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Sigmatismus/ Schetismus lateralis und Zungenrückenkräftigung

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lenni2313
Teilnehmer

Hallo ihr lieben.

Welche mundmotorischen Übungen nutzt ihr, um die Zungenränder zu stärken? Irgendwie habe ich ein Knoten im Kopf. Manche kräftigen die Zungenmitte, welche die Zungenränder? Und wie bahnt ihr am besten die mediane Rinen an?

Was ist der Unterschied zwischen M. genioglossus, M. hyoglossus und styloglossus? Welche Übungen eignen sich am besten für die Kräftigung der einzelnen Muskeln.

Welche übungen eignen sich am besten zur Kräftigung des Zungenrückens und des Gaumensegels?

Über zahlreiche Antworten würde ich mich sehr freuen.

lg


vor 8 Jahre, 5 Monaten #86778

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logomaus
Teilnehmer

Hi lenni,

also wenn ich sigmatismus bzw. schetismus kinder habe, gebe ich immer viele puste – und saugübungen auf zu beginn, da hierbei die rinnenbildung gefördert/trainiert wird.

wenn ihr einen saugschlauch habt, kannst du den optional auch mitgeben und die kinder viel aus der „trinkschlange“ trinken lassen. bei uns fahren die total drauf ab. etwas brause ins wasser und schon trinken sie fleißig damit :)

reine mumos mache ich dann immer viel zungenübungen (zb. seitlich in die mundwinkel) obwhl ich mir nicht immer sicher bin ob das viel nutzt.

was aber auf jeden fall kräftigt sind die spatelübungen für die ränder. seitlich an die zunge legen und dagegen drücken. schafft aber nicht jedes kind. du musst halt mal mithelfen am anfang, die kinder haben da probs mit dem halten und gleichzeitigen drücken.

hast du das Kittel-Buch? da kannst du nochmal schauen, welche muskeln angesprochen werden bei welcher übung. vielleicht kaufst du dir das nochmal, um gezielter nachsehen zu können, wie die muskeln stärkung erhalten können, die du suchst.

viel erfolg :)

lg logomaus


vor 8 Jahre, 5 Monaten #89306

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Wicki
Teilnehmer

Seit ich die Fobi bei Nicole Gyra zur Lateralen Sigmatismus Therapie mitgemacht habe, bahne ich immer über das „überlüftete“ /t/ an. Selten arbeite ich an der Mundmotorik, weil sie bei meinen Lateralen Kindern oft in Ordnung war.

Ein Tip bei der Fobi bzgl. Zungenränder war, bäuchlings auf einem Pezziball liegend sich mit den Handkanten auf dem Boden abstützen und so ne Art Liegestütze zu machen. Generell abstützen auf den Handaußenflächen aktiviert die Zungenränder. Kannst du ja mal am Tisch selber ausprobieren und spüren, was die Ränder machen.

Zum Aktivieren der Rückziehmuskeln hilft einen Myogummiring um die Zunge ziehen und nur mittels Zungenrückzug dieses Gummi abstreifen, aber nicht die Zähne dafür benutzen. Die Kinder finden das immer sehr lustig und üben das auch gerne. Warum auch immer.


vor 8 Jahre, 5 Monaten #89320

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Kati
Teilnehmer

Hallo,

ich habe auch die Fortbildung zur lateralen Bildung bei Nicole Gyra besucht, aber nicht immer bekommen meine Kinder das hin.

Oft scheitert es daran, dass sie das t nicht lang sprechen können.

Wenn ich es dann vormache und sie wissen, dass ein ts erklingen soll, wird es dann wieder lateral.

Bahnst du auch ein ts im Rahmen der Sigmatismus interdentalis THerapie über das t an, oder wird es dann leicht addental?

