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Hi,
da mache ich diesen Job nun schon seit Jahrzehnten und ertappe mich immer wieder dabei wie ich über diese Begrifflichkeiten nachdenke. Jeder von uns weiß natürlich was das ist. Jedenfalls glaubt er es zu wissen. Ich habe nun schon einige Sichtweisen und Veränderungen erlebt. In meiner Ausbildung stritten wir noch darüber was denn bei dem Kind für eine “Störung” vorliegen könnte. Wir sammelten die Ergebnisse von Teilleistungen und ordneten sie den einzelnen Begrifflichkeiten zu. Danach entschieden wir welche Therapiemaßnahmen wir durchführten. So sprachen Schwächen in der auditiven Diskrimination dafür, dass eine “Phonologische Störung” besteht. Konnte das Kind einen Einzellaut nicht imitieren sprach das für eine “phonetische Störung”. Schon damals konnte ich mit dieser Sichtweise nichts anfangen. Dieses schwarz-weiß Denken kam mir sonderbar vor. Dann veröffentlichte Fox-Boyer ihr Buch und ich war erleichtert. Die festgefahrene Sichtweise wurde aufgebrochen und aussprachegestörte Kinder vernünftiger eingeteilt.
So waren phonetische Störungen nur noch die, bei denen die fehlerhaften Laute nicht “motorisch” korrekt produziert wurden. So war das Lispeln nun ein phonetischer Fehler. Die K/T- Verwechselung eine phonologische Problematik. Danach war ich erst mal zufrieden.
Doch dann erkennt der “erfahrene” Sprachtherapeut “dyspraktische Fehler”. Hach…so was Dummes! Da mache ich jetzt die fox-sche Ausspracheprüfung und kann meine VED nicht finden.
Tja…Dann denkt die creative Logopädin praktisch und identifiziert eine VED über den Umweg der “Inkonsequenten phonologischen Störung”. Natürlich nur wenn noch ein artikulatorisches Suchverhalten zu erkennen ist.
Aber in letzter Zeit grenzen wir ja auch eine “Inkonsequente phonologische Störung” von einer VED ab. Diesen Theoriebrei habe ich aber wieder vergessen….
Nun scheint ja die Sprechapraxie “Eine phonetisch-motorische Störung bei intakten phonologischen Kompetenzen” zu sein. Ich frage mich nur wie man korrekte phonologische Kompetenzen erwerben kann, wenn das Kind massive sprechmotorische Auffälligkeiten zeigt. Ist es nicht eher so, dass die Schwächen in der Bewegungsplanung zu inkorrekten phonologischen Kompetenzen führt?
In diesem Gedankengespinst sind dann auch Aussprachestörungen bei LKG nicht zwingend phonetische Aussprachestörungen sondern phonologische.
Wenn ihr auf einem besseren Weg seid, lasst es mich wissen…


vor 1 Woche, 6 Tagen #96550
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Teilnehmer

Im Grunde macht es vielleicht auch gar keinen Sinn mehr diese linguistischen Begrifflichkeiten zu verwenden.
Mit Dyslalie, Dyspraxie, LKG etc. ist ja eigentlich alles gesagt.
Doch wer traut sich noch heute “Dyslalie” zu schreiben.


vor 1 Woche, 6 Tagen #96551
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