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Mutationsfistelstimme

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joverne
Teilnehmer

Hallo liebe Kollegen,

Ich hatte ein Mädchen zur Diagnostik, welches nicht in die Bruststimme kommt.
Sie ist 15 und die Sprechstimme ist auditiv definitiv zu hoch, dies bescheinigte auch der Arzt. Sobald sie tiefer al d1 geht, wird es für sie sehr unangenehm, kratzig im Hals und die Stimme bleibt weg, tiefer als c geht nix.
Ich bin eigentlich immer ziemlich klar, aber hier weiß ich wirklich nicht, wie ich ihr weiterhelfen soll….
Habt ihr konkrete Übungen parat?
Bisher habe ich glissandi oder einfache Tonreihen von u zu a (hoch zu tief, leise zu laut) gemacht, um die Bruststimme zu aktivieren, sowie husten und räuspern, bisher ohne großen Erfolg.

Danke für eure Hilfe!


vor 5 Jahre, 2 Monate #93786

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Wicki
Teilnehmer

Hallo, habe leider nur wenig Erfahrung in diesem Bereich und wenn, dann nur mit Männern/Jungen in der Pubertät. Was ich mich frage, wie sieht es im Kehlkopf aus? Hat der Arzt (war doch hoffentlich ein HNO, der das Rezept ausgestellt hat?) irgendwas vermerkt? Gibt es irgendwelche Anomalien?
Das andere, was vielleicht noch eine Rolle spielt, ist die Psyche. Ist die Stimme vielleicht „gemacht“? Mir fällt da nämlich ein total bescheuertes Beispiel ein. Vor einigen Jahren hatte sich (bitte nicht lachen!) ein 17 oder 18jähriges Mädchen bei DSDS vorgestellt (Stichwort: „Apfelringe“/bei You tube zu finden), die eine Stimme hatte, als ob sie Helium inhaliert hätte. Die Singstimme war jedoch völlig anders! Bin mir sicher, dass es sich bei ihr um eine „selber gemachte“ Mikey Mouse Stimme handelte. Kann bei deiner Patientin natürlich völlig anders sein. Muss aber nicht. Hohe, niedlich-kindliche Stimmen bewirken was bei seinem Umfeld. Wie reagieren andere darauf? Hat sie dadurch irgendeinen Nutzen? „Welpenschutz“? Wie sehr möchte sie selber, dass sich ihre Stimme ändert? Oder wurde sie von den Eltern geschickt?

Ich würde nach dem Funktionalen Stimmansatz nach dem Erlanger Modell arbeiten. Viele schwingende und kreisende Bewegungen mit Armen und Beinen bei der Phonation und dadurch den Kehlkopf öffnen und den Patienten ablenken. Es kommt hierbei nicht auf die Qualität der Stimme an, nur darauf, dass sie ohne Anstrengung produziert wird. Da macht man solche Sachen, wie z. B. den Pat. auf einem Therapiekreisel stehen lassen, gerne auch einbeinig :-) und mit den Armen eine liegende acht zeigend und dazu phonieren. Der Patient soll so mit den Bewegungen und dem Gleichgewicht beschäftigt sein, dass die Stimme zur Nebensache wird. Der Therapeut gibt die Bewegungen und eine Melodie oder eine Tonfolge (nicht zu lang/Achtung Atmung) vor und der Patient imitiert. Die Patienten orientieren sich stark am Modell. Wenn du also eine Tonfolge in deiner mittleren Sprechstimmlage oder leicht tiefer anbietest, wäre es interessant zu wissen, wie sie dann reagiert und was sie produziert.

Hörbeispiele von tieferen Frauenstimmen können auch eine Entspannung im Kehlkopf bei ihr bewirken und dadurch die Stimme absenken, wenn es „gemacht“ ist. Wie sind die Stimmvorbilder in ihrer Familie, d. h. wie spricht die Mutter? Stell dir mal vor, du hörst „Unbreak my heart“ von Toni Braxton oder „Smooth operator“ von Sade, achte mal darauf, was in deinem Kehlkopf passiert. Dabei kann man gar keine hohen Töne produzieren. Vertäuben könnte ein Mittel sein, um herauszufinden, was passiert, wenn die Rückkopplung verhindert wird. Also Kopfhörer auf, Toni Braxton rein, Lautstärke einstellen, Text lesen lassen und aufnehmen :-)
Ich hoffe, irgendwas von dem verrückten Zeug hier bringt dich weiter. Wäre neugierig, ob du was davon ausprobierst und ob da was klappt?
LG Julia


vor 5 Jahre, 2 Monate #93803

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joverne
Teilnehmer

Danke Wicki für deine Hinweise!

Also der Arzt sagte, dass der Raum über den Stimmlippen zu klein wäre. Was das jetzt genau heißt oder bewirkt, weiß ich aber auch nicht genau.
Das Mädchen hat eine Zwillingsschwester, welche wohl sehr dominant ist und die Mutter berichtete, das sie (Patientin) wenig ernst genommen wird in der Schule. Ich kann mir eine psychische Komponente also definitiv vorstellen, aber ich merke, das sie, anders als in deinem Beispiel (Apfelringe :) wirklich nicht tiefer kann.

die ideen mit der Musik und den Stimmbeispielen finde ich super, werde ich mal ausprobieren. Auch das Ablenken werde ich vermehrt einsetzen, aber sie ist wirklich sehr schwer zu knacken, da sie ganz genau merkt, wann es zu „tief“ wird….

naja, ich versuchs weiter….:)

Liebe Grüße


vor 5 Jahre, 2 Monate #93819

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