Logopädie-Forum

Praktikumsgebühr

Profilbild
Aurinko
Teilnehmer

Hallo!

Als ich gestern im Internet nach möglichen Praktikumsstellen gesucht habe, bin ich auf die Seite des Therapiezentrums Pasing (München) gestoßen. Und was ich da gelesen habe, hat mich wirklich geschockt. Herr Schatz, der Praxisinhaber, verlangt doch tatsächlich eine Praktikumsgebühr. Unglaubliche 150 Euro – pro Woche!!!! Ich hab noch nie gehört, dass man Geld zahlen soll, wenn man ein Praktikum macht. In anderen Branchen verdient man bei einem Praktikum Geld, wir Logos absolvieren die Praktika eh schon unentgeltlich und jetzt soll man auch noch 600 Euro für ein Pflichtpraktikum während der Ausbildung hinblättern? Eine Mitschülerin hat ähnliches von einer Praxis in Augsburg berichtet. Ist das ein trauriger Trend oder eine Ausnahme? Habt ihr so was schon mal gehört? Ist das überhaupt legal? Wie soll man sich, wenn das immer mehr Praxen so handhaben, die Logo-Ausbildung dann noch leisten, man ist ja schließlich auf Praktika angewiesen… Kann man da irgendwas machen? Es würde mich einfach interessieren, was ihr davon haltet.

Ach ja, als ich den Herrn gefragt habe, was die 150 Euro/Woche rechtfertigt, kam eine sehr arrogante und pampige Antwort zurück u.a. mit der Aussage: „seither hab ich wesentlich weniger Anfragen“. Ich finde es wirklich traurig, dass jemand der selbst die Ausbildung gemacht hat und sicherlich auch Praktika absolviert hat und froh war, wenn er einen Platz gefunden hat, jetzt seine Stellung dazu benutzt Schüler und Studenten abzuzocken.

Liebe Grüße


vor 10 Jahre #86701

Hallo,

es ist sicher die Ausnahme, aber wenn durch die Bezahlung das Praktikum noch besser wird, dann finde ich die Idee dahinter gar nicht so schlecht.

Dabei muss man sicher zwischen Praktikanten unterscheiden, die von einer Berufsfachschule kommen und nur fünf Wochen in der Praxis/Klinik sind und den Studentinnen und Studenten, die ca. 1/2 Jahr dabei sind. Letztere haben viel mehr Zeit sich in den Betrieb zu integrieren und auch für den Betrieb „etwas zu leisten“.

Denn eines darf man nicht vergessen: Praktikanten sind keine kostenlosen Arbeitskräfte sondern Schüler/Studenten, die begleitet und supervisiert werden müssen. Das macht tatsächlich auch Arbeit.

Ein Blick über den Tellerrand: Bei den ASSL (Atem-, Stimm- und Sprechheillehrern) ist es üblich, dass die Supervisionsstunden in der Praktikumspraxis vergütet werden.

Ich unterstütze das sicher nicht, aber ich kann sogar ein bisschen die Idee dahinter verstehen, auf diese Art gleich mal Praktikanten abzuschrecken. Wir in der Klinik zum Beispiel vergeben unserer raren Praktikumsplätze auch nur noch an Studentinnen und Studenten (Logopädie und klinische Linguistik) und nicht mehr an Berufsfachschüler.


vor 10 Jahre #89032

Profilbild
jolanda
Teilnehmer

Alex, ehrlich gesagt finde ich das sehr traurig!!! Mit welcher Begründung werden Studentinnen/ Studenten dermaßen bevorzugt?

Ich bin ein bisschen geschockt…

LG


vor 10 Jahre #89033

Ein bisschen traurig mag das erscheinen, aber die Studenten sind länger im Haus, deutlich länger und sind dadurch viel besser in der Lage sich ins Team zu integrieren.

Meiner Erfahrung nach sind sie deutlich kompetenter in Bereichen wie wissenschaftliches Arbeiten, Reflektieren der eigenen Handlungen und können besser selbständig arbeiten und sich neue Themen erarbeiten.

Eigentlich kann man das natürlich nicht pauschalisieren, aber was das wissenschaftliche Arbeiten angeht, sind Studenten wirklich besser. Und für ein Lehr- und Ausbildungskrankenhaus wie wir es sind, sind Kooperationsverträge mit Universitäten und Hochschulen natürlich auch besser als mit Logopädieschulen.

