Logopädie-Forum

Therapieplanung – Anbahnung f

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christina88
Teilnehmer

Hallo zusammen,

für ein Gutachten im Rahmen meines Studiums soll ich zwei Fördersequenzen planen. Der Junge (fast 5) hat große Probleme auf der phonologischen Ebene (am auffälligsten ist dabei, dass er alle Frikative durch /s/ oder /z/ ersetzt), dazu kommt, dass er /f/ und /pf/ überhaupt nicht realisieren kann. Ich dachte mir also, dass es sinnvoll wäre, erst die Laute anzubahnen, bevor ich an die Phonologie gehe. Macht das Sinn so?
Wenn das so Sinn macht, komme ich zu meinem nächsten Problem: Ich habe in meinem Studium bisher so gut wie nichts zur Lautanbahnung gelernt. Wie könnte ich beim /f/ am besten vorgehen? Ich weiß, dass der Junge Probleme damit hat, beim Pusten den Luftstrom gezielt zu lenken, das müsste ich also sicher miteinbeziehen. Ansonsten habe ich nur noch ein paar lose Ideen in meinem Kopf: Verdeutlichung des Lautes mit dem Bild von zischender Luft aus einem Reifen; Veranschaulichung und Übung der Stellung der Lippen und Zähne; Ausatmen/Pusten und dabei Unterlippe an die Schneidezähne. Was ist davon wirklich sinnvoll nutzbar, was gäbe es noch an Ideen und wie bringe ich die verschiedenen Ideen zusammen?

Vielen Dank schon im Voraus!

Christina


vor 5 Jahre, 7 Monate #92645

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LaFleur
Teilnehmer

Das klingt ja erstmal nach ner phonologischen Störung mit mehreren, verschiedenen Prozessen. Die erste Aufgabe wäre also, die Prozesse genau auszuwerten und zu gucken welche Prozesse vorliegen, ob physiologisch oder pathologisch, am Alter des Kindes messen etc.

Danach wäre zu entscheiden, mit welchem Prozess du beginnst. Ich persönliche würde die Phonologie vorziehen und mehr „nebenbei“ an der Lautanbahnung arbeiten. Das [f] bahne ich meistens übers [sch] an, wie du schon ähnlich beschrieben hast –> [sch] artikulieren und dabei die Unterlippe mit den Fingern zu den Schneidezähnen. Hat bisher meist recht zügig funktioniert.

Wo studierst du denn?

Viel Erfolg und liebe Grüße.


vor 5 Jahre, 7 Monate #92646

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christina88
Teilnehmer

Vielen Dank für deine Antwort!
Ich habe die gesamte PLAKSS durchgeführt, die Prozesse sind also alle ganz genau analysiert. Es treten viele verschiedene physiologische und pathologische Prozesse auf, der beschriebene ist aber auf jeden Fall der, der die Verständlichkeit am meisten beeinträchtigt. Zuerst die Phonologie anzugehen und die Lautanbahnung nebenbei mitzumachen, klingt ja nach einer guten Möglichkeit. Danke für den Tipp!
Ich studiere in Heidelberg (allerdings nicht Logopädie an sich, sondern Sprachheilpädagogik als Teil des Sonderschullehramts-Studiums).
Viele Grüße, Christina


vor 5 Jahre, 7 Monate #92647

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LaFleur
Teilnehmer

Dann hast du die wichtigsten Voraussetzungen ja schon erfüllt :) Du gehst also den von dir ausgewählten Prozess mit allen Ziel- und Ersatzlauten ran und das erstmal rezeptiv. Nebenbei kannst du dann ja eben phonetisch orientiert arbeiten mit vorbereitenden Übungen zur Luftstromlenkung etc., ehe dann die richtige Lautanbahnung kommt. Da es ja eh nur zwei Stunden sein werden, wirst du nicht viel mehr schaffen. Ich würde meine Planung nach P.O.P.T. ausrichten.

Liebe Grüße!


vor 5 Jahre, 7 Monate #92649

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christina88
Teilnehmer

Entschuldigung, dass ich jetzt erst antworte – irgendwie wurde ich nicht über die neue Antwort informiert.
Vielen Dank nochmal für die tolle Hilfe :)
Noch eine Frage zu P.O.P.T. (auch, wenn das nicht mehr zum Thema Lautanbahnung gehört): Wenn ich es aus dem Buch von Fox richtig verstanden habe, wird auf rezeptiver Ebene ja bis zur Wortebene gearbeitet, d.h. das Kind soll den entsprechenden Laut auch aus Realwörtern erkennen können. Ist das von einem nicht mal fünf Jahre alten Kind realistisch zu erwarten? Ist das keine zu hohe Anforderung an die phonologische Bewusstheit in dem Alter? Das wäre zwar nicht mehr Teil meiner Fördereinheiten, aber wenn ich noch einen Ausblick auf das weitere Vorgehen gebe, wäre es ja interessant, mitzuüberlegen, ob das Sinn macht oder ob man nicht in dem Fall dann nur bis auf Silben- oder evtl. Pseudowortebene geht.

Viele Grüße!


vor 5 Jahre, 7 Monate #92748

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LaFleur
Teilnehmer

Hey,

das ist vermutlich (wie fast immer in der Logopädie :)) total vom Patienten bzw. vom Kind abhängig.
Dein Kind ist ja schon fast 5 Jahre alt und ich habe durchaus viele Kinder in dem Alter gesehen, die das z.T. schnell, z.T. nach längerem Üben, gut geschafft haben. Aber natürlich gibt es auch immer Gegenbeispiele, bei denen man modifizieren oder das Konzept wechseln muss. Ich denke insgesamt dennoch, dass das ein absolut realistisches Ziel für dich und den Patienten ist. Bei dem Konzept spielt ja auch immer das häusliche Üben mit eine Rolle.

Liebe Grüße!


vor 5 Jahre, 7 Monate #92761

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