ProfilbildTina Schmitt
Teilnehmer

Hallo liebe Kollegen,
Ich brauche zu einem kleinen Patienten mal eure Ratschläge.
Vor kurzem habe ich einen neuen Patienten zur Sprachtherapie eingeplant bekommen. Er ist 4;3 Jahre und hat eine leicht verzögerte SES. Aussprachetechnisch liegt eine Vorverlagerung von k,g zu t,d und eine Ersetzung von sch zu s (leicht addental) vor. Es liegen leichte Wortschatzdefizite in verschiedenen sem. Feldern vor (Farben, Zahlen) vor. Einige Verben werden noch falsch flektiert. Syntax scheint unauffällig (soweit ich das bisher beurteilen kann).
Nun zu meinem “Problem”:
Ich habe wirklich Schwierigkeiten, mit ihm inhaltlich an den genannten Baustellen zu arbeiten, weil zu Beginn jeder Therapiestunde erst mal viel Zeit für einen erneuten Kontaktaufbau drauf geht. Bisher war es nur 1x möglich, dass er mit mir alleine in den Therapieraum kommt. Ansonsten musste bisher die Mutter samt kleinen 3-jährigen Bruder immer mit in den Therapieraum kommen, was oft recht chaotisch und unruhig ist. Er ist sehr schüchtern, wirkt teilweise ängstlich (vor allem dann, wenn die Mutter ihn dazu drängt, alleine mit mir in den Therapieraum zu gehen – was ich aber schon thematisiert und unterbunden habe). Er spielt gerne mit Autos, der Eisenbahn und lieber “auf dem Boden” als am Tisch. Auf Unbekanntes (Spiele, Übungen) reagiert er sehr ablehnend. Das Lenken fällt mir hier wirklich schwer. Störungsbewusstsein ist bei ihm vorhanden, er braucht lange um aufzutauen.
Denkt ihr, dass für ihn eine Therapie noch zu früh ist? Wie würdet ihr an meiner Stelle vorgehen?
Ich freue mich auf eure Tipps :-)


vor 2 Wochen, 1 Tag #96607
ProfilbildWicki
Teilnehmer

Hallo,
ich würde mich darauf konzentrieren, dass das Wichtigste in einer SES/SEV Therapie ein stabiler Kontakt zw Kind und Therepeut und die Freude des Kindes an der Therapie ist. Wir reparieren keine emotionslosen Maschinen, auch wenn das vielleicht von anderen Seiten angenommen wird (Arzt? Krankenkasse?Eltern?). Also Druck bzgl. “was erreichen müssen” raus nehmen und erstmal spielen. Lieblingsspiel von zu Hause mitbringen lassen, freie Spiele oder Spiele mit hohem Aufforderungscharakter anbieten. Und wenn das auf dem Boden ist, dann ist das so. 2 Sachen anbieten und ihn aussuchen lassen. Schauen, ob es möglich ist, ihn evtl unregelmäßig 2x pro Woche zu sehen, vielleicht, wenn eine andere Therapie abgesagt wird (muss natürlich dann auch bei der Familie passen). Das Drängen der Mutter, was du schon unterbunden hast, kann auch dazu führen, dass sich sein Störungsbewusstsein verstärkt, ebenso wie dass der kleine Bruder bei Mama bleiben darf, während er ‘abgeschoben wird’, also mit ihm etwas nicht zu stimmen scheint. Mach daraus ein Event á la ,,du darfst zu mir kommen und zusammen spielen, dein kleiner Bruder darf nicht’. Zeit und Vertrauen, das ist die Basis.
Lg Julia


vor 6 Tagen, 14 Stunden #96619
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