Ich persönlich denke, dass es Zeit wird, die Akademisierung der Ausbildung auch im Berufsalltag zu leben. Das klingt vielleicht verrückt, wenn man bedenkt, dass ich selbst „nur“ die Ausbildung gemacht habe, aber die letzten drei Logopädiestellen bei uns im Haus wurden ebenfalls nur mit akademischen Logopäden besetzt. Und seitdem können wir unsere Kompetenzen und unseren Wert im Haus steigern, gerade was Trachealkanülenmanagement und Dysphagiemanagement angeht.


vor 10 Jahre #89034

Profilbild
kleinerPuh
Teilnehmer

Ich kann mich Alex nur anschließen.

Im Prinzip hat Herr S. ja Recht. Allerdings wäre es schon interessant was alles für das Geld geboten wird. Oder ob überhaupt etwas geboten wird. Denn so wie es sich anhört, muss er was zu bieten. Leider konnte ich die finanziellen Angaben auf der hp von diesem Therapiezentrum nicht finden.

Aber jetzt mal ernsthaft. Ich denke wenn man ein Praktikant nimmt und das schon über einen längeren Zeitraum, dann ist man doch gewillt ihnen etwas mitzugeben. Wissen und Erfahrung hat nun mal seinen Preis. Warum sollte man also nicht auch etwas dafür verlangen?

Im Gegenzug finde ich es extrem unverschämt, dass z.B. die Hochschulen für die gesamte Praktikumszeit weiterhin ihren monatlichen Beitrag fordern. Warum? Im Klartext bedeutet dies: Wir machen die Arbeit und die kassieren. (ach, das ist ein anderes Thema)

Sicherlich ist es blöd wenn das Thema auf den Studierenden ausgetragen wird. Aber was ist schon gerecht.

Noch eine kleine Anekdote:

Habe eine Praktikantin welche sich für 4 Wochen angemeldet hat. Wir sind wirklich bemüht, dass unsere Praktikanten etwas lernen, Erfahrungen sammeln können, sich ausprobieren, Berichte durchgehen, Fragen bearbeiten und gerne auch noch einmal die Theorie durchgehen usw. Also 3-5 Zeitstunden investieren wir in der Woche locker in die Leute. Ende vom Lied war: Von diesen 4 Wochen war sie 2 Tage da und wir haben alles umsonst vorbereitet. Da hat man dann auch mal ganz schnell keine Lust mehr auf Praktikanten oder möchte gerne Fremderziehung betreiben.

Als Praxis bzw. Arbeitgeber habe ich immer das Privileg der Entscheidung wen ich nehme (Studis) und wen nicht (Berufsfachschüler). Da minimiere ich doch lieber von Anfang an das Risiko meine Zeit an jemanden zu „verschwenden“. Von daher verstehe ich nicht warum Jolanda nun geschockt ist. Willkommen in der Wirklichkeit :o)


vor 10 Jahre #89035

Profilbild
EvaBiereder
Moderator

Hallo Aurinko!

Für mich liest sich das wie: Herr S. hat keine Lust, für PraktikantInnen unbezahl Zeit zu opfern und sich evtl sogar noch die Konkurrenz auszubilden.

Vielleicht hat er schlechte Erfahrungen gemacht, vielleicht gibt er nicht gern Wissen weiter, vielleicht mag er halt schlicht und einfach nicht. Verlangt er Geld, so schrekt das ab und er muß sich nicht mit Absagen aufhalten ( außer, es rufen so neugierige Menschen wie Du an ;-) )

Und es funktioniert ja ;-)

Nimms nicht persönlich, das hat weder etwas mit Dir, noch mit einem allgemeinen Trend zu tun ( behaupte ich mal ganz dreist ).

Hast Du denn einen Praktikumsplatz gefunden?

Grüße

Eva

übrigens: Der Weihnachtswichtelnstrang steht im fun Forum ;-)


vor 10 Jahre #89036

Profilbild
Inger
Teilnehmer

Hallo!

Ich habe zwar erst gerade mit der Ausbildung angefangen und habe somit noch nicht viel mit der Suche nach Prakitkumsplätzen für ein Praktikum in einer Praxis/Klinik zu tun, aber genau wie jolanda war ich auch ein bisschen überrascht.

Auf mich wirkt gerade der vorletzte Beitrag ein bisschen so, als ob Studierenden pauschal eine bessere Arbeitsmoral nachgesagt wird als Berufsfachschülern. Mit welchen Argumenten? Einfach nur, weil EINE schlechte Erfahrung gemacht wurde?Das wäre doch sehr traurig.

Auch klingt für mich aus allen Beiträgen eine generelle Abwertung der Leistungsbereitschaft und Qualitfikation der Berufsfachschüler heraus. Da würde ich doch gerne nochmal nachfragen, warum das so ist?

