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SES bei Kinder 7+

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Gaenseblmchen
Teilnehmer

…und nochmal ich,

In letzter Zeit bekomme ich häufig Kinder überwießen, die bereits in der 1. oder 2. Klasse sind (meist in Förderschulen) und über extrem eingeschränkte sprachliche Fertigkeiten verfügen. D.h. Wortschatz, SV, Grammatik alles stark reduziert. Dazu kommt immer eine Zweisprachigkeit.

Ich bin etwas ratlos, was ich mit diesen Kindern anfangen soll. Die Auffassungsgabe ist bei allen bisher ebenfalls extrem langsam gewesen und die Fortschritte halten sich somit in Grenzen.
Wie geht ihr mit solchen Fällen um – wann beende ich die Therapie, bzw. in welchen Intervallen arbeite ich und auf was lege ich meinen Schwerpunkt? Ich denke das Wortschatzarbeit in dem Alter auch nicht mehr den großen Durchbruch bringt.

Ich verstehe auch nicht warum diese Kinder nicht einige Jahre früher kommen, sondern erst in der Schule auffällt dass sie nix verstehn, aber das ist ein anderes Diskussionsthema.

Ich bin für alle Tipps und Anregungen dankbar,


vor 6 Jahre, 6 Monate #91315

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Hanna
Teilnehmer

Ich teste diese Kinder meist mit dem TROG-D und setze dann zum einen am Grammatikverständnis an und zum anderen arbeite ich nach HOT oder teils auch Affolter. Vor allem alltagsrelevante Themen kommen in meiner Therapie vor. So macht es den Kindern Spaß und die Motivation bleibt lange erhalten, auch zu lernen. Ansonsten viel Handlungsplanung, geplante Rollenspiele und ggf. AK. Je nachdem, wo der Schwerpunkt liegen soll.
Meist mache ich ca. 30 TE und gehe dann in Pause, auch um zu sehen, ob und wenn ja wieviel meine Therapie helfen konnte.


vor 6 Jahre, 6 Monate #91316

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Wicki
Teilnehmer

Ich teste die Kinder durch (Wortschatz, Grammatik, Sprachverständnis, Artikulation, phonologische Bewusstheit) und dann greife ich mir ein Thema raus, mache pro Woche 2 Therapiestunden mit ausschließlich einem Thema für ca. 20-30 Stunden. Dann folgen 2-3 Monate Pause, dann kommt das nächste Thema dran. Das kündige ich den Eltern und dem Arzt (per Bericht) auch so an.
Thema Wortschatz kann z. B. Erweiterung im Bereich Kleidung, Lebensmittel, Körperteile usw. sein. Aber wie gesagt, nur EIN Bereich. Es kann im Bereich Grammatik z. B. der Plural sein oder die Syntax. Bei Zweisprachigkeit ist die Genustherapie etwas mühselig. Aber auch das ist möglich!


vor 6 Jahre, 6 Monate #91323

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Amelie388
Teilnehmer

Ich würde die Kinder auch komplett einfach durchtesten und dann gucken wo die Schwerpunkte liegen – bezogen auf alle Ebenen. Und dann pickst du dir für jeden Therapieblock einfach einzelne Sachen raus (Satzerweiterung, Artikel, Förderung phonolog. Bewusstheit allgemein usw.).
Bei den Wortschatzsachen kannst du dir ja auch viiiel Zeit lassen, bearbeite es langsam und dafür intensiv. Gib auch Hausaufgaben wie z.B. im Supermarkt einkaufen (für Lebensmittel) oder einen Kuchen backen, mit Abendbrot vorbereiten etc. Nach dem Programm von Konlab gibt es auch schönes Material (vor allem zur Kategorisierung, Vernetzung und Verständnis für Beziehungen) – ich versuche dann immer eher die Kinder für neue Sachen zu sensibilisieren, sodass sie durch die Therapie nur Anstöße kriegen und (hoffentlich) im Alltag selbst viel Neues aufnehmen. Wortschatzarbeit ist auch mit 7 noch wichtig – wenn bspw. die Vernetzungen nicht gelegt sind (das bspw. Hund und Katze in das gleiche Feld gehören mit dem gleichen Oberbegriff: Tiere) dann können die Kinder auch nur schwer neue Begriffe aufschnappen. Wenn der Wortschatz sowieso schon klein ist, fällt sicher auch der Wortabruf/-findung schwer. Auch hier könntest du danach einen Schwerpunkt setzen.
Ich denke 30TE sind realistisch, dann eine Pause und Neuvorstellung. Lass dich nicht verunsichern von all dem Schwerpunkten – alles mit einmal kann man eh nicht behandeln, pick dir eins nach dem anderen raus, dann ist es für das Kind auch übersichtlich!

Wenn die Auffassungsgabe eingeschränkt ist, könntest du parallel auch noch Sachen für die Konzentration, Merkspanne und Aufmerksamkeit machen (auch Braingym macht Sinn, rythm. Sprechzeichnen, leichte Turnübungen). Macht sich auch immer ganz gut als Einstieg für eine TE.

Bezüglich der Zweisprachigkeit: gute Beratung! Sprachtrennung ist wichtig u. eventuell Emfehlungen geben wie z.B. AGs (für zusätzlichen Deutschinput) oder Freunde einladen aus der Schule, die deutsch sprechen. Wenn die Eltern schon zu Haus (wegen des sprachlichen) Hintergrunds nicht helfen können, sollte über die Therapie hinaus trotzdem was erfolgen. Allein durch 45min Logo die Woche kann nicht sooo viel erreicht werden, du kannst aber viele kleine Impulse setzen.

Liebe Grüße:)


vor 6 Jahre, 5 Monate #91345

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