Logopädie-Forum

nachfolgende Patienten kommen unaufgefordert in das Therapiezimmer

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setra
Teilnehmer

Hallo,
ich bin selbständige Logopädin und arbeite allein. In meiner Praxis sind Eingangsbereich und Wartezimmer offen, es gibt nur eine Tür, nämlich die zu meinem Therapieraum. Mein Problem:
Wenn ein Patient nach der Therapiestunde geht, kommt oft der nachfolgende Patient einfach rein und setzt sich schon mal hin.
Ich merkte, dass mich dies immer mehr ärgert, denn ich habe überhaupt keine Zeit, die Matierialien des vorhergehenden Patienten aufzuräumen, die Akte zu schreiben und einfach mal durchzuatmen. Aus diesem Grund habe ich auf meinem Anmeldungsbogen auch aufgelistet, was zu einer Therapiestunde gehört (damit der Patient auch rechtzeitig geht – das ist aber ein anderes Thema) und habe an der Tür einen Zettel, dass der nachfolgende Patient warten soll, bis ich ihn rufe.
Dieser Zettel leigt auch im Wartezimmer aus und wird total ignoriert.
Oft schicken die Mamas ihre Kinder einfach zu mir ins Zimmer, nur damit sie einkaufen gehen können usw. Beim Abholen nehmen sie es dann mit der Uhr nicht so genau und wollen mir alles mögliche erzählen, obwohl ich demonstrativ aufräume oder die Akte schreibe.
Wenn dies ein Einzelfall wäre, könnte ich damit leben. Das zieiht sich aber oftmals so durch den ganzen Tag, dass ich um jeden Patienten froh bin, der einige Minuten zu spät kommt.
Ich ärgere mich deshalb so, weil kein Patient auf die Idee käme, beim Physiotherateuten unaufgefordert auf die Liege zu liegen. Desweiteren schreibt aus meiner Erfahrung ein Physiotherapeut keine Akte und beendet die Therapie nach 20 Minuten und rechnet 30 Minuten ab.
Wie bekommt ihr das Problem in den Griff?

setra


vor 7 Jahre, 6 Monaten #91129

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Terrorkruemel83
Moderator

Bei mir würden die Patienten nie auf die Idee kommen einfach ins Zimmer zu kommen. Selbst wenn ich im Zimmer bin und die Tür offen steht warten die Patienten bis sie herein gerufen werden. Einfach reinkommen, finde ich schon dreist.
Ich glaube, da helfen nur klare Ansagen. Sobald einer reinkommen will und du noch nicht soweit bist sagen: “ Bitte nehmen sie im Wartezimmer Platz Sie werden gleich aufgerufen!“ und den Patienten auch deutlich sagen, dass du sagst wann Sie reinkommen können. Auch den Eltern schriftlich geben, dass Sie ihre Kinder pünktlich abholen müssen. Wenn Sie zu spät kommen gibt es kein Elterngespräch mehr.

Ich drück dir die Daumen, dass du das Problem schnell in den Griff bekommst.


vor 7 Jahre, 6 Monaten #91130

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Kati
Teilnehmer

Liebe Setra,

ich hatte das auch bei einzelnen Patienten.

Das hat mich auch unheimlich gestresst. Man konnte noch nichtmal in Ruhe die Sachen wegräumen und die andere Therapie in Ruhe beenden.

Ich habe dann auch schonmal die Patienten wieder herausgeschickt (waren Kinder). Ich habe Ihnen erklärt, dass ich kurz die Sachen noch wegräumen muss und ich sie sofort hole. Das war dann gar kein Problem.

Meine Kollegin hat mir aber auch schonmal von einer Jugendlichen erzählt, die trotz mehrerer Aufforderungen nochmal den Raum zu verlassen (sie war zu früh und meine Kollegin hat in Ihrer Pause gerade noch einen Bericht geschrieben) einfach sitzen geblieben ist. „Ich kann ja trotzdem hier warten“.

Aber das ist ja eher die Ausnahme.