Ich habe mich als Abiturientin gezielt gegen den sofortigen Einstieg in ein Studium entschieden, weil ich mir von der Ausbildung an einer Berufsfachschule mehr praktische Erfahrung erhofft habe.

Zählt das nun gar nicht mehr?

Auf Antworten wäre ich sehr gespannt!

Grüße Inger


vor 10 Jahre #89037

Profilbild
pupill23
Teilnehmer

Hallo!

Im genannten Fall wird das Praktikum mit ziemliche hoher Wahrscheinlichkeit auch durch die Bezahlung nicht besser werden. Nur seine Kasse klingelt lauter.

Grüße in die Runde!


vor 10 Jahre #89039

Profilbild
jolanda
Teilnehmer

Ich sehe das ähnlich wie eva und pupill23…

kleiner puh, ich bin denke ich schon seit ein paar Jahren in der Realität angekommen, vielen Dank ;)

Ich dachte nur eine Stärke der Logopäden sollte eine besondere Form der Reflektiertheit ,mit der sie an die Dinge heran gehen, sein.

Aber das klingt ja hier teils mehr nach praktischem Schublade auf…

Insgesamt finde ich das Thema einfach schwierig. Es ist von so vielen Faktoren abhängig wie Alter des Praktikanten, jeweilige Schule/ oder auch UNI!!, Ausbildungsjahr, Charkater usw.

Wenn du Pech hast, erwischst du einen Praktikanten, der nicht motiviert ist und nicht regelmäßig erscheint. Egal ob BFS oder UNI

Wenn du Pech hast, erwischst du einen Praktikanten, der fachlich noch nicht so weit wie erwünscht ist. Egal ob BFS oder UNI

Dass ein Praktikant, der über einen längeren Zeitraum bleibt, von Vorteil ist, ist natürlich total klar, Alex!

Mit dem Pauschalisieren hab ich so meine Probleme. Sorry.


vor 10 Jahre #89041

Profilbild
kleinerPuh
Teilnehmer

Mein Beitrag hat nichts mit Schubladendenken und Pauschalisieren zu tun. Ich gebe dir vollkommenden Recht, dass man immer Pech mit der Wahl seiner Praktikanten haben kann. Das ist gar keine Frage. Ebenfalls wollte ich hier keinen Aufruf starten und für die Hochschüler Werbung machen und die Berufsfachschüler ausgrenzen. Sicherlich nicht!

Damals dachte ich auch, es wäre besser für mich gewesen eine Ausbildung zu machen bzw. an eine Berufsfachschule zu gehen. Gerade weil sehr viele praktische Anteile in der Ausbildung enthalten sind. Habe mich aber dann doch für das Studium entschieden.

Wir haben bei uns schon einige Praktikanten erlebt und man kann sagen, dass das Wissen ein Anderes ist. Ich würde sagen, die Berufsfachschüler wissen wie man einen Weg in der Therapie geht (Material, Gestaltung usw.) und die Hochschüler wissen warum sie ihn so gehen. Das hat aber nichts mit guter oder schlechter Qualität ihrer Arbeit zu tun.

Alles was ich damit sagen will, gerade im Hinblick auf Akademisierung unseres Berufes, wissenschaftliches Arbeiten, ‚Augenhöhe‘ mit den Ärzten, Weitsichtigkeit für unseren Berufsstand und was noch alles dazu gehört, macht es einen Unterschied, ob man einen Berufsfachschüler oder einen Hochschüler vor sich hat.


vor 10 Jahre #89042

Profilbild
Holger
Teilnehmer

Hallo.

Jetzt möchte ich mich als Münchner auch einmal zu Wort melden.

Zuerst möchte ich feststellen, dass gerade diese erwähnte Praxis von Herrn Schatz in Pasing auch für einen wesentlich höheren Betrag kein gutes Praktikum bieten würde.

Ich gebe Pupill23 da völlig recht.

Ich selbst habe erlebt, dass zwei Studenten der LMU München sich Verordnungen für eine Stimmtherapie von einer Phoniaterin besorgt haben. Mit dieser Verordnung kamen sie dann in eine logopädische Praxis und fragten an, ob sie „auf Rezept“ ein Praktikum machen könnten.

Sie hatten geplant, insgesamt 20 Therapieeinheiten von ihrer jeweiligen Kasse auf ärztliche Verordnung abrechnen zu lassen und diese dann als Praktikum für ihr Studium zu verwenden – inklusive einer Benotung durch die Logopädin der Praxis.

