Logopädie-Forum

"Feindliche Übernahme"

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Eulalia
Teilnehmer

Puh – mich hat da grade was ziemlich geschockt und verärgert. Ich muss ein bischen ausholen und hoffe, dass ihr dennoch weiterlest ;-) – Also: Ich hatte zwei Jahre eine wirklich gute Mitarbeiterin, die sich sehr engagiert und auch für die Praxis eingesetzt hat. Aus betriebsbedingten Gründen hat sie eine Zeitlang viele Überstd. geleistet und mir deshalb angeboten, ihren Vertrag doch gleich auf 42 WoStd. an zu heben (Nie wieder mach ich dass). Gut – weil ich selbst ein Jahr lang so viel gearbeitet habe als Angestellte, habe ich sie gebeten, mir unbedingt zu sagen, wenn es ihr zuviel wird. (Hat sie nicht, kam immer nur „alles gut, alles prima,…) Aha. Sie war häufig unterwegs, ich habs erst spät gemerkt und am Ende hat sie viele Aufgaben nicht erledigt, Patienten standen vor verschlossener Tür, Doku unzureichend bis gar nicht vorhanden, freie Termine als besetzt stehen lassen u.s.w. Als ich begann, dem was mir aufgefallen ist, auf den Grund zu gehen, hat sie in einer völlig psychischen Ausnahmesituation gekündigt, war nicht mehr gesprächsbereit, ist psychisch deeskaliert, krank geschrieben worden und war dann weg. So weit so gut – ich habs abgehakt, sie hat eine Stelle ca. 30 km entfernt angenommen ebenfalls mit 42 WoStd. – ! Nach drei Monaten wurde sie dort entlassen.
Die parallele Geschichte: Wir betreuen seit ein paar Jahren eine Behinderteneinrichtung, sind die einzigen Sprachtherapeuten vor Ort. Besagte Kollegin hat den Laden dort fast alleine geschmissen, aber auch hier ihre Spuren hinterlassen. Nach ihrer Kündigung haben wir nun die Arbeit aufgeteilt und sind mit drei Therapeuten dreimal die Woche dort vor Ort – und alles läuft wieder gut. Man hat uns sogar einen Raum extra für uns zur Verfügung gestellt, weil wir so oft da sind..
Nächster Teil: Vor ein oder zwei Wochen meldete sich besagte Kollegin, bei unserer Bürokraft wegen einer Bescheinigung fürs Arbeitsamt und jammerte ihr vor, was für ein Drache doch die neue Chefin sei und wie sehr sie es bereue, bei uns zu gekündigt zu haben. Sie wollte sehr gerne wieder zurück (Nein – Danke, weder ich noch die Kolleginnen möchten dies). Wir sollten aufpassen, die neue – bald Ex – Chefin will uns die besagte Behinderteneinrichtung „wegnehmen“ . . . sie elbst hätte nur 2 Patienten in einer Aussenstelle behandelt und sich geweigert, in der Haupteirichtung direkt weiter zu arbeiten, – hab ich erstmal zur Kenntnis genommen und abgewartet – mal so nachgefragt, ob die dort alle mit uns zufrieden sind, ob es irgendwelche Probleme gäbe oder wir etwas verändern müssten – negativ.
Nun kommts: Heute rief mich eine MA an, sie habe in eben dieser Einrichtung seltsames erlebt . . . .sie wollte morgens den Raumschlüssel holen, da sagte man ihr, „Wieso – die Kollegin ist doch schon da . . . “ – Aha – sie stiefelte in den Raum und fand eine junge fremde Dame vor mit Praxis – Shirt von besagter Praxis besagter „neuer Chefin“ und meinte „Hallo – ich bin … und die Nachfolgerin von Frau …“ –
Ich hab mich erstmal dumm gestellt, in der Einrichtung angerufen um das „Raumproblem“ zu klären, die waren auch überrascht, wussten nichts dazu zu sagen und wollten das Thema bis Montag intern klären. Offenbar schienen die dort dvon auszugehen, dass die fremde Kollegin von unserer Praxis kommt – ! Ich finde dies von der anderen Praxis eine ganz miese Abzocke und frage mich, wie schlecht es denen gehen muss, wenn sie 30 km entfernte Einrichtungen auf diese Weise „in Beschlag“ nehmen müssen. Rechtlich werde ich wohl nix tun können, aber am liebsten würde ich den „drei Damen“ – besonders der PI, mal ordentlich die Meinung sagen . . .