Schreib doch mal, wie die Patienten reagiert haben.

Liebe Grüße, Kati.


vor 7 Jahre, 6 Monaten #91131

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setra
Teilnehmer

Hallo Terrorkrümel, hallo Kati,
danke für eure Angtworten.
Ich bin froh, dass ihr meinen Stress nachvollzeihen könnt. Ich sage zu meinen Patienten (meistens Kinder) dass ich noch nicht bin. Und dann lese ich das Schild an meiner Tür vor. Es hilft nichts. Diese Woche z.B. war ein Patient gerade gegangen und ich hatte noch 5 Minuten Zeit vor der nächstenTherapie. Die Mutter saß mit ihren Kindern, die nacheinander bei mir Therapie haben, schon im Wartezimmer. Das erste Kind kam rein. Ich war noch am Aufräumen. Ich sagte dem Kind, dass es zu früh reingekommen sei, dass ich noch aufräumen muss und dass ich normalerweise dann erst den nachfolgenden Patienten aufrufe. Ich hörte, wie der Bruder im Wartezimmer seine Mutter fragte, was ich denn zu seiner Schwester gesagt hatte. Sie wiederholte meine Äußerungen, machte aber keine Anstalten, ihre Tochter zu sich zu rufen.
Anderes Beispiel: Ein Erwachsener kommt rein, nachdem der vorherige Patient gerade raus ist und meint „Ich setz mich schon mal hin.“ Ich erwiderte, dass ich noch nicht so weit sei. „Das macht nichts, ich warte“, war seine Antwort.

Es stresst.

Dabei unterschreiben sie alle, dass sie meine Regeln in der Praxis akzeptieren.

setra


vor 7 Jahre, 6 Monaten #91135

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Wicki
Teilnehmer

Ätzend! Das nervt mich schon beim Lesen. Kann dich da total verstehen.
Hast du schon mal probiert, die ersten Patienten so aus dem Zimmer zu geleiten, dass du quasi drin bleibst und dann die Türe wieder von innen schließt, so dass der nachfolgende Patient nicht durch die offene Tür reinspatzieren kann? Ein Schild an der Klinke mit „Bitte nicht stören“ oder „Eintreten nur nach Aufforderung“ kann dir da vielleicht ein Helfer sein. Ist schnell aus Pappe gemacht. So wie die in Hotelzimmern, die einfach ein Loch im oberen Drittel des Schilds haben um es über die Klinke zu ziehen. Rotes Schild mit schwarzer Schrift mit vielen Ausrufezeichen. :-)

Wenn Mütter ihre Kinder nur abliefern, dann sag ich ihnen beim Abholen, dass sie das nächste Mal 10 min. früher da sein MÜSSEN, weil ich nie genau weiß, wie viel es zu bereden gibt. Sag ihnen, dass du wünschst, dass sie bis du das Kind holst im Wartebereich bleiben sollen. Je klarer du bist, desto klarer verstehen es die Leute. Kommt sicher schon mal vor, dass größere Kinder von den Eltern in die Praxis geschickt werden, weil sie alleine warten können. Das sollte aber nicht die Regel sein. Mach denen das klar. Bei der Häufigkeit, wie du sie beschreibst, wirkt es so, als ob die Patieten/Eltern Signale von dir empfangen, die ihnen die Entscheidung überlässt. Es ist aber deine! Also sorge dafür, dass DEINE Regeln in DEINER Praxis eingehalten werden und sei konsequent. Zur Not „verplemperst“ du eben die ersten 10 min. Therapie damit, die Leute wieder rauszuschicken. Ich mache es teilweise so, dass ich trotz wartender Mutter die Kinder aus dem Zimmer nehme, die Therapiezimmertüre von außen schließe, sie ins WZ verfrachte, dort die Türe schließe, sie wieder öffne und die Mutter mit dem Kind begrüße und das Kind auffordere mit mir mitzugehen. Das mache ich mit einem Kind höchstens ein Mal. Dann haben es Mutter und Kind kapiert. Bei den Erwachsenen solltest du die Zeit abpassen, in denen sie ungefragt ins Zimmer treten wollen (ich denke, du kennst deine Pappenheimer und weißt schon, ob der nächste ungefragt in deinem Zimmer steht) und sie noch vor der Türschwelle darum bitten, sitzen zu bleiben, sie wären gleich dran. Bei „ich setz mich schon mal“ antworten, dass es dir nicht recht sei und du gleich voll und ganz für sie da seist, wenn sie sich noch einen Augenblick gedulden würden. Freundlich aber bestimmt bleiben. Und nicht viel erklären, von wegen aufräumen/lüften etc. sie sollen warten, du seist noch nicht so weit und punkt. Ausprobieren. Morgen gehts los :-)