Ein bemerkenswerter Fall!

Darüber hinaus kommt mir in diesem Zusammenhang die Diskussion um die Akademisierung der Logopädie in den Sinn.

Der dbl unterstützt die Logopädenschulen in äußerst geringer Art und Weise. Er propagiert das Studium und treibt die Diskussionen dahingehend an.

Wenn hier im Forum einige über die Akademisierung kritisch nachdenken, müsste im Grunde ein Berufsfachschüler als Praktikant bevorzugt werden, um die eigene Zunft zu unterstützen.

Ich denke wie jolanda… Die Reflektiertheit wird in einer guten Ausbildung erlernt bzw. erweitert. Wenn Praktikanten in Bezug auf ihr Reflexionsvermögen beurteilt werden, finde ich das zu kurz gedacht. Ein Praktikant befindet sich in Ausbildung – ob Student oder Schüler. Beide Gruppen ersetzen keine Arbeitskraft und dürfen/müssen dem Anleiter Arbeit machen.

Holger


vor 10 Jahre #89043

Profilbild
Aurinko
Teilnehmer

Ich bin wirklich etwas erleichtert, dass nicht alle die Studenten prinzipiell bevorzugen. Es ist schade, dass einige von Euch wohl schlechte Erfahrungen gemacht haben, aber wie auch schon Jolanda und Inger gesagt haben, das kann einem mit Studenten als auch mit Berufsfachschülern passieren. Jedoch finde ich, dass man aufgrund eines Falls nicht alle Berufsfachschüler „verteufeln“ darf. Man kann immer Pech mit Praktikanten haben. Es ist meiner Meinung nach schlichtweg unfair, den Frust und die Enttäuschung darüber an sämtlichen Schülern auszulassen.

Natürlich hat jeder Weg, sowohl der einer Bfs sowie der eines Studiums seine Vor- und Nachteile. Nur so lange es beides gibt, sollten auch beiden die gleichen Chancen eingeräumt werden. Wir haben doch alle das gleiche Ziel: wir wollen gute Logopäden sein!

Und was die Integration ins Team angeht, die Herr Fillbrandt angesprochen hat: Ich glaube nicht, dass es wirklich einen Unterschied macht, ob jemand 3, 4 Wochen oder mehrere Monate da ist. Letzlich geht es hierbei doch um die persönliche Art des Praktikanten ob und wie er sich integrieren kann. Wenn jemand eher still ist und sich vielleicht eher im Hintergrund hält, wird sich das auch nach einem halben Jahr kaum ändern. Anfängliche Schüchternheit legt sich doch relativ bald, nach ein paar Tagen, zumindest meiner Erfahrung nach.

Ich bin Berufsfachschülerin, auch ganz bewusst. Ich bin allein in eine fremde Stadt gezogen, weit weg von meiner Heimat, Freunden und Familie, die ich seither nur alle paar Monate mal sehe. Und das alles nur um Logopädin zu werden. Ich finanziere mich ausschließlich über Bafög und ganz ehrlich, ich könnte niemals 600 Euro für ein 4-wöchiges Pflichtpraktikum aufbringen. Bafög reicht lediglich, weil ich an einer staatlichen Schule bin. Angenommen, immer mehr Praxen würden das so handhaben, dann haben wirklich nur Kinder reicher Eltern die Möglichkeit diesen Beruf zu ergreifen, denn viele Logoschulen sind ja privat, was sich auch nicht jeder leisten kann und die Plätze an den staatlichen sind hart umkämpft und es war für mich wie ein Lottogewinn, dass ich genommen wurde. Andere hatten vielleicht nicht so viel Glück, müssen irgendwie Geld auftreiben um eine private Schule zu bezahlen und dann werden die finanziellen Mittel kaum für Praxisgebühren zusätzlich reichen….

Meine logopädischen Praktika waren bisher immer 4 Wochen lang und ich hatte nie Schwierigkeiten mich zu integrieren. Vor der Ausbildung hab ich mehrmonatiges Praktikum in einer Caritas Einrichtung für verhaltensauffällige Jugendliche gemacht, folglich war ich dort wesentlich länger, aber besser integriert als bei den anderen Praktika war ich dort nicht. Entweder es klappt oder eben nicht. Ich hatte Glück und hab immer sehr nette Teams erwischt. Ich bereue kein einziges meiner Praktika, egal ob logopädisch oder nicht. Mir wurde viel gezeigt, ich durfte viel machen und ganz ehrlich, ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass eines davon auch nur einen Hauch besser gewesen wäre, wenn dafür eine Gebühr erhoben worden wäre.


vor 10 Jahre #89055

Um es gleich zu Beginn zu sagen: würde ich mich heute (unbedachter Weise) für die Logopädie entscheiden, so würde ich ein Studium angehen und die schulische Ausbildung, die ich für wesentlich praxisbezogener und auch besser halte, außer Acht lassen, da es sich einfach in den letzten Jahren herauskristallisiert hat, dass Studenten als die besseren Praktikanten angesehen werden. Und dass – so zeigen meine Erfahrungen – völlig zu Unrecht. Studentische Praktikanten haben keinerlei praktische Erfahrung, wenn sie auf Praxen o.ä. losgelassen werden.

