Logopädie-Forum

Sture Dysphagie-Patientin

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Tine_denkt
Teilnehmer

Ich bin noch nicht so ewig Logopädin und stehe ein wenig vor einem Problem: Ältere Patientin, 87 Jahre jung:) mit einer Dysphagie, Mediainfarkt 10/2014, Hemiparese links (aber nicht ganz extremst ausgeprägt, sie kann mühevoll den Arm heben, aber geht sehr schwer), beide Beine wurden schon vor 15 Jahren amputiert, sie sitzt dementsprechend im Rollstuhl, kann gerade sitzen, also prinzipiell relativ gute Haltung. Linke Zungenseite von der Bewegungsfähigkeit und Koordination stark eingeschränkt, verständlich reden ist kaum möglich, nur ihr Sohn, der sie pflegt, versteht sie einigermaßen, gutes SV. Vor Jahren war schon eine Logopädin im HB da, aber „die hat nur Sprechübungen gemacht“ (Zitat des Sohnes). Der Sohn wollte nur jetzt wieder Logopädie, weil die „Zunge so oft draußen hängt“.
Sonstige Infos: Würgreflex aufgehoben, Hustenstoß noch einigermaßen kräftig möglich, Stimme danach klar, kein Zahnersatz, wird von Patientin auch abgelehnt. Mundschluss oft nicht vollständig gegeben, auch keine Wahrnehmung dafür, ob Mund offen ist oder nicht. Zunge oft extraoral, auch ohne Wahrnehmung dafür. Boluskontrollle schlecht möglich (häufig fällt Essen aus dem Mund), Kauen und Schlucken sehr mühsam, erfordert viel Konzentration. Bei Flüssigkeiten (bei mir in der Therapie nur Wasser relativ häufig Verschlucken).

Ich habe bisher FOTT gemacht, nachdem ich bei einer unserer Therapeutinnen dabei hospitiert habe (sie war so nett und hat die erste richtige Therapie bei der Dame gemacht und ich durfte hospitieren) und PNF zur Steigerung der Sensibilität und Stimulation. Ich bin meistens morgens da und da möchte sie immer ihr Marmeladenbrot (abgeschnittene Rinde und in Stückchen geschnitten). Sie führt die Stücke selbst zum Mund, was auch nicht immer gut gelingt (fehlende lokale Orientierung). Ich mache dann die Essensbegleitung, muss sie sehr dazu anhalten so gut es geht zu kauen und vor allem nicht zu viel auf einmal in den Mund zu nehmen. Es gibt die Regel: Erst Essen in den Mund bringen, Mund schließen, Besteck ablegen, dann kauen und dann schlucken. Dann erst das nächste Stück.
Nun hat mir der Sohn aber berichtet, dass sich die Patientin vor kurzem so heftig verschluckt hat, dass er das Gefühl hatte sie bekäme keine Luft mehr und hat sogar das Heimlich-Manöver durchgeführt (hat da wohl Erfahrngen aus seiner Zivi-Zeit…). Seitdem hatte ich noch keine Therapie mit ihr. Ich überlege jetzt, ob ich dem Sohn sagen soll, dass es bei mir in der Therapie dann nur noch passierte Kost, bspw. Apfelmus oder so etwas gibt, weil ich das sonst nicht verantworten kann. Die Dame ist halt auch einfach sehr stur: Möchte ihr Marmleadenbrot, andere zwar weiche, aber teils stückige Speisen, trinkt auch regelmäßig Milch (wo ich auch schon meine Einwände geäußert habe) und nimmt vieles nicht an (siehe Zahnersatz…).

Ich bin halt auf dem Dysphagie-Gebiet noch nicht so lange dabei, deswegen meine Unsicherheit, möchte in die Richtung auch bald eine Fortbildung machen. Was ratet ihr mir bei dieser Patientin, was für Therapiemöglichkeiten gibt es noch, welche Kostempfehlung?


vor 5 Monate, 1 Woche #96675

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Terrorkruemel83
Moderator

Will denn nur der Sohn die Logopädie oder will auch die Patientin die Therapie? Was ist das Ziel? Ich mache immer eine Aufklärung zum Schlucken und lasse mir das Unterschreiben. Wenn die Patienten und Angehörigen nicht mitziehen, dann ist eine Therapie meistens sinnlos.


vor 4 Monate, 4 Wochen #96686

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Tine_denkt
Teilnehmer

Der Sohn hat das mit der Logopädie mehr forciert. Die Patientin will unter dem Aspekt, dass sie schon noch selbst essen will. Der Sohn verdeutlicht ihr (manchmal ein bisschen grob, aber die beiden haben ihre eigene Art hart, aber herzlich, miteinander zu reden) was die Folgen sein können, wenn sie nicht bereit ist mitzuarbeiten (Sondenernährung etc.). Ich betone der Patientin immer, dass ich für sie gerne möchte, dass sie weiterhin so gut wie möglich selbst essen kann.
Ich habe dem Sohn auch gesagt, dass es gut wäre, wenn er an den Tagen, an denen ich nicht komme (bin ja nur 2x in der Woche dort) auch den Mundraum so gut wie möglich vor wenigstens einer Mahlzeit stimulieren würde, aber das lässt seine Mutter bei ihm wohl nicht zu. Bei mir geht es mal besser, mal schlechter, aber im Großen und Ganzen nimmt die Patientin mich und die Therapie an.


vor 4 Monate, 3 Wochen #96687

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