Logopädie-Forum

Extrem unsichere "Praktikantin"

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Eulalia
Teilnehmer

So, jetzt brauche ich auch mal wieder einen Rat. Wir hatten einen Minijob zu vergeben, auf den sich eine Kollegin bewarb, die 2015 mit dem Studium zum Reha – Päd. fertig wurde. Die Dame, bislang im Rundfunkbereich tätig, nach Familienphase Studienbeginn, lllaaannngggeee gebraucht, drei 8-wöchige Praktika, ist bereits 56 Jahre alt und hat sich ein bischen gescheut, sich zu bewerben, möchte aber gerne einsteigen. Wir haben auf ihren Wunsch hin ein Praktikum vorab vereinbart, in dem sie alle Bereiche in denen wir tätig sind kennen lernen kann. Problem: extrem passiv beim Patienten, sehr zurückhaltend und unsicher, möchte am liebsten nur ein Störungsbild kennen lernen, so viele verschiedene Störungsbilder sind ihr fast schon zu viel. Drei Tage sind jetzt um, am Ersten fing sie an. Es ist sicher eine besondere Situation in dem Alter mit den „jungen Hühnern“ in den Beruf ein zu steigen, ich kann ihre Hemmungen schon verstehen, aber wie „kriegen wir die auf Spur“, nehmen ihr die Angst und machen doch noch eine fähige Kollegin aus ihr? Wir bräuchten schon Unterstützung ;-)


vor 4 Jahre #95787

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Thea123
Teilnehmer

Hallo,
ich habe jetzt nicht ganz verstanden, ob sie schon fertige Sprachtherapeutin/Logopädin ist oder nicht und was genau ihre Tätigkeiten sein sollen, die sie übernehmen soll. Kannst du das noch mal genauer erklären?
Rehapädagogik kenne ich als Studium, allerdings berechtigt einen das nicht zur Durchführung von Sprach-, Stimm- oder Schlucktherapien. Das würde ihre Verunsicherung erklären. Hat sie noch irgendetwas anderes einschlägiges studiert oder hat sie eine Ausbildung zur Logopädin absolviert?
Viele Grüße


vor 4 Jahre #95788

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Eulalia
Teilnehmer

Doch, das Studium berechtigt sie zur Ausübung des Berufes einer Sprachtherapeutin. Heute gibt es das in der Form gar nicht mehr, aber sie hat lange studiert und noch nach der alten Studienordnung abgeschlossen. Je nach Bundesland sind einzelne Störungsbereiche ausgeschlossen, in diesem Fall besteht aber eine passende Qualifikation. Sie ist fertig mit der Ausbildung – eigentlich. Sie macht ein Praktikum, bei dem sie alle Bereiche in meiner Praxis kennen lernt und dabei auch abgesprochene Sequenzen übernimmt. Angedacht ist, dass sie nach dem Praktikum, so es denn gut läuft, in einer Behinderteneinrichtung mitarbeitet, die wir konsiliarisch betreuen. Das Problem ist der Kontakt zum Patienten, hauptsächlich zu Kindern. Zwar hat sie auch einen Sohn groß gezogen, aber sie zeigt sich extrem passiv im Patientenkontakt, kriegt feuchte Hände und einen roten Kopf. Vielleicht lassen wir sie einfach mal ganz alleine mit dem Patienten, ausgebildet ist sie ja, mal sehen, ob sie dann anders reagiert.


vor 4 Jahre #95791

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Logople
Teilnehmer

Was sagt denn dein Bauchgefühl? Schon beim lesen hätte ich gesagt Finger weg. Eine extrem kontaktscheue, zumal noch „frische“ Kollegin möchtest du allen ernstes in eine Behinderteneinrichtung schicken? Mutig, sehr mutig, da ja gerade behinderte Menschen extrem kontaktfreudig sind. Ehrlich, nach drei 8-wöchigen Praktika müsstest du sie ohne Bedenken einsetzen können. Wieso darf sie den Beruf des Sprachtherapeuten ausüben, wenn sie die Störungsbilder nicht kennt? Wie therapiert sie dann, so ganz ohne Kenntnisse?


vor 4 Jahre #95792


Anonym
Inaktiv

Icn finde die Idee, dass sie einmal ganz alleine mit dem Patienten ist, sehr gut (eigentlich sogar das einzig Richtige in dem Fall). Habt ihr es inzwischen ausprobiert?
Da eure Bewerberin aus dem Rundfunkbereich kommt, ist ja nicht davon auszugehen, dass sie kontaktscheu ist, und wer sich nach Familienphase o.ä. für eine Umschulung bzw. einen neuen Beruf entscheidet, hat schon die Reife zu wissen, welche Eigenschaften dafür notwendig sind.
Ebensowenig ist davon auszugehen, dass sie „so ganz ohne Kenntnisse“ ist, nach einem Reha-Päd.-Studium bietet sich eine Mitarbeit in einer Behinderteneinrichtung sehr gut an.

Ist es denn ein Unterschied, ob sie Therapiesequenzen durchführt, die ihr vorgebt, oder ob sie selbst alles inhaltlich vorbereitet hat? Vielleicht hilft es ihr, wenn sie einmal eine vorbereitete Sequenz einfach nur ausführt und sich auf das eigene Verhalten konzentrieren kann, oder umgekehrt ist sie vielleicht sicherer, wenn alles von ihr selbst geplant ist.

So oder so: Vielleicht braucht sie einfach Zeit und Routine und ich finde es sehr gut, dass sie bei euch die Chance bekommt mit diesem Praktikum. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass die Nervosität mit der Zahl der Therapien abnimmt. Ich glaube nicht, dass es besser wird, wenn ihr mehr eingreift, mehr supervidiert und mehr Feedback gebt, das wird eher das Gegenteil bewirken.


vor 4 Jahre #95803

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