Danke, Kati


vor 8 Jahre, 5 Monaten #89321

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Wicki
Teilnehmer

Ja, auch bei interdentalen Fehlbildungen verwende ich manchmal die Anbahnung über das T. Und ich arbeite ausgiebig an dem „langen“ T, also ts, damit die Kinder das gut verinnerlichen. Wenn ich zu früh an Silben oder Wörter gehe, wird es wieder inter- oder addental. Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel :-)


vor 8 Jahre, 5 Monaten #89323

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Kati
Teilnehmer

Hallo,

ja, wie genau arbeitest du denn an dem langen t. Das ist mein Problem.

Wie bekommst du es hin, dass es lang gesprochen wird? Führst du eine bestimmte Bewegung aus oder machst du das Geräusch vor, das entstehen soll (also ts)?

Danke.


vor 8 Jahre, 5 Monaten #89329

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lenni2313
Teilnehmer

Ich danke euch für die zahlreichen Antworten, die haben mir schon echt weitergeholfen. Vielen Dank.

Aber eine Frage wurde nicht so gut beantwortet, vielleicht habt ihr da auch noch Ideen für.

Welche übungen eignen sich am besten zur Kräftigung des Zungenrückens und des Gaumensegels?

Ich danke euch schonmal für weitere Antworten.

lg Jenny


vor 8 Jahre, 4 Monaten #89395

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Norina Lauer
Teilnehmer

Hallo,

wenn eine Sprechstörung und keine myofunktionelle Störung im Fokus der Behandlung steht, sollte man den Einsatz mundmotorischer Aufgaben generell überdenken. Insbesondere im angloamerikanischen Raum wird die Thematik intensiv diskutiert. Dabei wird z. B. darauf verwiesen, dass die bei mundmotorischen Aufgaben geforderte Muskelkraft wesentlich höher ist als diejenige, die bei der Artikulation überhaupt erforderlich ist. Auch der Erfolg des Zerlegens von Artikulationsbewegungen in einzelne mundmorische Bewegungen wird kritisch hinterfragt. In bildgebenden Verfahren kann zudem nachgewiesen werden, dass bei der Ausführung von Sprechbewegungen andere neuronale Netzwerke aktiv werden als bei der Ausführung mundmotorischer Bewegungen. Insofern geht man davon aus, dass Artikulation und Mundmotorik dissoziierte Leistungen sind. Bisherige Studien, wenn auch noch geringeren Evidenzgrades, weisen eher darauf hin, dass die Durchführung mundmotorischer Aufgaben bei der Behandlung von Sprechstörungen nicht zu Artikulationsverbesserungen führt.

Daher wäre meine derzeitige Empfehlung, nicht zu lange den Schwerpunkt auf mundmotorische Aufgaben zu legen, sondern intensiv und direkt an der Artikulation zu arbeiten.

Viele Grüße

Norina Lauer


vor 8 Jahre, 4 Monaten #89400

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Wicki
Teilnehmer

@ Kati

Also das lange T ist nichts anderes als ein total überlüftetes tsssssssss. Ausgiebig daran arbeiten heißt für mich, so lange isoliert produzieren, bis es sofort abrufbar ist. Dazu nehme ich alle möglichen Spiele her. Meist Würfelspiele. Beim Vorwärtslaufen Tsssss, Tsssssss artikulieren. Wenn das fuktioniert, auf Silbenebene, Wortebene Anlaut, Inlaut, Auslaut, Satzebene, gelenkte Rede, Spontansprache weitermachen. Wichtig, dass man kein „stimmhaftes“ /tö/ vormacht, sondern hörbar Luft ausströmen lässt.

