Logopädie-Forum

MUT zur Selbständigkeit???

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Julika Be.
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Ein herzliches HALLO an alle Logos :)

Ich wende mich mit einigen, für mich sehr wichtige, Fragen an Euch.
Ich bin Mitte 30 und arbeite seit genau 10 Jahren als leitende Angestellte.
Seit ca. einem Jahr verspüre ich nun den Drang, mich auf eine Selbständigkeit einzulassen.

Eine sehr gute Bekannte, mit der ich die Ausbildung absolviert habe, hat seit 6 Jahren eine eigene Praxis mit zusätzlichem Therapieraum (genaue Größe?).
Ich könnte nun als Partnerin in diese bestehende Praxis mit einsteigen.

Da ich meiner Bekannten jedoch nicht unbedingt in die Quere kommen möchte, wollte ich in meine Raum einen separaten Telefonanschluss (mit Rufumleitung auf`s Handy) legen lassen.
Zudem möchte ich ein eigenes Logo, Visitenkarten, Einträge, Stempel….

Ich habe schon intensiv im Netz recherchiert, weiß jedoch nicht so recht, womit ich beginnen soll :(

– IK- Nummer beantragen
– Kassenzulassung (bei AOK und ?)
– Steuernummer Finanzamt
– Berufshaftpflicht
– Krankenversicherung (eher freiwillig gesetzlich, da 2 Kinder)
– gesetzliche/ private Rentenversicherung

So Ihr Lieben, habe ich in meiner Auflistung noch etwas Entscheidendes vergessen?

Zudem steht auch noch das Gespräch mit meiner Chefin aus. Habe nur Angst, dass dann mit der Zulassung etwas nicht klappt :(

Die wichtigste Frage folgt jedoch JETZT:

Durch meine lange Tätigkeit als Logopädin, betreue ich (als einzige Mitarbeiterin) eine Einrichtung für geistig und körperlich behinderte Kinder/ Jugendliche. Diese Aufgabe liegt mir sehr am Herzen und ich möchte sie ungern aufgeben. Der Leiter der Schule möchte mich unbedingt als Therapeutin behalten.
Genauso verhält es sich mit meinen Hausbesuchspatienten.

Ich fühle mich nicht wirklich gut dabei und habe mir als Kompromiss überlegt, meiner Chefin anzubieten, auf Honorarbasis diese Patienten weiterzubetreuen.
Aber ist das wirklich klug???
Wenn ja, sollte diese Tätigkeit vertraglich festgehalten und vor Allem befristet sein?

Sollte das dann alles geklärt sein, blicke ich sehr positiv in die Zukunft.
Ich würde dann mit ca. 25 Patienten (2 Privatpatienten und 40% HB) starten und natürlich kräftig die Werbetrommel rühren. Zudem ist mein Vater Arzt, und könnte bei den entsprechenden Kollegen ein gutes Wort für mich einlegen.

Viele Dank für Eure „Lese- Geduld“.

Ich freue mich sehr über Eure Antworten!!!


vor 6 Jahre, 2 Monaten #93957

Hallo,

nur kurz ein erster Gedanke dazu: Du schreibst, dass deine Bekannte „einen Raum in ihrer Praxis“ hat, den sie dir überlassen würde.
Damit bekommst du keine Kassenzulassung! Die Voraussetzung für eine Kassenzulassung ist ein 20 qm-Raum und für jeden Mitarbeiter min. 12qm zusätzlich.
Daher könntet ihr bestenfalls eine Gemeinschaftspraxis aufmachen, was aber eine komplett neue Kassenzulassung (auch für deine Bekannte!) bedeuten würde. Außerdem ist eine Gemeinschaftspraxis ein Unternehmen mit einer Firmenanschrift, einer Steuernummer etc.
Für eine Praxisgemeinschaft, in der zwei unabhängige Unternehmen jeweils eine Praxis betreiben, ist ein Raum in einer bestehenden Praxis nicht möglich. Da müsstet ihr schon sehr tricksen.

Zu deiner Idee mit der Honorarkraft: Honorarkräfte sind für Auftraggeber teurer als Angestellte. Ich kann mir nicht vorstellen, dass deine aktuelle Chefin sich darauf einlässt, dich hinterher als externe Ressource einzukaufen.

Wo du jeweils die Kassenzulassung beantragen musst, ist von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich. In Niedersachen zB bei der AOK für die RVO und bei der Landwirtschaftskrankenkasse für den vdek.

Grüße
Alex


vor 6 Jahre, 2 Monaten #93958

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Hallo Julika,

ich schließe mich Alex an: für einen Raum „als Untermieterin nebenbei“ bekommst du keine Kassenzulassung! Das was du beschreibst „gute Freundin, die sich mit dir die Praxis teilen möchte“ ist schon möglich, nur ist hier die Frage welche Rechtsform ihr wählen wollt?!

