Logopädie-Forum

hypofunktionelle Störung und sekundärhypofunktionelle Störung

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lenni2313
Teilnehmer

Diesmal habe ich eine Frage, die mich selbst betrifft und eine Frage allgemein in einer Stimmtherapie.

Mein HNO hat festgestellt das ich einen unvollständigen Stimmlippenschluss habe, wodurch ich nach langem Reden oft heiser bin. Kommt als angehende Logopädin nicht so gut und werde wahrscheinlich auch Logopädie nehmen müssen, aber ich wollte einfach mal wissen, was ich tun kann um den Stimmlippenschluss herzustellen. Bei hyperfunktionellen Störungen geht es ja darum Spannung abzubauen, aber wie baue ich da die Spannung auf? Ich habe zwar ein haufen unterlagen hier und konzepte, aber in keinem steht wirklich was, um den Stimmlippenschluss zu erreichen.

Und bei einer hyperfunktionellen Störung. Es geht um den Spannungsabbau, reicht es da aus wenn man den Tonusreguliert und dann einfach RAE, AAP, costoabdominale Atmung erarbeitet oder was kann man speziell tun um die Spannungen abzubauen. Oder auch bei einer sekundär hypofunktionellen Störung, wo eben zunächst das hyperfunktionelle abgebaut werden muss, eh ich an der hypofunktionellen arbeiten kann.

Eine letzte Frage. In meinen Unterlagen steht, dass man Artikulationsübungen machen kann um die Artikulation zu verbessern. Sind damit die normalen mundmotorischen Übungen gemeint, die man auch in einer Kindertherapie macht? Oder wie kann bei einer Stimmtherapie die Artikulation verbessert werden.

Ihr seht viele Fragen. Stimme ist nicht so mein Bereich, noch nicht, aber ich würde es gerne verstehen. Ich hoffe das ihr mir folgen konntet und mir die Fragen beantworten bzw. helfen könnt.

lg


vor 8 Jahre, 10 Monaten #86281

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BeateMueller
Teilnehmer

Hallo!

Zur ersten Frage:

Es gibt die Stoßübung nach Fröschels, bei der man Plosivlaute wie k,t,p verwendet in Silben oder Wörtern wie bspw. ka!, tok, Pack! usw. Diese werden mit stoßenden Armbewegungen nach unten begleitet.

Sinn des ganzen: Übertragen der kräftigen Armbewegung auf Stimmlippenebene. Aufpassen muß man hier allerdings, dass dies nicht mit zuviel Kraft/Hypertonus gewschieht, da sonst die Gefahr der Taschenfaltenaktivierung besteht.

Hilfreicher finde ich persönlich die (glaube ich) 6. Übung nach Hermann-Röttgen für den Stimmlippenschluß.

Du stellst Di aufrecht im guten Stand hin und nimmst einen Gegenstand wie bspw. Kirschkernkissen (mit ganzer Hand halten, nicht nur mit 2 Fingern o.ä.) oder eine Keule in die Hand und schwingst mit beiden Armen (ein Arm vorne, während d.andere gerade nach hinten pendelt).

Wenn Du gut im Schwingen bist, kommen Phrasen hinzu- siehe Buch von U.Bergauer: z.B. „Mann -und -Maus“, „mir- und- mich“, „Mann-o-Mann“.

Sie bestehen aus drei Wörtern. Beim Pendeln beachten die Wörter im Rhythmus zu sagen:

Beispiel:

Arm (mit Kissen/Keule) pendelt vor + „mir“ phonieren

Arm pendelt zurück+“und“ phonieren

Arm pendelt wieder vor + „mich“ phonieren.

Anfangs Phrasen mit M am Anfang, dann ausweiten auf andere Laute usw.

Klappt bei fast allen Patienten, es sei denn, sie sind sehr steif/unrhythmisch.

LG


vor 8 Jahre, 10 Monaten #87029

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LaFleur
Teilnehmer

Hi,

naja, es ist schwierig, da hypo- und hyperfunktionell so strikt zu trennen. Meist ist es ja doch eher in Richtung „hyper“ wenn man den gesamten Tonus betrachtet.

Und Achtung: Auch zu viel Spannung kann der Grund sein, dass kein vollständiger Stimmlippenschluss erreicht wird. Sprich: Du hast immer zu viel Spannung und irgendwann sind die beteiligten Muskeln beleidigt, können nicht mehr und werden schlaffer (–> hypo), um es mal sehr einfach auszudrücken. Das wäre dann eben sekundär hypofunktionell. Trotz allem hat man sich ja dadurch eine unphysiologische Stimmgebung mit viel Druck angeeignet, was heißt, dass Thema Spannungsabbau trotzdem ein Thema ist.

Würde nach dem Funktionalen Stimmtraining – Erlanger Modell vorgehen und eher weniger die Stoßübungen nach Fröschls machen, da die dann sehr schnell in Richtung hyper führen zwecks Spannung und Druckaufbau. Und das muss eigentlich nicht sein, sofern keine Parese vorliegt.

Das Erlanger Modell hat das Ziel eines vollständigen Glottisschlusses und ist einfach alleine durchführbar. Viell. hast du dazu ja Unterlagen?

