Logopädie-Forum

Dysphagiker therapieren – ich mach das nicht!!!!

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logomaus
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Hallo liebe Kollegen,

mein Chef verlangt von mir dass ich seinen Dysphagiker therapieren soll….

Ich soll neben Zungen-und Mundmotoriktraining kleine Mengen Wasser geben.

Ich war schon ein paar mal bei diesem Mann und habe ausschließlich Mundmotorik gemacht (das ist auch ok für mich) – aber heute schreibt mir mein Chef vor, ihm auch Flüssigkeit zu geben.

Er hat eine Trachealkanüle die vor kurzem gezogen werden sollte, doch dann weigerte sich die Klinik und der HNO weil sie es für zu gefährlich hielten. Mein Chef sagte, dass ihm in der Klinik MILCH gegeben wurde aus einem Glas und er so dermaßen aspiriert hat, dass sich das ganze Personal dagegen entschieden hat.

Soviel zum Thema Schlucken…

Ich habe weder einen Patienten in der Ausbildung damit behandelt noch eine Fortbildung gemacht.

Ich kann keinen Kaff aufblasen (mein Chef meint aber ich soll das können und auch tun nach einem Mal sehen) und jetzt auch noch Flüssigkeit geben wo das im Krankenhaus so dermaßen schiefgegangen ist.

Ich weigere mich – Recht dazu hab ich doch, oder?

Mir ist das zu heikel . Wie seht ihr das?

Ich hab keine Ahnung davon und umbringen will ich ihn nicht. Ich glaube nicht, dass ich die Anweisungenvom Chef in dem Fall befolgen muss, oder?

Grüße, Logomaus


vor 9 years, 6 months #86202

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Norina Lauer
Teilnehmer

Hallo,

als Logopädin ist man für die Behandlung aller logopädischen Störungsbilder zugelassen. Insofern ist nachvollziehbar, dass dazu auch die Behandlung von Dysphagiepatienten gehört und ein Vorgesetzter dies fordert. Wenn aber die Behandlung mit dem derzeitigen Erfahrungsstand nicht möglich ist, sollte dies mit dem Vorgesetzten umgehend besprochen und eine Lösung gefunden werden, wie z. B. ein Fortbildungsbesuch und/oder eine intensive Anleitung durch erfahrene Kollegen bzw. den Vorgesetzten selbst.

Viele Grüße

Norina Lauer


vor 9 years, 6 months #87062

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logomaus
Teilnehmer

Liebe Frau Lauer,

dass wir als examinierte Logopäden für alle Störungsbilder zugelassen sind und therapieren sollten ist mir durchaus klar… Dennoch: in der logopädischen Ausbildung hat unsere Dozentin uns immer und immerwieder davor gewarnt ohne zusätzliche Fort-bzw. Weiterbildung dieses Störungsbild zu therapieren.

Ich hatte bei meinem anderen Arbeitgeber durchaus Dysphagien therapiert, aber niemals mit Kanülen gearbeitet usw… Wir haben viel theoretisches Wissen erfahren, aber in der Praxis fehlt so vieles. Vorbereitende Übungen gelingen, auch verschiedene Kompensationstechniken usw…

Dieser Patient jedoch übt auf mich massiv Angst aus und ich traue mich wirklich nicht an ihn heran.

Zugegebenermaßen hat man mir ein einziges Mal in einem 1-Minuten Ding gezeigt wie ein Cuff aufgeblasen werden sollte, aber davon habe ich kaum etwas verstanden und ohne Supervision und ein Selbst-Rangehen-Dürfen halte ich es nicht für möglich, mich alleine an so etwas heranzuwagen.

Dass man mich seitens des Arbeitgebers nun nicht verstehen will macht mir sehr zu schaffen.

Es wird erwartet, dass ich am Schlucken mit dem Patient arbeite. Wenn ich daran denke habe ich einfach Angst, dass etwas passiert. Und selbst wenn ich 5-8 mal supervidiert werde, stehe ich möglicherweise recht schnell vor einer komplizierten Situation, in der ich nicht weiß, wie ich handeln soll. Von Notfallmaßnnahmen habe ich in diesem Fall keine Ahnung und ich höre auch wieder die ermahnenden Worte meiner Dozentin…

Eine Fortbildung wird mir verweigert, weil ich aufgrund einer früheren Situation bereits deutlich gezeigt habe, dass ich bei der Arbeit mit Dysphagie-Patienten aufgrund ihrer Begleiterkrankungen (z.B. MRSA Erreger) zu viel Angst entwickele, um dauerhaft mit diesen Patienten arbeiten zu können.

viele Grüße, Logomaus


vor 9 years, 6 months #87064

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Norina Lauer
Teilnehmer

Hallo Logomaus,

dann erscheint mir erst recht ein offenes Gespräch mit dem Vorgesetzten angebracht. Die zentrale Frage ist, ob die generelle Bereitschaft besteht, sich mit der Thematik Dysphagie auseinanderzusetzen oder ob zukünftig ausschließlich die Behandlung anderer Störungsbilder an der Stelle machbar wäre. Sowas kann man ja vereinbaren. Alternativ fiele mir nur ein Stellenwechsel ein.

Viele Grüße

Norina Lauer


vor 9 years, 6 months #87065

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esel
Teilnehmer

Kenne das Problem zu gut. Dennoch bin ich auch der Meinung, dass du dir da vll von nem Kollegen / Chef Hilfe suchen solltest. Ist man als Chef nicht sogar verflichtet seine Mitarbeiter da anzuleiten?

Eine andere Frage von mir wäre ob man wirklich bei nem Patienten der so schnell aspiriert Wasser gibt.. ich hätte da jetzt eher mit was Breiigem angefangen oder Flüssiges angedickt? Im Praktikum hatte ich damals auch gesehn, dass die Therapeutin die Sachen mit Lebensmittelfarbe eingefärbt hat. da konnte man dann beim Absaugen sehn wos hingerutscht ist.

Verstehe auch nicht warum du keine Fortbildung machen darfst. Würde dir das vll die Angst nehmen? Gibt ja da auch bestimmt welche mit Praxisteil. Eine andere möglichkeit wäre vll selbst nochmal ne Runde zu hospitieren, wenn es möglich ist(bei Leuten aus deiner Ausbikdung vll?)

Ich drück dir weiterhin die Daumen. Und lass dich von deinem Chef da nicht unter Druck setzen. Hat ja keiner was von.


vor 9 years, 6 months #87090

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