Wenn du gemeinsam mit jemandem eine Praxis bestreiten möchtest, hast du z.B. die Möglichkeit einer GmbH, einer Personengesellschaft oder einer GbR – was wohl die meisten machen. Meistens hört man die Begriffe „Praxisgemeinschaft“ oder „Gemeinschaftspraxis“. Jede Rechtsform hat ihre Vor- und Nachteile, die man sehr gut abwägen sollte, auch im Hinblick auf eventuellen Streit, Insolvenz usw.

Erstelle einen Buissnesplan: überlege dir, was du an Therapien anbieten kannst, wieviele Stunden du arbeiten willst, rechne dir aus, was du an Therapien im Monat verdienen würdest (Hausbesuche sind übrigens nicht sehr rentabel!), dann rechne dir aus, was du für Ausgaben hast geschäftlich /privat (Krankenversicherung, Rentenversicherung, Haftpflicht, Berufsgenossenschaft, Rücklagen, Miete usw.)
Wenn du dir dann absolut sicher bist, dich selbständig zu machen, deinen Mietvertrag usw. unter Dach und Fach hast, dann erst nimmst du Kontakt auf zum Finanzamt, und zu den Krankenkassen (RVO und VdeK, LKK).

Mein Rat: Bevor es ein „böses Erwachen“ gibt, setze dich lieber noch einmal mit deiner Freundin zusammen und berede alles in Ruhe, oder überlege dir, ob du nicht vielleicht selber eine kleine Praxis aufbauen möchtest (was wesentlich unkomplizierter ist). Selbständigkeit kann ein sehr guter Schritt sein, wenn sie einem liegt, wenn sie gut geplant ist und wenn man gewillt ist, „selbst&ständig“ zu arbeiten :)

Grüße
Aila


vor 6 Jahre, 2 Monaten #93960

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Ja…leg mal los.
Natürlich mit ner eigenen Praxis.

„Zudem ist mein Vater Arzt….“
Damit ist die Sache doch wohl klar!

Und denk nicht so viel an andere…es geht doch um deine Existenz!

Nix erzählen…Fakten schaffen….Patienten mitnehmen….fertig.


vor 6 Jahre, 2 Monaten #93961

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Julika Be.
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Guten Morgen Ihr Lieben,

herzlichen Dank für Eure aufschlussreichen und präzisen Antworten.

Es wird tatsächlich auf eine eigene kleine Praxis hinauslaufen!!!
Alles Andere wäre wohl auch zu einfach gewesen :)

Suche nun ganz entspannt nach geeigneten Räumen.
Habe mir zum Ziel gesetzt, die Praxis zum Ende der Sommerferien zu eröffnen.
So bleibt mir genug Zeit, um alles zu beantragen- auch wenn ichnatürlich am liebsten SOFORT starten würde!

Sicherlich werden im Laufe der nächsten Monate noch einige Fragen auftauchen, mit denen ich mich dann wieder vertrauensvoll an Euch wenden möchte.

Ohhh, da fällt mir doch glatt noch etwas Entscheidendes ein.
Ich möchte im Vorfeld einen Businesplan erstellen und müsste dazu natürlich in etwa wissen, welchen Betrag ich für eine Therapiestunde (45Min.) erwarten kann.
Ich wohne in M-V (falls das relevant ist).

Herzliche Grüße


vor 6 Jahre, 2 Monaten #93963

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> Ja, ja…der Businesplan…..gaaaaanz wichtig!
> Du musst auch ne HP haben.
> Steuerberater muss man sich auch suchen.
> Firmenwagen musst du auch noch kaufen….
> Existenzgründerseminar…unverzichtbar! Hohoho
> Du solltest auch gleich an eine Angestellte denken….
Sooo das ist jetzt deine erste Aufgabe: „Wie viel Kohle bekomme ich Brutto von den Kasse?“

Wo frag ich mir das nach?


vor 6 Jahre, 2 Monaten #93964

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Julika Be.
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Hallo,

ich habe mich nun in den letzten Tagen doch sehr intensiv mit dem Thema eigene Praxis beschäftigt.
Habe eine Einnahmen- /Ausgabenliste erstellt, hierzu natürlich die Vergütungslisten der Krankenkassen genutzt, und war auf Gewerberaumsuche. Dies jedoch nur mit mäßigem Erfolg. Es gäbe eine 80m² große Praxis in einem neu erbauten Ärztehaus (für Logopäden jedoch keine relevanten Fachärzte). Die Miete würde jedoch ca. 900€!!! kosten. Da bin ich für den Anfang doch etwas zu ängstlich :(
Müssen wir Logopäden eigentlich in der Berufsgenossenschaft sein?

Um nun aber nochmal auf meine Eingangsnachricht zurückzukommen, mit der ich dieses Thema eröffnet habe.
Der zweite Raum meiner Bekannten wäre 20m²!!!
Es gäbe doch die Möglichkeit einer Praxisgemeinschaft, in der jeder für sich sein eigenes Gewerbe betreibt. Lediglich Miete, Praxisanschaffungen etc. würden geteilt.
Ich könnte meine eigene IK- Nummer beantragen und meine Kollegin ihre Bisherige behalten.
In ihren Mietvertrag müsste ich aufgenommen werden und auch ein Vertrag über die gemeinsame Praxisnutzung müsste durch einen Anwalt aufgesetzt werden.