Liebe Grüße


vor 8 Jahre, 10 Monaten #86953

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kiiup1
Teilnehmer

hallo!

würde da auch lieber nach dem FST erlanger modell vorgehen.

wenn ich von mir aus gehe, und dass ich nicht so gern alleine üben würde, würde ich nach eine rlogopädin suchen, die dieses konzept anwendet (eventuell gleich bei der terminvereinbarung erfragen)

gerade wenn man auf diesem gebiet noch nicht so viel erfahrung hat, sollte an nicht alleine „irgendwas“ zu üben beginnen.


vor 8 Jahre, 10 Monaten #86949

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LaFleur
Teilnehmer

Das stimmt natürlich absolut. Wenn du das Konzept nicht kennst, dann auf jeden Fall in Therapie gehen. Außerdem kriegt man da doch meist auch Massagen oder irgendetwas tonusregulierendes, also es lohnt sich :-)))

Viel Erfolg!


vor 8 Jahre, 10 Monaten #86950

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pupill23
Teilnehmer

Hallo!

Beim Ziel Stimmlippenschluss würde ich von Fröschels Stoßübungen klar abraten. Diese regen die Taschenfalten an und eben nicht die Stimmlippen.

Wie schon genannt, FST! Diese Methode hält sich an die „richtigen“ STIMMLIPPENunterstützenden Bewegungen (z.B. zum Körper hin).

Beispiel für eine Übung: Terraband an einer Türklinke befestigen und beim phonieren das Band zum Körper hinziehen, Handflächen dabei nach oben, das lässt den Beckenboden gleich mitreagieren.

Viel Erfolg!


vor 8 Jahre, 10 Monaten #86946

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lenni2313
Teilnehmer

Vielen Dank für die vielen Antworten. Da waren echt viele nützliche Tipps bei. Das funktionale Stimmtraining würde ich, wenn ich Patient wäre auch bevorzugen ^^ Die Unterlagen habe ich alle hier, nur ich finde es schwierig, gerade wenn man selbst in dem Bereich noch nie therapiert hat, sich dann praktisch selbst anzuleiten. Also werde ich wohl um Logopädie nicht drum herum kommen. Aber es ist ja auch mal eine interessante Erfahrung, die Therapie aus Patientensicht kennenzulernen.

Jetzt aber noch zu meiner letzten Frage, siehe oben: „In meinen Unterlagen steht, dass man Artikulationsübungen machen kann um die Artikulation zu verbessern. Sind damit die normalen mundmotorischen Übungen gemeint, die man auch in einer Kindertherapie macht? Oder wie kann bei einer Stimmtherapie die Artikulation verbessert werden.“

Und bei Recurrens Parese sind Fernau Horn und Stoßübungen nach Fröschels die einzige Möglichkeit das zu behandeln? Wie verhindert man, dass es zu einer hyperen oder sogar Taschenfaltenstimme kommt?


vor 8 Jahre, 10 Monaten #86945

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LaFleur
Teilnehmer

Artikulation meint in dem Bereich wohl z. B. sowas wie Lippenausformung bei Vokalen oder Kieferweite.

Nee, das sind nicht die einzigen Möglichkeiten, auch bei Paresen kann man das FST anwenden. Es gibt ja verschiedenartige Paresen, ein- oder beidseitig usw. Manchmal kann es dann schon sinnvoll sein, eher in Richtung „Überdruck“ und hyper zu gehen. Aber ganz bestimmt nicht in deinem Fall :)

Meines Wissens nach kann man bei den Stoßübungen eig. gar nicht bewusst verhindern, dass die Taschenfalten einspringen. Wenn man sich für das Konzept entscheidet, dann kann das sogar ein Ziel sein, wenn auf Stili-Ebene die Phonation auf Dauer nicht mehr adäquat möglich ist.

Alles Liebe!


vor 8 Jahre, 10 Monaten #86943

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Deiferl
Teilnehmer

Hey!

Wir machen deswegen immer Stoßübungen und entspannendere Methoden (Fröschels, Bläsilben…) im Wechsel, um den Aufbau der Kompensation zu vermeiden.


vor 8 Jahre, 10 Monaten #86941

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LaFleur
Teilnehmer

Das kann natürlich vielleicht wirken :)

Allerdings erscheint es für mich gerade nicht sinnvoll. Zuerst baue ich Druck auf, damit ich den Druck dann wieder wegnehme?! Und wenn die Taschenfalten einspringen bei der Übung, dann kann man das doch trotz entspannenderen Methoden nicht mehr rückgängig machen. Und wenn es nicht sein muss – warum riskieren? Also sollte zwecks Parese oder anderer organischer Veränderung (!!) eine Phonation auf Stili-Ebene nicht mehr wie gewünscht möglich sein (sprich annähernde Aphonie oder enorme Anstrengung), würd ich darauf zurückgreifen – ansonsten kein RIsiko eingehen und alles was mit viel Druck und Taschenfalten zu tun hat – sprich Stoßübungen – vermeiden.


vor 8 Jahre, 10 Monaten #86940

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lenni2313
Teilnehmer

Also die Meinungen zu den Stoßübungen gehen ja sehr auseinander. Aber kann ich verstehen, war in der Schule auch ein großes Diskussionsthema.

Aber danke euch für eure Ideen und Vorschläge. Mal schauen ob ich im Praktikum die Recurrensparese behandeln kann. Das werden meine ersten Stimmtherapieversuche ^^.

Vielen Dank!


vor 8 Jahre, 10 Monaten #86927

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