Logopädie-Forum

Therapiepause und begründete Regress-Ansprüche

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setra
Teilnehmer

Hallo,
gerade hat mich ein Kinderarzt angerufen. Ich habe in meinem letzten Bericht darauf hingewiesen, dass die Verordnungsmenge des Regelfalls erschöpft sei.
Aufgrund der bevorstehenden Einschulung wollte ich bis September noch Therapien machen. Die phonologische Bewusstheit im weiteren Sinne ist nämlich noch nicht ausreichend erworben.
Der Arzt sagte mir, dass die Gefahr von Regress-Ansprüchen zu groß sei und ich den Müttern deshalb nicht sagen darf, dass der Arzt einfach ein Kreuzchen (bei außerhalb des Regelfalls) machen soll.
Die Regress-Prüfungen seien in letzter Zeit angestiegen.
Er sagte auch, dass 6 Monate Pause vorgeschrieben seien. Ich weiß nur von 12 Wochen.
Wer hat recht?

setra


vor 3 years, 7 months #95676

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Logopaede
Teilnehmer

Daraus würde ich lernen….
Der Arzt sagt wie lange die Therapie läuft. Wie kommt man dazu solche Aussagen zu machen. Bis September…., bis die Schule beginnt….
Ich möchte ja gerne mal deine Berichte lesen!


vor 3 years, 7 months #95684

Es sind 12 Wochen: Quelle.

Was die Angaben des Arztes zur Therapie angeht: da ist er (leider) im Recht. Logopädie ist Verschreibungspflichtig. Wenn man den Arzt nicht überzeugen kann, dann kann man den Eltern ggf. noch einen anderen Arzt empfehlen. Das ist aber in der Regel schlecht für weitere Zusammenarbeit.

Oder man lässt den Arzt ein Privatrezept ausstellen. Damit können die Eltern dann zu ihrer Krankenkasse und versuchen, es genehmigen zu lassen. Oder eben selbst bezahlen.

Aber ohne die aktive Mitarbeit des Arztes -> keine Logopädie.

Übrigens sollte man die Eltern wirklich nicht darauf hinweisen, dass er Arzt ein Kreuz bei „außerhalb des Regelfalls“ machen soll. Das setzt den Arzt wirklich sehr unter Druck und ist für eine weitere Kooperation zwischen ihm und den Eltern und der Praxis und dem Arzt nicht gerade hilfreich.

LG
Alex


vor 3 years, 7 months #95685

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Thea123
Teilnehmer

Ich sage den Eltern in der Situation, dass man in _Ausnahmefällen_ auch die Therapie über „außerhalb des Regelfalles“ fortfahren kann. So sind die Eltern informiert, dass die Möglichkeit besteht weiterzumachen, aber inhaltlich zwischen Therapeut und Arzt geklärt werden muss, ob es notwendig ist weiter zu machen.

Ich würde auch empfehlen die Therapieziele anders zu formulieren: „Ich möchte Therapie bis September machen“, klingt für mich nicht nach einer validen Argumentation. Du empfiehlst besser die Therapie fortzuführen bis Behandlungsziele x und y erreicht sind. Das kann ja durchaus auch vor September passieren.
Formuliere also lieber, dass Kinder mit (tiefgreifenden) Sprachentwicklungsstörungen ein hohes Risiko tragen später eine LRS zu entwickeln. Da die Fähigkeiten der phonologischen Bewusstheit eine notwendige Voraussetzung für den Schriftspracherwerb darstellen und die Diagnostik zudem auch zeigte, dass das Kind hierbei noch einen großen Entwicklungsrückstand hat, empfiehlst du eine Fortführung des Therapie außerhalb des Regelfalles. Danach kannst du die nächsten Behandlungsziele konkreter formulieren, z.B. Identifizieren auf Silbenebene, Segmentieren auf Silbenebene, Onset-Reim identifizieren usw.
Vielleicht folgt der Arzt dann beim nächsten Mal deiner Argumentation.


vor 3 years, 7 months #95686

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