vor 7 Jahre, 6 Monaten #91141

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setra
Teilnehmer

Hallo Wicki,
ja, wahrscheinlich war ich die ganze Zeit zu freundlich. Es kam z.B. schon mal vor, dass ein Patient noch im Therapiezimmer war und die Mutter des nachfolgenden Therapiekindes hat ihr Kiind an diesem Patienten vorbeigeschoben und schon mal auf den Stuhl gesetzt. Daraufhin sagte ich, dass ich mit dem Patienten noch nciht fertig sei und die Mutter meinte nur, dass „ihre“ Therapiezeit aber so eben angefangen hätte. Diskussion war zwecklos.
Daraufhin habe ich den eingangs dieses Themas genannten Zettel geschrieben, dass ich den nachfolgenden Patienten rufe, um mich auch gedanklich vom vorherigen Patienten lösen zu können.

Jetzt versuche ich es wirklich mit deiner klaren Aussage. „Eintreten nur nach Aufforderung.“

Danke.
setra


vor 7 Jahre, 6 Monaten #91147

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setra
Teilnehmer

Hallo an alle Interessierte,
ich möchte euch von meinen ersten Erfolgen berichten.
Mein neues Türschild wirkte sofort. 95% aller Patienten bzw. die Angehörigen halten sich daran.

Ein Erlebnis hatte ich allerdings letzte Woche noch, das mich maßlos geärgert hat und zudem an euch eine neue Frage aufwirft.
Mein erster Patient hatte für 8.00 Uhr einen Termin. Es war 10 Minuten vor 8 und mein Schreibtisch war voller Zettel, weil ich meine Büroarbeit „so nebenbei“ erledigen muss. Meine Tür zum THerapieraum war zu. Mutter und Therapiekind betreten die Praxis und kommen sofort und ohne anzuklopfen zu mir in den Therapieraum. Ich sagte, dass ich noch nicht so weit sei, doch die Mutter wollte ihr Kind schon Richtung Therapiestuhl schieben. Ich erklärte kurz, dass ich meine Abrechnung mache und dazu Ruhe brauche. Sie reagierten nicht. Ich fügte hinzu, dass sie früh da seinen und doch bitte draußen noch warten sollten. Daraufhin gingen beide ins Wartezimmer. Eine Minute vor 8 Uhr kamen beide wieder ohne anzuklopfen rein. Das Kind meinte, da draußen sei es so langweilig. Ich erklärte dem Kind – meinte aber die Mutter – dass ich trotzdem meine Zeit brauchte, um meine Schreibtischarbeit zu erledigen. Bin mal gespannt, wie sie sich beim nächsten Mal verhalten.

Jetzt also zu meiner Folgefrage.
Wann beginnt bei euch die Therape „am Patienten wie es so schön heißt.
Beginnt ihr pünkltich (z.B. 8 Uhr) oder legt ihr da erst die Materialien zurecht?

