Logopädie-Forum

Hilfe! Etwas ratlos wegen erwachsenem Stotterpatienten

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Xsapheli
Teilnehmer

Hallo meine Mitlogos. ;)

Ich bin gerade in der Examensphase und habe einen erwachsenen Stotterpatienten bekommen. Leider Gottes habe ich in der Ausbildung bisher nur kindliches Stottern behandelt. Und hinzu kommt noch, dass dieser Patient recht speziell ist. Er stottert nicht stark und fast nur in Stressituationen (zB. Streit, Diskussion etc.).
Jetzt bin ich unsicher, wie ich da ran gehen soll. Stottersymptome zu identifizieren wird ziemlich schwierig, wenn er kaum stottert.
Generell denke ich, dass die Modifikation nach van Riper ihm ganz gut tun würde, aber wenn man „nach Lehrbuch“ behandelt, muss man ja zunächst die ganzen anderen Phasen durchlaufen. Nur bin ich 1. nicht sicher ob das bei ihm so dringend nötig ist und 2. weiß ich nicht genau, wie ich das anstellen soll, wenn er so wenig stottert.
Was noch verwirrender ist: Es könnte sein, dass er noch eine Polterkomponente dabei hat. Allgemein ist das Kommunikationsverhalten etwas auffällig, könnte aber auch daran liegen, dass Deutsch nicht seine Muttersprache ist.

Falls jemand hier einen guten Rat hat oder einen Geistesblitz würde ich mich sehr freuen ;)


vor 6 Jahre, 8 Monaten #93230

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Logopaede
Teilnehmer

Hi,
mach doch mal mit ihm „aktives Zuhören“.

Das geht in etwa so…
1. Du behauptest etwas. Z.Bsp.: Frauen können besser Auto fahren als Männer!
2. Er muss daraufhin nachfragen, ob du das so gemeint hast, wie du es gesagt hast. Z.Bsp: Meinen sie, Frauen können besser Auto fahren als Männer?
3. Du bestätigst die Nachfrage, oder verneinst sie, wenn er etwas falsches sagt.
4. Nun muss er seine Meinung zu diesem Thema bringen.
5. Seine Antwort ist der Aufhänger für deine neue Behauptung.

In diesem Hin und Her, hat der Patient sehr viele Sprechanteile. Der Kommunikationsdruck steigt, kann aber recht gut gesteuert werden.

Logopäde


vor 6 Jahre, 8 Monaten #93232

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Thea123
Teilnehmer

Hallo,
hast du denn eine Diagnostik bezüglich Stottern oder Poltern schon durchgeführt?
Ansonsten mache ich es bei erwachsenen Stotterern am Anfang immer so, dass wir gemeinsam Ziele und Erwartungen abstecken. Ich lasse zum Beispiel auch immer eine „Treppe“ ausfüllen. Die untersten Stufen stehen für einfache Kommunikationssituation (in denen kein Stottern auftritt) und die obersten Stufen für schwerere Situationen. Zum einen welchen Personenkreis betreffend (mit der Freundin telefonieren, mit der engsten Familie, auf Familienfeiern, im Freundeskreis, auf der Arbeit), zum anderen aber auch Situationen: unter Zeitdruck, spontan antworten, telefonieren, Vorträge halten usw.
Was will der Stotterer verändern und warum? Wie hoch ist der Leidensdruck? In welchen Situationen ist der Leidensdruck besonders hoch? Wie belastend ist das Stottern für den Job? Gibt es Sprechängste? Wird Stottern vermieden? Werden andere Wörter verwendet?
Wenn es nur einige wenige Stottersymptome gibt macht es Sinn Prolongationen, Pullout oder Nachbesserung als Technik einzuführen. Welche Art von Stottern tritt auf (Dehnung, Wiederholungen, Blockierungen)? Kann dein Patient diese Arten des Stottern auseinanderhalten (bei anderen und dann auch bei sich selbst? Eventuell anhand von Videos verdeutlichen/analysieren.
Provoziere sein Stottern, indem du Aufgaben wählst in denen es zum Beispiel zu Zeitdruck kommt. Nimm ihn dabei auf Video auf. Später analysiert ihr. Spielt zum Beispiel Tabu gegeneinander: Jeder hat 1 Minute Zeit so viele Begriffe wie möglich zu erklären. Am Schluss vergleicht ihr, wer mehr Karten erklären konnte. Oder kennst du „Tic Tac Bumm“?
Ich hoffe du kannst etwas mit meinen Anregungen anfangen.
Viele Grüße,
T.


vor 6 Jahre, 8 Monaten #93234

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