vor 7 Jahre, 10 Monaten #90664

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Teekly
Teilnehmer

Naja… auf welcher Grundlage arbeitet ihr denn da? Auf Rezept? Und gibt es einen Kooperationsvertrag?


vor 7 Jahre, 10 Monaten #90665

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Eulalia
Teilnehmer

Nein, es gibt keinen Kooperationsvertrag, Rechtlich hab ich keine großen Möglichkeiten. Ich finds halt nur eine ziemlich miese Sache.


vor 7 Jahre, 10 Monaten #90666

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Terrorkruemel83
Moderator

Das ist echt mies was manche abziehen.

Verstehe ich das richtig, dass ihr zwar keinen Koorperationsvertrag mit der Einrichtung habt, aber die Kinder auf Rezept behandelt werden oder wie läuft das? Da bin ich grad noch nicht so dahinter gestiegen.


vor 7 Jahre, 10 Monaten #90667

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EvaBiereder
Moderator

Ich „kenne“ Dich ja jetzt ein bisschen und gehe davon aus, daß formal alles seine Richtigkeit hat.

Sprich mit der „Kollegin“. Offenheit ist wichtig. Und sprich mit der Einrichtungsleitung.

Viel Glück
Eva


vor 7 Jahre, 10 Monaten #90668

Eine Frage hätte ich dazu: wie handhabt ihr das mit den Rezepten?

Da die ja die einzige Möglichkeit sind an Geld zu kommen, würde ich die immer gleich bei der ersten Behandlung einstecken… Sollte die andere Praxis dann versuchen an neue Rezepte zu kommen, geht das nicht, denn solange ein Rezept gültig ist, kann der Arzt kein neues ausstellen. Damit würde die Arbeit der anderen Praxis ohne Rezept durchgeführt und damit ein Grund und eine Möglichkeit sie bei der Zulassungsstelle anzuzeigen. Denn wenn ein Logopäde etwas nicht darf – dann ohne ärztliche Verordnung logopädische Therapie abgeben. Dazu gibt es im Prinzip keine Ausnahme. Selbst in Einrichtungen nicht, denn auch dort kann man nur nach ärztlicher Verordnung arbeiten (das muss bei Einrichtungen nicht immer ein Rezept Muster 14 sein, sondern kann auch eine Generalverordnung sein).

Aber das ist nur ins Unreine gedacht…


vor 7 Jahre, 10 Monaten #90669

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Eulalia
Teilnehmer

Tja – VOen nehmen wir natürlich gleich mit. Die Pat. heute war meiner MA auch unbekannt – also offenbar, nicht die, die wir behandeln. Die Leitung und eine weitere Mitarbeiterin dort wussten von nichts. Habe heute gleich nochmal dort angerufen. Sie wollen es intern abklären, was da läuft und wir werden Montag nochmal reden. Ich vermute fast, dass die Kollegin sich mit den Worten „ich bin die Nachfolgerin,…“ quasi Eintritt verschafft hat und so an Patienten dort gekommen ist. Regulär kann natürlich jede Praxis überall HBe machen – aber so ist es schon dreist. Eva, was würdest Du der Kollegin denn sagen?


vor 7 Jahre, 10 Monaten #90671

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EvaBiereder
Moderator

Ich würde erstmal mit der Einrichtungsleitung am Montag abklären, wie besagte „Kollegin“ denn an den Pat kam – hat sie sich vorgestellt oder absichtlich den Eindruck erweckt, sie käme aus Deiner Praxis? Hat Ihr jemand in der Einrichtung die Pat vermittelt? Will uch die Einrichtung raushaben? Alles zu klärende offene Fragen. Ich finde, da darf man ruhig auch mal erwähnen, daß auf diese Art und Weise der Eindruck entsteht, man wäre nicht mehr erwünscht in der Einrichtung.
( Gut, je nachdem wie man Worte in Deiner Region benutzt wäre eine diplomatischere Formulierung evtl zielführender..)

Dann würd ich meinen Rechtsanwalt konsultiern. Einfach mal so.

Und je nachdem, was die Gespräche ergeben haben, würde ich bei der anderen PI mal anklopfen und fragen, wie der Eindruck entstehen konnte, daß sie zu Dir gehöre? Ob das was mit Deiner EX MA zu tun hat und was Du davon hältst.
Ob es direkt was an der Situation ändert, das weiß ich nicht. Aber auf jeden Fall sind dann die Fronten und Dein Stnadpunkt klar: Du läßt nicht einfach mal so alles mit Dir machen.

