Logopädie-Forum

fos+ausbildung

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Cupcake27
Teilnehmer

Hi;)
Ich gehe zur zeit in die 10. Klasse einer Realschule.
Ich habe vor, eine ausbildung zur Logopädin zu machen, weil dort der praxisanteil ja viel größer ist, als bei einem studium. Dort ist die schulische Voraussetzung ja eigentlich die mittlere reife.Bei dem infonachmittag einer logopädieschule wurde mir jedoch gesagt, ich solle zuerst die FOS machen, da ich mit 16 noch ziemlich jung und die schule ziemlich schwer sei. Seid ihr der gleichen Meinung? Soll ich trotz dem infonachmittag gleich nach der schule mit der Ausbildung anfangen? Oder sollte ich besser doch gleich logopädie studieren? Ich weiss, die Entscheidung muss im Endeffekt ich treffen, aber ich würde mich trotzdem über eure Meinung freuen.

Lg und danke schonmal im Voraus


vor 6 Jahre, 1 Monat #93805

Hallo!

Es ist ein Gerücht, dass sich irgendwie hält, dass das Studium angeblich nicht so praxisortientiert ist wie die Ausbildung an einer Berufsfachschule.

Da du noch sehr jung bist, solltest du weiter in die Zukunft schauen und gut planen. Die schulische Ausbildung ist ein deutscher Sonderweg und längst nicht mehr zeitgemäß. Ich kann dir nur dringend raten, Logopädie zu studieren, und zwar grundständig. Alles andere sind Zwischenlösungen. Gerade im internationalen Vergleich.

Es wird sich viel ändern in die nächsten Jahren und dafür wirst du eine wenn auch einfache wissenschaftliche Basisausbildung brauchen. Die bekommst du nur durch ein Studium.

Und: Der Praxisteil während der Ausbildung ist nur gefühlt höher. Meine Studentinnen der klinischen Linguistik zum Beispiel haben jetzt schon erheblich mehr Praxiserfahrung, als Logopädie-Schülerinnen!

Grüße
Alex


vor 6 Jahre, 1 Monat #93806

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Logopaede
Teilnehmer

Die FOS ist auch ne gute Sache.
Da lernt man Differentialrechnung, Wahrscheinlichkeitsrechnung, die Bruchrechnung wird wiederholt. Auch im Fach Deutsch kann man sehr viel dazu lernen. Da werden Aufsätze und Interpretationen geschrieben…
Zum Schluss macht man eine nette Abschlussfahrt.

Ich finde du bist mit 16 noch sehr jung.

Geh weiter zur Schule…denn….man sollte im Leben wenigstens ein Mal einen Oberstudiendirektor kennenlernen….


vor 6 Jahre, 1 Monat #93812

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Teekly
Teilnehmer

Also erstens kann ich Dir ebenfalls nur raten, die Ausbildung in so jungen Jahren noch nicht zu beginnen. Natürlich hat jeder eine andere geistige Reife und eine andere Persönlichkeitsstruktur, jedoch wird man im logopädischen Alltag teilweise mit schwer kranken Menschen konfrontiert und hiermit haben viele junge Menschen Schwierigkeiten.

Zweitens muss ich Kollege Alexander, den ich seh schätze, deutlich wiedersprechen. Ich bin Kooperationspartner der Hochschule für Gesundheit in Bochum, die den Modellstudiengang Logopädie anbietet. In diese Richtung soll die logopädische Ausbildung gehen. Ich kann aus meiner mehrjährigen Erfahrung nur sagen, dass die praktische Ausbildung der studierenden eklatant der Ausbildung der Berufsfachschüler hinterherhinkt. Und auch theoretisch sind die Studierenden den Schüler meist deutlich unterlegen. Es wird eher die Handanweisung einer Diagnostik ins kleinste Untersucht, als die Diagnostik übungsweise durchzuführen. Mit dem Ergebnis, dass die Studierenden es am Ende nicht können. Das Argument, wissenschftliches Arbeiten sei wichtig, rechtfertigt es meiner Ansicht nach nicht, die parktischen Inhalte der Ausbildung dafür zu kürzen.
Zu klinischen Linguisten kann ich nicht viel sagen, hier mag das anders aussehen. Aber der Studiengang klinische Linguistik ist nicht der Studiengang Logopädie.