@ Alex: deine ersten beiden Sätze kann ich nicht nachvollziehen. Wo und wie arbeiten Studenten selbstständiger als Schüler? Das habe ich noch nicht gesehen. Studenten sind zwar für einen längeren Zeitraum vor Ort, aber das muss kein Vorteil sein. Wenn der Student es einfach nicht drauf hat, weil er zum ersten Mal mit praktischer Arbeit konfrontiert wird, so kann es nicht die Aufgabe der Pratikumstelle ihm diese grundlegenden Kompetenzen beizubringen.

Vor kurzem habe ich mit einer Kollegin telefoniert, die sich klar gegen Studenten ausgesprochen hat, da sie fast ein halbes Jahr eine Belastung für die Einrichtung darstellen.

Aber bevor man hier etwas falsch versteht: ich habe nichts gegen Studenten. Dennoch nervt mich das vom dbl propagierte Bild des Studenten. Schüler werden nicht großartig erwähnt.

Was die Reflektiertheit angeht: da muss ich klar sagen, dass es in beiden Parteien (denn das sind sie mittlerweile) Gute wie auch Schlechte gibt.

So, das war mein Senf. Guten Appetit.


vor 10 Jahre #89068

Profilbild
Teekly
Teilnehmer

Also erst mal zum Thema Praktikumsgebühr:

Von meinen therapeutischen Kollegen (Physio u. Ergo) in meiner Klinik weiß ich, dass eine Praktikumsgebühr bei ihren Praktikanten obligatorisch ist. Diese wird Vertraglich mit den entsprechenden Ausbildungsstätten vereinbart und auch von diesen entrichtet. Dass die Gebühren letztendlich auf das Schulgeld aufgeschlagen werden ist klar, aber Schüler, deren Einrichtung keine Praktikumsgebühr entrichtet gibt es in unserem Hause nicht.

Letztlich bin ich auch der Meinung, das eine Gebühr dazu beiträgt, Schüler nicht als „billige Arbeitskräfte“ zu misbrauchen, da die Behandlungsausfälle, die zwangsweise bei einer guten Schülerbetreuung anfallen, hierdurch ausgeglichen werden können.

Zum Thema Schüler oder Studenten:

Vor meiner Tätigkeit im Krankenhaus war ich in eine großen logopädischen Praxis beschäftigt. ich habe eine Vielzahl von Praktikanten gesehen und auch immer wieder Kollegen gehabt, die frisch von der Schule bzw. Universität bei uns angefangen haben.

Meine Erfahrungen lassen sich wie folgt zusammenfassen:

Die Absolventen von Logopädieschulen haben wesentlich bessere „people-skills“, wie man so schön neudeutsch sagt. Der Umgang mit Patienten ist wesentlich sicherer und die Therapeutenpersönlichkeiten wesentlich stärker ausgeprägt. Ich vermute, das liegt an hochfrequent, von Lehrlogopäden supervisierten Therapien, die während der gesamten Ausbildung durchgeführt werden.

Die Hochschulabsolventen haben – das muss ich als nicht-studierter Logopäde anerkennen – ein sehr fundiertes theoretisches Wissen. Allerdings fehlt es ihnen eben an den oben genannten Eigenschaften.

Wenn ich die Wahl hätte, würde ich – pauschalisiert – Fachschulabsolventen jederzeit den Vorrang geben, denn theoretisches Wissen lässt sich gut durch lesen oder Fortbildungen nacharbeiten. Eine Therapeutenpersönlichkeit im Praxisalltag auszubilden halte ich für aüßerst schwierig. Und im Zweifel leidet meine Praxis darunter, da Patienten so etwas relativ schnell merken…


vor 10 Jahre #89072

Ansicht von 14 Beiträgen - 1 bis 14 (von insgesamt 14)

Antworten?

Du musst dich anmelden, bevor du an dieser Diskussion teilnehmen kannst.

Hier anmelden