Logopädie-Forum

verwaschene Artikulation

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lenni2313
Teilnehmer

Guten Tag.

Ich habe mal eine Frage, und zwar bin ich in der Therapie mit Erwachsenen noch nicht so vertraut, was orofaziale Stimulation extra- und intraoral, Arbeit an der Artikulation angeht.

Jetzt habe ich einen Patienten mit dem ich zuvor überwiegend einfache Übungen zur Wortfindung gemacht habe. Nach einer Pause ist er jetzt wiedergekommen und zeigt eine deutlich verwaschenere Aussprache als zuvor. Nun wollte ich in dem Bereich etwas machen. Habt ihr Tipps, wie ich da die Artikulation am besten verbessern kann, was ich vielleicht auch an Mundmotorik machen kann?

Und des weiteren habe ich einen neuen Patienten bekommen, der ebenfalls Schwierigkeiten mit der Artikulation, aber auch mit dem Schlucken hat. Wie kann man da extra- und intraoral stimulieren oder wie kann man vielleiccht so eine Gesichtsmassage durchführen?

Über viele Anregungen würde ich mich sehr freuen.


vor 6 Jahre, 5 Monaten #92766

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hachja
Moderator

hi,

hatte der patient eigentlich einen schlaganfall. gibt es paresen, apraxie? „verwaschene“ aussprache ist ein wenig zu ungenau, um da konkret helfen zu können ;). kannst du (für dich) versuchen systematisch zu erfassen bei welchen lauten(lautverbindungen) er probleme hat? was ist mit atmung, stimme und nasalität?
es gibt inzwischen einige hinweise dafür, dass mundmotorische übungen bei dysarthrien zu keiner besseren sprechperformanz führt. oder liegen atrophien vor?

patient 2
„probleme mit dem schlucken“ ist leider auch etwas zu undifferenziert ausgedrückt ;)

viele grüße


vor 6 Jahre, 5 Monaten #92768

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lenni2313
Teilnehmer

Hallo, danke für die schnelle Antwort.

Also Patient eins hatte einen Schlaganfall, ja, dieser ist aber schon so 2 Jahre her. Genau weiß ich es nicht, weil ich den Patienten übernommen hatte. Er hat eine Parese des rechten Armes. Apraxien liegen nicht vor. Im November war seine Aussprache noch deutlich besser, die einzelnen Laute und Wörter waren relativ gut verständlich, auch lange Sätze. Jetzt ist es so, dass bei Sätzen die Wörter oft ineinander übergehen/ verschwimmen, Konsonantenverbindungen sind schwierig, aber auch verschiedenste andere Laut. Genau die Laute konnte ich nicht identifzieren, weil das echt bei verschiedensten Worten so ist. Auch körperlich baut er immer mehr ab. Das kann man gut daran erkennen, dass er manchmal verwirrt Leute anspricht oder auf die Straße läuft und dann stehen bleibt. Die Wortfindung gelingt tagesformabhängig sehr gut. Aber auch da sind nur leichte Übungen möglich. Die Atmung, Stimme und Nasalität ist nicht betroffen. Es ist wirklich nur die Artikulation. Das mundmotorische Übungen nicht immer helfen habe ich auch schon gehört, aber trotzdem würde ich gerne ein bisschen stimulieren und AK-Übungen machen, um das Sprechen zu erleichtern, aber da ich kaum ERfahrungen habe, habe ich gehofft hier vielleicht Hilfe zu finden?! Nach wie vor würde ich mich über Anregungen sehr freuen.

Zu Patient zwei.
Die Zungenmuskulatur ist stark hypoton, daran erkennbar, dass sie wohl beim Essen, als auch beim Sprechen immer wieder zwischen die Lippen kommt. Der Patient ist nicht mehr sehr mobil und extrem unverständlich. Mit Glück versteht man einzelne Worte. Dazu nutzt er seine Stimme wenig bis kaum. Wenn er sich „anschaltet“ ist er minimal besser verständlich. Was kann ich stimulierend machen sowohl extra, als auch intraoral um die Zunge zu tonisieren, aber auch die fazialis Muskeln.

Bezüglich Stimulation habe ich wirklich überhaupt gar keine Erfahrung und ich weiß auch nicht, wann es sinnvoll ist, die Zunge zu vibrieren, zu tappen, oder zu streichen. Ebenso bei den extraoralen Stimulation. Vielleicth kann mir auch hier einer Erklären, wann ich was mache. Ich weiß, ist wahrscheinlich eine große Sache, aber das wäre mir extrem wichtig. Ebenso wie eine Gesichtsmassage funktioniert und was ich bei hypotoner Muskulatur, als auch bei hypertoner Muskulatur beachten muss.

Ich hoffe wirklcih auf Hilfe und Beantwortung meiner Fragen, weil ich langsam daran doch echt verzweifel und ich auch aus meinen Skripten nicht so wirklich schlau werde, weil auch da teils gegensätzlich beschrieben wird, wann ich vibriere oder mit Druck arbeite. Wann ich von vorne nach hinten streiche, wann von hinten nach vorne. Oder nur zur Zungenmitte.