Viele Grüße
setra


vor 7 Jahre, 5 Monaten #91335

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Terrorkruemel83
Moderator

Super, das ist doch schon mal ein Erfolg.
Wenn die Patienten um 8 einen Termin haben, dann beginnt die Therapie auch um 8. Material lege ich dann schon eher oder am Vortag bereit.
Hast du in deinem Wartezimmer die Möglichkeit eine kleine Spielecke einzurichten? Dann wären die Kinder in der Zeit des Wartens beschäftigt.


vor 7 Jahre, 5 Monaten #91337

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setra
Teilnehmer

Hallo Terrorkruemel83
Ich habe ein sehr großes Wartezimmer mit einer Bücherkiste für jedes Alter, einen Maltisch und eine Bauecke.
Mit dem Vorbereiten der Materialien mache ich es wie du. Das kostet mich jeden Abend ca. 1/2 Std meiner Freizeit.

Viele Grüße
setra


vor 7 Jahre, 5 Monaten #91339

Motiviert durch dieses Thema hab ich mal – zugegeben auf die Schnelle – was für euch gebastelt.

Ein Türschild für die Türklinge eures Therapieraums. So wie in einem Hotel mit einer roten und einer grünen Seite.

Viel Spaß damit
Gruß
Alex


vor 7 Jahre, 5 Monaten #91380

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Eulalia
Teilnehmer

Du bist ja ein Genie – vielen Dank ;-)


vor 7 Jahre, 5 Monaten #91381

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HanKi
Teilnehmer

Das Schild lad ich mir auch gleich runter, echt super!
Ich glaube du darfst deinen Patenten und Eltern keine Eventualität offen lassen in diesem Bereich- einmal schon zu früh ins Therapiezimmer gelassen, immer zu früh…du hast es sowieso schon gut hingekriegt, ich sage immer ganz klar (auf die Uhr schauend), dass ich noch fünf Minuten Zeit brauche, mache dann auch die Tür zu.
Ich gehe auch immer gemeinsam mit dem Kind in den Wartebereich (obwohl der gegenüber des Therapiezimmers ist) und hole den Elternteil mit ins Zimmer. Dann gehe ich wieder mit nach draußen, verabschiede mich und bitte den nächsten mit herein. Ohne Ausnahme, das ist glaub ich wichtig. Die Patienten verinnerlichen sehr schnell diesen Ablauf (ok sie kommt raus und HOLT uns), die würden gar nicht (mehr) auf die Idee kommen, einfach herein zu platzen.
Meine Kollegin hat die Kinder immer geschickt, dadurch kam es oft zum Kuddelmuddel, die Kinder rennen draußen lärmend rum, die Mutter „verirrt“ sich in einem andern Zimmer, der nächste steht schon an der Türschwelle.
Manche Leute- und nicht nur Kinder- brauchen ganz klare Strukturen, damit sie erst gar nicht auf dumme Ideen kommen.
Klar Unverschämt gibt es immer, solche Leute komplimentiere ich höflich aber doch sehr bestimmt ins Wartezimmer…es kann nicht sein, dass der Patient oder die Qualität deiner Arbeit an diversen Zuspätkommern und dreisten „Auf der Schwelle Stehern“ leidet.
Wir haben ein paar Schilder, die man mit Klettverschluss auswechseln kann: „Therapie“, „Test“ ,“Bitte nicht stören“- da zögern die Unverschämten vielleicht erstmal, bevor sie ungefragt eintreten.
Bei mir ist es aber auch anders, da es wegen der Hunde gar nicht ginge, wenn jeder rein und rausgeht wie es ihm passt. Es gibt ganz klare Regeln, eine davon ist auch, dass niemand ohne mein Beisein den Therapieraum betreten darf (der Patient darf nie mit den Hunden allein im Zimmer sein!).
Mein Rüde unterstützt mich beim Einhalten des Ablaufs sehr gut- falls etwas außer der Reihe passiert, grummelt der schon mal aus seiner Ecke- dann sag ich nur „tja, du weißt ja, der passt auf, dass wir uns an die Regeln halten- ICH hole dich, ein bisschen dauert es noch, ok?“
Wenn die Struktur mal ganz klar ist, wirst du sicher keine Probleme mehr haben :-)


vor 7 Jahre, 5 Monaten #91383

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