Logopädie-Forum

SEV Kind zeigt Probleme gegenüber Gleichaltrigen

Profilbild
logomaus
Teilnehmer

Hi ihr lieben Kollegen,

ich habe ein 4-jähriges Kind, das mit einer SEV zu uns kam. Er ist seit ca. 1 Jahr in Behandlung und hat in den letzten Wochen gute Fortschritte gezeigt.

Therapiert wird in Anlehnung an Zollinger. Zwischenzeitlich war ein Therapeutenwechsel, den er zunächst auch nicht so gut verkraftet hat und eine gewisse Zeit nur mit seiner Mutter in den Therapieraum gehen wollte. Mehr und mehr konnte er sich ablösen und zeigt sich nun inzwischen sehr unbefangen und selbständig, wenn ich ihn abhole. Er kommt gerne und öffnet sich auch gegenüber den Inhalten mehr.

Nachdem er bis vor ca. 6 Monaten nur funktional gespielt hat, kommen nun symbolische Handlungen dazu. Er verbalisiert auch, welche Dinge er braucht um Spielen zu können, was er spielen möchte. Zur Zeit Kaufladen.

Ich hatte heute danach ein Elterngespräch und habe der Mutter gesagt, dass ich stolz darauf bin, dass er sich Neuem gegenüber öffnen kann und auch gegenüber anderen Personen schneller Kontakt findet. Wir hatten zB heute spontan eine Praktikantin mit im Zimmer sitzen, der er sich schnell geöffnet hat und sie miteinbezogen hat.. Sie hatten viel Spaß, haben viel gelacht und mich hat das wirklich berührt ihn so unbefangen zu sehen. Ich dachte, wenn ich ihn frage ob jemand zusehn kann, dass er mit einem entsetzten bis ängstlichen „nein“ reagieren würde..tat er zu meiner Überraschunng jedoch nicht.

Naja, in diesem Zusammenhang habe ich vermutet, dass er seine Hemmschwelle überwinden kann, weil er inzwischen Sprache mehr benutzen kann und sich generell sicherer fühlt und dass man dies nun auch merkt. Kann das sein?

Nachdem ich der Mutter das erklärt habe (ich will sie eigentlich immer nur positiv bestärken), sagt sie, dass er noch sehr große Probleme mit Gleichaltrigen hat. Vertrauenspersonen gegenüber nicht mehr, allerdings schon noch sehr im Kindergarten oder wo auch immer sie sind würden Probleme entstehen. Er kommt aus sich heraus und geht zu jemandem hin und fragt „wie heisst du“ und jemand antwortet. und dann wird er gefragt wie er heisst und er sagt nichts mehr. Das ging am WE so lange, bis das andere Kind keine Lust mehr hatte und sich weggedreht hat und gegangen ist. Natürlich war er wohl frustriert. Die Mutter ist stiller Beobachter, sagt, dass sie manchmal versucht zu intervenieren, aber oft ist die Sache dann schon erledigt.

Sie sagt, dass er zB gerne auch mal mit jemandem Spielen würde Nachmittags, sich aber nicht traut zu fragen. Er kommt nicht über diese Schwelle hinweg. Und wenn sie dann versucht ein Kind zu bitten, reagieren die Kinder immer mit einem „nein“.

Wie schrecklich, oder?

So, jetzt mein Anliegen: die Mutter fragte mich, ob ich eine solche Situation in die Therapie einbauen könnte, damit er das übt.

Ich finde das etwas schwierig. Erstens weil er gerade erst beginnt mit dem Symbolspiel und es ihm noch schwer fällt mit Püppchen etc zu spielen und eine Situation „herzustellen“, zum anderen weil zwischen ihm und mir ein so gutes Verhältnis herrscht, dass er immer alles ungehemmt tun wird und sich traut. Ganz im Gegensatz zur Szene, wenn er sich mit Gleichaltrigen auseinandersetzt.

Meine Frage ist jetzt, ob jemand Ideen hat wie man da herangeht, oder ob man dies einfach als charakterliche Eigenschaft zählt oder ob es zur SEV gehört und und und………..

Ich danke Euch sehr,

lg

logomaus


vor 7 years, 11 months #86819

Profilbild
Wicki
Teilnehmer

Dazu fallen mir 2 Vorschläge ein.

Einmal könnte es hilfreich sein, gemeinsam mit dem Kind bei einem Kollegen zu klopfen, weil sich ein bestimmtes Spiel in dessen Zimmer befindet. Super wäre, wenn sich zufällig ein etwa gleichaltriges Kind in dem Zimmer befände. So könnte man nach und nach einen Kontakt knüpfen und vielleicht auch mal einen Teil der Stunde mit einem gemeinsamen Spiel verbringen. Das Kind könnte nach und nach die Frage nach dem Spiel oder Gegenstand selber übernehmen. Wie gesagt, falls das überhaupt möglich ist.

Praktisch wären auch, wenn die Familie Freunde mit etwa gleichaltrigen Kinder hätte und sich die Mütter treffen und die Kinder einfach mal miteinander klar kommen sollen. Manchmal sind ältere Kinder als Spielpartner auch nicht schlecht. Sie können Hilfen anbieten oder sich mehr auf dein Therapiekind einlassen. Vor allem Mädchen.

Das zweite, was mir einfällt, ist, dass Kinder mit ner SEV oder SES nicht selten in allen Bereichen entwicklungsverzögert sind, d.h. dass auch die Wahrnehmung/Koordination/Gleichgewicht etc. eingeschränkt oder verzögert sein kann. Eine Abklärung bei einem Ergotherapeut kann da genaueres herausfinden. Ich erlebe ständig, dass meine SEV Kinder mit der zusätzlichen Therapie und entsprechender Förderung erstes noch mehr sprachliche Fortschritte machen und sich zweitens sicherer in ihrem Alltag zurechtfinden, weil das Gewusel, was ständig täglich auf sie einprasselt, endlich mal geordnet und sortiert werden kann.

Vielleicht war hiervon was für den Kleinen dabei. Wäre interessant zu hören, wie es sich weiter entwickelt.

Das solltest du dir auf jeden Fall mal überlegen, falls er nicht sowieso schon Ergo bekommt.


vor 7 years, 11 months #89586

Profilbild
Wicki
Teilnehmer

ups, die letzten 2 Sätze stehen in verkehrter Reihenfolge


vor 7 years, 11 months #89587

Profilbild
logomaus
Teilnehmer

Hey Wicki,

Ergo bekommt der kleine schon. auch da traut er sich aber zu wenig. und sich zu wenig zu. die ergo und ich sind in ständigem kontakt.

Deinen Vorschlag finde ich gut. Muss mal sehen, ob ich das irgendwie geregelt bekomme, mit einem anderen Kind im Zimmer nebenan.

Übirgens wurde er jetzt großer Bruder. Bin auch gespannt, wie er sich nun so weiterentwickelt im Umgang mit der Mutter / dem Baby………..

lg logomaus


vor 7 years, 11 months #89589

Ansicht von 4 Beiträgen - 1 bis 4 (von insgesamt 4)

Antworten?

Du musst dich anmelden, bevor du an dieser Diskussion teilnehmen kannst.

Hier anmelden