Lieben Gruß, Jenny.


vor 6 Jahre, 5 Monaten #92813

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AMA
Teilnehmer

Hallo Jenny,

du schreibst, dass du keine Erfahrung hast und dich sehr verunsichert fühlst. Darum meine Frage: „Warum gibst du den Patienten nicht ab?“
Ich bin der Meinung, dass man gerade bei neurologischen Störungsbildern mit Dysphagie einfach den Patienten an einen Therapeuten mit diesem Schwerpunkt abgeben sollte. Das ist schließlich nichts schlimmes – man kann ja nicht in allem gut sein! Im Gegenteil: ich empfinde es als professionell, wenn man ganz klar sagen kann, was man gut kann und was nicht. Die Patienten danken es dir und werden dich immer weiter empfehlen, weil du dafür gesorgt hast, dass sie in gute Hände kommen.

Es reicht einfach nicht aus, „ein bisschen im Mund rumzustimulieren“, wenn man keine Ahnung von den Zusammenhängen der Muskulatur und der Nerven hat. Da kann man auch übers Internet keine sinnvollen Tipps geben. Im Übrigen reicht es bei Weitem nicht aus, nur den orofazialen Bereich zu behandeln! Solange der Gesamtkörpertonus / die Haltung nicht in Ordnung ist, wird sich auch im orofazialen Bereich nicht wirklich was verbessern.
Wenn du gerne solche Patienten behandeln möchtest, nehme dir die Zeit und mache Fortbildungen. So bekommst du das Wissen und auch die Sicherheit – dann macht die Therapie auch Spaß :)

Grüße
Aila


vor 6 Jahre, 5 Monaten #92815

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lenni2313
Teilnehmer

Ich gebe den Patienten aus dem Grund nicht ab, weil mein Chef möchte, dass ich mich auch mit den Erwachsenenpatienten weiterentwickle und ich für mich dort auch Erfahrungen sammeln möchte. Ich möchte keine direkte Schlucktherapie mit den Patienten durchführen sondern mich erstmal an die Stimulation rantasten. Schade das ich hier keine näheren Erläuterungen bekomme. Hätte mich darüber sehr gefreut.

lg Jenny


vor 6 Jahre, 5 Monaten #92868

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LaFleur
Teilnehmer

Hab mir nicht alle Beiträge durchgelesen, also sorry, wenn jetzt was doppelt oder unpassend kommt.
Ich würde auf jeden Fall mit Eis an die Muskulatur rangehen und stimulieren, einzelne (wichtige) Worte in ihrer Deutlichkeit und Lautstärke erarbeiten (evtl. mit Lautstärkemessung; Lautstärke provozieren durch weiter weg setzen,…), evtl. auch Korkensprechen oder das Vokelschema erläutern, Endloswörter….

Vielleicht war eine Anregung dabei?!
VG

Ps.: Ich kenne das sehr gut… a) Akzeptieren Chefs nur bedingt ein „Nein, habe ich noch nie gemacht, kann ich nicht.“ und b) Muss man seine Erfahrungen eben auch erst sammeln. Wenn es aber an die Dypshagie (Patient Nr. 2) geht, muss je nach Ausprägungsgrad wirklich ne erfahrene Therapeutin zusammen mit dir ins Boot.


vor 6 Jahre, 5 Monaten #92871

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AMA
Teilnehmer

Hallo Jenny,

natürlich ist es wichtig Erfahrungen zu sammeln und sich auch weiter zu entwickeln. Ich finde es jedoch nicht richtig, wenn ein Chef seine Angestellten dazu „drängt“, denn alle „Erfahrungen“ die man dann so an diesem Patienten sammelt, gehen schließlich auf Kosten des Patienten – würdest du selber so einen Therapeuten für dich oder deine Angehörigen haben wollen?

Ein guter Therapeut / Chef würde unterstützen, indem er z.B. Supervision oder Hospitation anbietet, indem er gute Fortbildungen unterstützt und genau das sollte ein angestellter Therapeut auch von seinem Arbeitgeber erwarten dürfen! Schließlich bist du ja auch offen, machst dir Gedanken und willst ja auch anscheinend gerne dazulernen. Sowas muss ein Arbeitgeber honorieren und unterstützen.

Ich kann verstehen, dass du hier gerne nähere Erläuterungen bekommen möchtest, aber dazu müsstest du erst einmal eine gute Diagnostik machen, damit man genaue Therapieziele aufstellen kann! Es reicht nicht zu sagen „die Zungenmuskulatur ist hypoton, weil die Zunge zwischen die Lippen kommt“ – das könnte im Übrigen auch mit mangelnder Aufrichtung zu tun haben – denn unser orofaziales Muskelgleichgewicht besteht ja nicht aus „separaten Funktionen“ sondern hängt als kompletter „Muskelapparat“ zusammen. Man müsste also erst mal überprüfen WARUM die Zunge „hypoton“ ist und was noch alles betroffen ist. Darum sind auch Tipps wie Tapping oder icing nur sinnvoll, wenn man ganz genau weiß welche Funktionsstörungen vorliegen – man kann (auch unbeabsichtigt) wirklich eine Menge falsch machen.

Ich weiß zwar nicht, aus welcher Region du kommst, aber ich kann dir z.B. die Fortbildung „Mund-Esstherapie“ von Susanne Renk empfehlen, da lernt man ganz praxisorientiert sämtliche Stimulationstechniken. Auch das Kölner-Dysphagiezentrum bietet gute, praktische Fobis an. Rede doch mal mit deinem Chef darüber, vielleicht hat der auch noch ein paar gute Tipps.

Grüße
Aila


vor 6 Jahre, 5 Monaten #92873

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