Das sind die Infos, die ich über das Netz gefunden habe. Liege ich damit richtig?????

Liebe Grüße


vor 6 Jahre, 2 Monaten #93967

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Hallo,

die Suche nach Räumlichkeiten ist zwar nicht gerade einfach (fand ich persönlich am Schwierigsten), aber bedenke, dass du nicht nur „Gewerberäume“ nehmen kannst, sondern auch „normale“ Wohnungen! Du müsstest in diesem Fall eine Nutzungsänderung der Räume beantragen – kostet zwar einmalig, ist aber gängige Praxis. Du brauchst schon ein bisschen Geduld :)

Wie schon geschrieben: ihr müsst euch überlegen, welche Rechtsform ihr wählen wollt. Wenn ihr z.B. eine GbR nehmt, habt ihr den Vorteil, dass ihr euch Verantwortung und Risiko der Praxis teilt, aber auch den Nachteil, dass ihr beide jeweils mit eurem vollen Privatvermögen haftet – auch wenn der andere schuld ist. Bei einer Kapitalgesellschaft (GmbH) habt ihr den Vorteil, dass die Haftung auf das eingebrachte Kapital beschränkt ist, allerdings seid ihr gewerbesteuerpflichtig. Die Verträge sollten immer notariell beurkundet werden.
Zu den Bedingungen zur Praxisgemeinschaft solltest du also vorher unbedingt zu einem Rechtsanwalt gehen!

Grüße
Aila


vor 6 Jahre, 2 Monaten #93968

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Also 900€ sind wirklich zu viel.
Dann arbeitest du alleine 30 Std. für die Miete. Da lass man die Finger von.

Ja, der Logopäde ist in der Berufsgenossenschaft. Falls du dir mal in der Praxis den Fuß brichst, kannste da Ansprüche geltend machen.
Sieh zu, dass du da nicht zu viel Kohle investierst…
Das Thema Miete darfst du nicht unterschätzen.
Mach lieber dein eigenes Ding. Dir fehlt nachher die Zeit um diese bürokratischen Angelegenheiten zu regeln und dich mit deiner „Praxismitinhaberin“ abzusprechen. Das geht alles von deiner Freizeit ab.


vor 6 Jahre, 2 Monaten #93970

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Mir ist da noch was in den Sinn gekommen…
Wenn du bei deiner Bekannten in die Praxis einziehst, und ihr ne „neue“ Kassenzulassung beantragt, dann könnte es sich ja um eine „neue Praxis“ handeln.
Wie ist es dann mit der Rentenversicherungspflicht deiner Bekannten aus???


vor 6 Jahre, 2 Monaten #93971

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Julika Be.
Teilnehmer

Guten Morgen,

kurzer Stand der Dinge: ich habe tolle Praxisräume gefunden, die nun nach Nutzungsänderung auch als Gewerberäume genutzt werden dürfen. Ich plane die Eröffnung zum 02. März.

Meine ellenlange Liste, die es abzuarbeiten gilt, steht auch. Jedoch konnte ich noch nicht abschließend herausbekommen, zu welchen Krankenkassen (neben AOK und VdeK) ich einen Zulassungsantrag senden muss.
Ich wohne in Mecklenburg- Vorpommern!
Gibt es Jemanden im Forum, der mir eventuell weiterhelfen kann.
Für BKK, IKK und LKK gibt es nur Zulassungsanträge für andere Bundesländer.

Wie lange dauert es ungefähr, bis die Anträge bewilligt sind?

Vielen Dank im Voraus und eine besinnliche Vorweihnachtszeit.


vor 6 Jahre, 1 Monat #94038

Hallo,

den Zulassungsantrag und die nötigen Formulare findest du beim VDEK Bundesverband, der ist für alle Landesverbände gültig. Steht auch so im Antrag.

Gruß
Alex


vor 6 Jahre, 1 Monat #94039

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Julika Be.
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Ein kollegiales „Hallo“,

sehr gerne würde ich von Euch wissen, wie lange es dauert, bis die Zulassungsbestätigung und die IK- Nummer da ist.

Herzlichen Dank


vor 6 Jahre, 1 Monat #94059

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AMA
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Hallo Julika,

ich weiß es selbst nicht mehr genau, wie lange das alles gedauert hat – ca. 2-3 Wochen?! Telefoniere doch einfach mal mit dem VdeK, die helfen einem sehr gut weiter. Von denen habe ich damals auch alle Infos und Adressen bekommen.

Grüße
Aila


vor 6 Jahre, 1 Monat #94060

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Terrorkruemel83
Moderator

Bis ich mein IK hatte sind ca. 2-3 Wochen ins Land gegangen.
Die Zulassungen haben 2-3 Wochen gedauert.
Ich würde jetzt das IK beantragen, dann hast du das ca. Mitte Januar und würde dann Anfang Februar die Zulassungsanträge einreichen.


vor 6 Jahre, 1 Monat #94061

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