vor 6 Jahre, 1 Monat #93814

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Norina Lauer
Teilnehmer

Hallo,

es gibt durchaus Logopädiestudiengänge, in denen Testverfahren in Lehrveranstaltungen praktisch geübt werden. Insofern finde ich solche Verallgemeinerungen schwierig. Ich schließe mich der Meinung von Alex an, dass die Zukunftsperspektive gerade für junge Leute, die jetzt in den Beruf einsteigen wollen, mit einem akademischen Abschluss besser ist.

Und mit einem höheren Schulabschluss hat man einfach immer bessere berufliche Möglichkeiten in der Zukunft.

Viele Grüße
Norina Lauer


vor 6 Jahre, 1 Monat #93818

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Teekly
Teilnehmer

Sehr geehrte Frau Lauer,

Was Zukunftsperspektive angeht haben sie mit Sicherheit Recht. Ich wollte mehr auf die Qualität der Ausbildung bzw. des Studiums eingehen. Das Eine hat mit dem Anderen in unserer Gesellschaft ja oft nichts zu tun. In fast allen Branchen sind schließlich Abschlüsse wichtiger als vorhandenes Wissen.

Verallgemeinern wollte ich allerdings nichts. Ich habe explizit von den Studierenden der hsg in Bochum im Vergleich mit Berufsfachschülern berichtet. Tut mir leid, wenn das nicht deutlich geworden ist. Gibt es noch weitere Hochschulen, an denen es den Bachelor-Studiengang Logopädie als Modellstudiengang gibt?


vor 6 Jahre, 1 Monat #93821

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Norina Lauer
Teilnehmer

Hallo Teekly,

ja, es gibt auch noch andere Logopädie-Studiengänge, die nach Modellklausel ausbilden (z.B. Aachen oder Erlangen). Zudem gibt es diverse Studiengänge, die über den GKV-Spitzenverband anerkannt sind und praktische Inhalte nachweisen müssen, die im Logopädengesetz so nicht ausgeführt sind. Ganz sicher müssen wir in Zukunft gut schauen, wie die praktische Ausbildung im Rahmen des Studiums optimiert werden kann. Es soll sicher nicht so sein, dass Praxis durch Theorie ersetzt wird. Beides muss in passender Gewichtung miteinander verknüpft werden. Hierzu haben dbl und dbs beispielsweise Empfehlungen veröffentlicht und auch die Fachkommission Studium & Lehre des HVG (Hochschulverbund Gesundheitsfachberufe) beschäftigt sich kontinuierlich damit, wie Praxisausbildung in Studiengängen der Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie aussehen kann und soll. Hierbei kann übrigens jeder mitgestalten, der im Verband ist.

Viele Grüße
Norina


vor 6 Jahre, 1 Monat #93823

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Logopaede
Teilnehmer

Daran erkennt man schon wieder in welche Richtung das geht…Ist die Ausbildung zu theoretisch, zu wenig wissenschaftlich…muss sie so sein, oder besser so?

Doch am besten….“Auf Augenhöhe mit dem Arzt“…hohoho… und das für 12 Euro!

Schmunzeln Ärzte eigentlich auch über Logopädie-Professoren???
Wahrscheinlich wissen die gar nicht, dass es so etwas gibt.

Gestern hatte ich ein Erlebnis der 3-ten Art in einer Arztpraxis, nachdem mal wieder eine VO geändert werden musste.
Nach kurzer Info zur Patientin konnte ich mir eine beiläufige Frage nicht verkneifen: „Herr Dr., Sie verordnen nicht so häufig Logopädie, oder doch?
Er: „Neeee….das sollen man die Leute machen, die sich damit auskennen!“

Ich mache mir sehr große Sorgen um die logopädische Ausbildung…tzzzzz (irres Lachen)


vor 6 Jahre, 1 Monat #93862

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