Logopädie-Forum

Leitungsaphasie ?

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Jay
Teilnehmer

Hallo,

kann mir jemand weiterhelfen?
Pat. entlassen aus Reha vor 8 Monaten mit globaler, motorisch führender Aphasie. Aktuelle Befunderhebung ergab: Nachsprechen in allen Untertests schwer gestört, Benennen + Wortgenerierung + Reihensprechen mittelschwer, Befolgen von Handlungsanweisungen + Farb-Figur-Test schwer gestört, Schreiben: Wörter/Sätze/Pseudowörter mittelschwer, Zahlen schwer beeinträchtigt. Nicht beeinträchtigt: auditives Sprachverständnis, Lesen und Lesesinnverständnis.
Spontansprache: Wortabruf ok, Phonematische Paraphasien, Conduit d`approche, Morpholie/Syntax auffällig, Verbabruf schlecht, semantische Hilfen gehen nicht, Anlaut -/+, Schriftsprache hilft, Zahlen gehen nicht.
Könnte es sich am ehesten um eine Leitungsaphasie handeln? Oder würdet ihr eher sagen nicht klassifizierbar.
Wie gehe ich jetzt am besten in der Therapie vor mit welchen Ansätzen?
Wenn ich nach dem Logogen-Modell gehe, ist ja aufgrund des schwer gestörten Nachsprechens der auditive Input-Buffer betroffen. Aber Nachsprechen gilt doch als Oberflächensymptom und wird nicht therapiert oder? Da auch das Schreiben nach Diktat und das Verstehen von Instruktionen beeinträchtigt ist, liegt eine Störung im verbalen Arbeitsgedächtnis vor. Wie berücksichtige ich das, was heißt das für meine Therapie? Was kann mir das Logogen-Modell noch sagen?
Ich hoffe sehr auf schnelle Hilfe.

Vielen lieben Dank. Petra


vor 7 Jahre, 5 Monaten #93195

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Norina Lauer
Teilnehmer

Hallo,

passen würden die phonologischen Störungen und das im Vergleich zu anderen Leistungen schwer gestörte Nachsprechen sowie die starke Reduktion der verbalen Merkspanne. Nicht ganz passend erscheinen mir z.B. die Auffälligkeiten bei der Syntax in der Spontansprache. Die Spontansprache müsste eher flüssig sein – mit phonologischem Suchverhalten und Satzabbrüchen. Huber/Poeck/Springer (2013, S. 77) beschreiben, dass die Störungen bei Leitungsaphasie im Logogen-Modell in den Oberflächenrouten und z.T. den direkten lexikalischen Routen liegen (s. Modell S.76 ebd.).

Wenn das Störungsbild nicht sehr klar einer bestimmten Aphasieform entspricht, würde ich die Aphasie als nicht klassifizierbar einstufen und wie bei jeder Diagnosestellung die Störungsschwerpunkte genauer beschreiben.

Zur Therapie der phonologischen Störungen könnte sich z.B. Ther-A-Phon eignen. Instruktionen, aber auch die Länge der Items könnte man erstmal reduzieren, um die verbale Merkspanne zu berücksichtigen. Übergeordnet wäre zu klären, welches subjektive Anliegen der Patient hat (soziale Teilhabe). Davon ausgehend wären Aktivitäten zu identifizieren, die der Patient dabei durchführen muss. Dafür wiederum wäre zu überlegen, welche Funktionen trainiert werden müssen, um auf die Ausübung dieser Aktivitäten hinzuarbeiten.

Viele Grüße
Norina Lauer


vor 7 Jahre, 5 Monaten #93197

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Jay
Teilnehmer

Vielen Dank!


vor 7 Jahre, 5 Monaten #93203

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