@ lenni

Gaumenselgelübungen sind alle, die was mit pusten, hauchen oder ansaugen zu tun haben. Z. B. ein normales Memory, jeder hat seinen Strohhalm und ein Stück Papier oder Muggelstein oder ne leere Streichholzschachtel (evtl. nur das Außen- oder Innenteil) wird dann angesaugt und auf die Karten gelegt. Dauert zwar länger, aber man kann ja weniger Memorykarten nehmen. Ne tolle und umfangreiche Sammlung ist in den „Mundwerk“, „Kunterbund rund um den Mund“ und „Atem-Spiele“ Büchern zu finden.Was die Kinder noch gerne machen: in einen etwas dickeren Strohhalm einen extrem dünnen Strohhalm reinstecken und wettpusten, wer kann seinen am weitesten/höchsten pusten (auch im Liegen möglich).


vor 8 Jahre, 4 Monaten #89403

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Kati
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Hallo,

an wicki:

heißt das, dass du ein langes ts vormachst, also den Anfangsbuchstaben von ziege in die Länge ziehst? Oder was genau heißt überlüftet?

an norina:

gelten deine Ausführungen auch für den Laut s oder für die anderen Laute?

Kati.


vor 8 Jahre, 4 Monaten #89404

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Norina Lauer
Teilnehmer

Hallo,

die Ausführungen gelten generell für Artikulationstherapie bei Sprechstörungen. Insofern ist es eine gute Idee, direkt den betroffenen Laut anzugehen, wozu oben ja bereits Ideen genannt wurden. Wenn Mundmotorik, dann sollten die eingesetzten Aufgaben einen direkten Bezug zur Artikulation haben (z. B. beim /s/ die dafür nötigen Zungenbewegungen trainieren und direkt anschließend auf die /s/-Produktion übergehen).

Viele Grüße

Norina Lauer


vor 8 Jahre, 4 Monaten #89407

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Kati
Teilnehmer

Hallo Norina Lauer,

welche Zungenübungen führst du konkret für das s aus?

Wie wäre es mit ganz vielen kräftigen t mit viel Kraft in der Zungenspitze?

Oder Zungenrückziehübungen, z.B. einen Ring auf die Zungenspitze streifen und ihn ohne Zurhilfenahme der Hände wieder abstreifen?

Kannst du ganz konkret Übungen angeben? Dann würde ich mir gerne die anderen Zungenübungen, die man in ganz verschiedenen Formen wie Clowns, Fröschen usw. immer ausführen lässt, gerne sparen.

Schonmal danke und ein schönes Wochenende, Kati.


vor 8 Jahre, 4 Monaten #89408

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Wicki
Teilnehmer

@Kati

ja, überlüftet heißt Tsssssssssssssss wie in „Ziege“.


vor 8 Jahre, 4 Monaten #89412

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Kati
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Hallo,

vielen Dank für die Antwort.

Schönes Wochenende. Kati


vor 8 Jahre, 4 Monaten #89414

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Norina Lauer
Teilnehmer

Hallo,

/t/ mit sehr viel Kraft würde ich eher lassen, da für die Artikulation nicht so viel Kraft gefordert ist und mit viel Kraft ggf. gar kein Frikativ entstehen kann. Daher würde ich mich dem Vorschlag des langgezogenen /t/ zum /tssss…/ anschließen. Zudem würde ich es eher leise versuchen. Wenn ein /t/ produziert werden kann, müssen m. E. auch nicht unbedingt Zungenrückziehübungen gemacht werden. Extraorale mundmotorische Übungen würde ich generell weglassen.

Viele Grüße

Norina Lauer


vor 8 Jahre, 4 Monaten #89422

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Kati
Teilnehmer

Hallo,

danke. Das finde ich sehr spannend, was du da schreibst.

Das bedeutet ja, dass man sich, wenn jetzt kein fehlerhaftes Schluckmuster vorliegt, bei einem Sigmatismus interdentalis nur um die Anbahnung und die physiologische Zungenruhelage kümmern muss und nicht mehr um Zungenübungen. Das war immer sehr lästig.

Trotzdem automatisiert sich das s dann gut? Das wäre ja echt toll.

Nochmal vielen Dank.


vor 8 Jahre, 4 Monaten #89425

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