein bisschen helfen.

Bei dieser Art Patient ist es immer auch ein bisschen ein Rumprobieren. Es gibt nicht das Konzept.

Viel Erfolg!


vor 6 years, 2 months #92618

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Eulalia
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Ich denke da auch an Übungen mit dem Kauschlauch und Kausäckchen um die Beweglichkeit wieder herzustellen – da habe ich gute Erfahrungen mit (Rogge z.B.) – Alex, was ist die „heiße Rolle“ und wie arbeitet man damit????


vor 6 years, 2 months #92620

Bei der heißen Rolle nimmst du ein Handtuch und rollst das fest zusammen. Dann lässt du in die Mitte kochend heißes Wasser laufen, bis die Rolle außen warm wird. Damit kannst du dann den Hals und das Gesicht des Patienten abrollen.

Die Physios machen das im Rahmen von Atem- und Entspannungstherapien gern mit großen Rollen auf dem Rücken. Kann man aber auch mit einer kleinen Rolle eben gut an Hals und Gesicht machen.


vor 6 years, 2 months #92621

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Zitronenzuckerl
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Hallöchen!

Ich hab auch tolle Erfahrungen mit Teilen aus der Manuellen Schlucktherapie gemacht bei solchen Patienten. Vor allem Kieferarbeit: Viele Hirnnerven (so auch der Hypoglossus) treten nahe des Kiefergelenks aus, wenn man denen „wieder Platz“ macht, hat das zum Teil gute Auswirkungen auf die Zungenbeweglichkeit.
Von Eis würde ich auch abraten.

Tschüssle!


vor 6 years, 2 months #92624

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LaFleur
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Toll, vielen Dank für alle Antworten :)

Das mit der „heißen Rolle“ ist eine gute Idee, werd ich auf jeden Fall ausprobieren. Ich kenns bisher auch nur in groß von den Ergos hier. D.h. du arbeitest im Gesicht und Halsbereich damit, ja? Ich dachte nämlich zuerst an direkte Stimulation der Zunge mit warmen Reizen.

Auch an den Kauschlauch habe ich schon gedacht, ich denke, dass durch Kauen ja auch die Speichelproduktion etwas angeregt werden müsste…

Der Patient hat sich grundlegend wegen dem Nahrungsproblem angemeldet. Das heißt er möchte einfach wieder feste Sachen essen… Suppe, Joghurt, etc. kann er inzwischen nicht mehr sehen und hat er „schon immer“ nicht so gerne gehabt. Würdet ihr empfehlen andere Speisen zuzubereiten und zu pürieren? Nach meinem Verständnis fällt ja wirklich alles, was gekaut werden muss weg, weil er es dann von den Backenzähnen bzw. der Wange nicht mehr weg transportieren kann… Ich möchte einfach nicht, dass er sich falsche Hoffnungen macht von der Therapie in Form von „In 2 Monaten esse ich wieder Steak und Schnitzel“….


vor 6 years, 2 months #92627

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LaFleur
Teilnehmer

Jetzt hab ich gerade noch einen Einfall bekommen… Denkt ihr, es kann hilfreich sein, mit Spatel und so nem kleinen Gesichtsvibrationsgerät an die Zunge zu gehen? Sprich, dass die Vibration sich auf die Zunge überträgt? Hoff ihr wisst, was ich meine…


vor 6 years, 1 month #92641

Ausprobieren. Aber für diese kleinen Massagegeräte gibt es ja nicht umsonst eine Spatelhalterung :)


vor 6 years, 1 month #92642

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LaFleur
Teilnehmer

Bei meinem nicht – das stimmt aus ner anderen „Branche“, weil dort günstiger in der Sammelbestellung :D


vor 6 years, 1 month #92643

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