Heimlichkeiten und „Hintenrum“ finde ich schlecht. Offenheit ist gut.

Grüße
Eva


vor 7 Jahre, 10 Monaten #90672

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EvaBiereder
Moderator

Ein Gespräch mit der anderen PI und der Einrichtungsleitung steht eh an, denn falls die „neue“ nun dauerhaft auch dort wäre, muß ein Raumbelegungsplan her..


vor 7 Jahre, 10 Monaten #90673

@ Alex: passt hier zwar nicht unbedingt zum Thema, aber ich wollte noch einmal deine Aussage aufgreifen, dass man in Einrichtungen nicht ohne Rezept arbeiten kann. Dies stimmt nicht ganz. Meine zwei Kolleginnen und ich machen das schon seit vielen Jahren….in Festanstellung. Wir nutzen und benötigen keine Verordnungen. Super Vorteil: dies schließt Konkurrenz natürlich gänzlich aus!


vor 7 Jahre, 9 Monaten #90687

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Logopaede
Teilnehmer

Hmm…interessanter Thread,
darf ich mal kurz was fragen?
Welche Berufsgruppen dürfen denn in einer Klinik auf ärztliche Verordnung eine logop. Übungsbehandlung durchführen?
Auch Sprachheilpädagogen oder „Schlaffhorster“?
Oder darf man dann das Therapieangebot nicht mehr Logopädie nennen?

Torsten


vor 7 Jahre, 9 Monaten #90714

@preload-Hyperplasie Da muss ich kurz klugscheißen… ich habe ja „Verordnung“ geschrieben. Und das ist definitiv so, denn Heilmittelerbringer wie wir dürfen nur auf ärztliche Verordnung hin ihre Leistungen abgeben.
In Einrichtungen kann dies durch eine Art „allgemeine Verordnung“ geregelt sein, ebenso in Kliniken. Aber auch wenn wir im Gegensatz zu den Ergos unsere eigenen Diagnosen stellen können, dürfen wir Leistungen nicht einfach so anbieten.


@logopaede
Das dürfen alle, die unter das Gesetz des Logopäden fallen. Klinische Linguisten (ja nach Anerkennung nur in bestimmten Bereichen), Sprachtherapeuten (je nach Anerkennung nur für bestimmte Störungsbilder), ASSL, und alle Kolleginnen und Kollegen aus Berufsgruppen, die „damals“ eine Sondererlaubnis erhalten haben, als es noch zu wenige Logos gab.


vor 7 Jahre, 9 Monaten #90715

@ Alex: eine „allgemeine Verordnung“, wie Du es beschrieben hast, haben wir nicht….weder symbolisch noch schriftlich oder mündlich. Unser Klientel hat generell einen Therapiebedarf, über dessen Verlauf wir eigenständig (bzw. in Kooperation mit den Angehörigen) entscheiden. Oft haben unsere Pat. parallel zu Hause logopädische Therapie…andere würden niemals eine Verordnung bekommen.


vor 7 Jahre, 9 Monaten #90719

@preload-Hyperplasie Wer bezahlt euch?

Denn wenn du als Praxis eine Rechnung für logopädische Therapie ausstellst, ohne dafür eine ärztliche Verordnung (im Notfall reicht auch eine Empfehlung eines Arztes) zu haben, dann hast du ein Problem!
Wenn die Einrichtung dich für logopädische Tätigkeit bezahlt ohne dafür eine Verordnung o.ä. zu haben, dann hat diese Einrichtung ein Problem und du auch!

Heilmittelerbringer dürfen keine Therapie ohne ärztliche Verordnung abgeben. Punkt. Natürlich wir das nur ein Problem, wenn dir mal jemand was böses will… aber das würde ich an deiner Stelle nicht riskieren.

Selbständig Behandlungen in Deutschland abgeben dürfen ausschließlich: Ärzte, Heilpraktiker und – nicht lachen „Geistheiler“. Wir Heilmittelerbringer üben dem Gesetz nach einen Heilhilfsberufe aus. Wer aber Heilkunde ausüben will, bedarf der staatlichen Erlaubnis. Und die haben eben nur Ärzte, Heilpraktiker und „Geistheiler“. Wir nicht.


vor 7 Jahre, 9 Monaten #90720

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