Logopädie-Forum

Hilfe bei schwerer Wortabrufstörung

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neela
Teilnehmer

Hallo liebe Forumsmitglieder,

ich bin Berufsanfängerin in einer logopädischen Praxis und eine meiner aphasischen Patientinnen macht mich wirklich ratlos.

Ihr Schlaganfall ist schon fast 6 Monate her und sie war auch für einige Monate in der Reha.

Ihr gelingt kaum der Abruf eines Wortes, das Einzige was sie äußert sind automatisierte Worte wie „also“ und „ach herrje“. Sobald man ihr eine Anlauthilfe, einen Lückensatz etc. vorgibt kann sie das gesuchte Wort fehlerfrei produzieren – nur muss sie jedes mal „von außen“ aktiviert werden und das frustriert sie sehr.

Ihr Lesesinnverständnis für Wörter ist super und auch semantische Zuordnungsaufgaben mit Schriftbildern kann sie gut lösen. Leider ist sie nicht in der Lage ein vollständiges Wort (außer ihrem Namen) zu schreiben.

Ich frage mich jetzt, wie ich ihr den Wortabruf erleichtern kann. Denn es ist ja viel „da“ wenn man es einmal aktiviert…ich möchte ihr helfen sich quasi selbst zu aktivieren.

Bisher habe ich 3xpro Woche angelehnt an Modak (aber nur mit Einzelwörtern) gearbeitet, was sich jedoch nicht als hilfreich herausgestellt hat.

Habt ihr andere Therapieideen, die ihr den Wortabruf erleichtern und sie vielleicht aus dieser frustrierenden Blockade ein Wort nicht aussprechen zu können lösen könnte?

Ich würde mich wirklich sehr über eine Antwort freuen :)

LG,

Neela


vor 9 Jahre, 6 Monaten #86564

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murmel
Teilnehmer

Hallo,

habt ihr in der Ausbildung über das Logogen-Modell bzw. die Therapiemöglichkeiten an den einzelnen Komponenten bzw. Routen gesprochen?

Nach dem Modell liegt die Ursache für Wortabrufstörungen (=postsemantische Wortfindungsstörungen) auf dem Weg aus dem semantischen System in die jeweiligen Outputlexika.

In der Therapie würde man dann zunächst mit hochfrequenten Nomen (evtl. noch wenige Silben) mit dem gleichen Initial arbeiten, um so die Erregungsschwelle für diese Wörter herabzusetzen.

Es geht nicht darum, diese bearbeiteten Wörter neu zu erlernen bzw. sie neu abrufen zu können, sondern allgemein den Wortabruf zu schulen und zu trainieren.

Manche Patienten entwickeln über diese Therapiemethode eigene Deblockierungsstrategien, sagen sich z.B. das ABC auf und können so den Anfangsbuchstaben des Wortes identifizieren und das Wort dann besser abrufen.

Hättest du denn die Möglichkeit, die Patientin mit Teilen aus dem LeMo zu testen?

Dann könnte man die Therapien genauer planen und das Wortmaterial ggf. vorstimulieren, sollten sich doch noch Probleme in der Analyse oder den Inputlexika ergeben.

Ich hoffe, das hat dir ein wenig weiter geholfen …

Viele Grüße


vor 9 Jahre, 6 Monaten #88489

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neela
Teilnehmer

Hallo murmel, vielen Dank für deine Antwort :)

Das Logogen-Modell und auch die LeMo Tests sind mir bekannt, aber ich wollte ihr nicht so viele Tests zumuten, da sie sehr schnell frustriert ist.

Ihr Therapieziel liegt klar in der mündlichen Sprachproduktion, das macht sie in jeder Therapiesitzung deutlich klar.

Einige Einschätzungen aus meiner Diagnostik habe ich natürlich.

Im Benenntest konnte sie keine einzige Abbildung spontan benennen, das Nachsprechen von hochfrequenten Wörtern mit bis zu 4 Silben klappt einwandfrei, danach kommt es zu Automatismen oder phon. Paraphasien. Nachsprechen mit Artikel oder rückwärts funktionieren garnicht. Lautes Lesen ebenfalls nicht.

Sobald die Sprachproduktion selbst initiiert werden muss und keine auditive Vorgabe zumindest des Anlautes/der initialen Silbe kommt produziert sie nur Automatismen.

Wenn ich mit Wörtern mit dem gleichen Anlaut arbeite kommt es wenn dann nur zu Perseverationen oder eben den Automatismen. Sie ist allerdings oft in der Lage mir den ersten Buchstaben zu zeigen/aufzuschreiben, da versuche ich seit letzter Woche anzusetzen, wobei mir aber konkrete Ideen fehlen, wie ich diese Fähigkeit nutzen könnte.

Ich habe den Eindruck, dass ihr dringendes Bedürfnis ein Wort unbedingt sagen zu wollen sie immer noch mehr blockiert darum habe ich versucht eine möglichst entspannte Atmosphäre zu schaffen, doch sie versteift sich (verständlicher Weise) immer sehr, was sie natürlich noch mehr frustiriert.

Hast du / habt ihr vielleicht noch Ideen, wie ich Sie irgendwie aus so einer Situation lösen könnte?

Und vielleicht noch weitere Ideen für die Therapie, in der ich vielleicht auch ihre Fähigkeit die Initialphoneme zu schreiben/zeigen nutzen könnte?

Liebe Grüße,

neela


vor 9 Jahre, 5 Monaten #88333

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