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Dysphagie mit geblockter trachealkanüle

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Lukie
Teilnehmer

Ich habe einen Patienten (77) mit geblockter trachealkanüle. Seit 7 Wochen 1-2mal wöchentlich behandle ich ihn. In den ersten 2 Wochen hat dder Patient noch ab und zu geschluckt ( nachdem er auf in Gaze eingewickelter Erdbeere oder Apfel ) gekaut hat. Danach war das Schlücken kaum mehr auszulösen. Schluckreflexauslösende Stimulation wie olfaktorische und gustatorische Stimulation ( Orange mit Pat. schälen, Saft pressen, auf Watteträger schmecken, lutschen ) löst Schlücken nicht aus, der Pat. beginnt dann Kaubewegungen zu machen,aber er kommt nicht ins Schlücken. Intraorale Zahnfleischstreichung mit Wangeninnenseitenstreichen , Stimulation der vorderen Gaumenbögen mit Eiswattestäbchen , Mundboden streichen und kreisförmig massieren, löst alles kein Schlücken aus. Bei Lagewechsel versucht der Pat. Zu Schlücken, geht auch nicht. Durch die geblockte Trachealkanüle ist das Riechen und Schmecken und die Sensibilität zur Auslösung von Schutzreflexen und des Schluckens stark herabgesetzt. Solange der Pat. Seinen Speichel nicht schluckt kann doch auch die Kanüle nicht zeitweise entlockt werden,oder? Zumal der Pat. Zusätzlich unter einer Trachealmaleazie und einer Stenose leidet, somit akute luftnotgefahr besteht. Ohne zeitweise Entblockung der Kanüle wüsste ich aber nicht, wie man da die nötige Sensibilität zum Schlücken stimulieren sollte. Was kann ich tun?


vor 9 Jahre, 9 Monaten #90194

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Lukie
Teilnehmer

Wie löse ich den Schluckreflex aus, damit Pat. seinen Speichel schluckt und vielleicht mal dran zu denken ist, die Kanüle zu entblocken und einen Sprecheinsatz einzusetzen?


vor 9 Jahre, 9 Monaten #90195

Hallo Lukie,

leider ist es so, dass eine geblockte Trachealkanüle immer auch den Schluckakt verschlechtert. Durch die reduzierte Stimulation des Pharynx bei der Atmung verringert sich die Sensibilität und damit werden Schutzreflexe schlechter. Und das Schlucken ist erst einmal auch „nur“ ein Schutzreflex.

Es gehört ein bisschen Erfahrung dazu, aber ohne die TK regelmäßig zu entblocken wird sich auch mit intensiver therapeutischer Stimulation wie du sie beschrieben hast nicht viel ändern.

Natürlich ist dein Vorgehen abhängig von der individuellen Situation des Patienten, aber ich würde ihn therapeutisch entblocken. Und bei einer Absaugbereitschaft ist die dadurch höhere Aspirtationsgefahr aufgefangen.

Gruß
Alex

PS: die ganzen Stimulationstechniken die du beschreibst sind super – aber nur ein Teil der Therapie. Therapeutisches Entblocken ist der andere.


vor 9 Jahre, 9 Monaten #90197

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Kati
Teilnehmer

Hallo,

nur mal so aus Interesse. Ich behandle solche Patienten nicht, habe Trachealkanülenmanagement nicht gelernt.

Das würde ja heißen, dass man bei geblockter kanüle immer sofort schon auf das Ziel hinarbeitet, die Kanüle ganz loszuwerden.

Zumindest ist man bei uns im Team der Meinung, wenn ich das richtig verstanden habe, dass man eine ungeblockte Kanüle dann auch entfernen kann, weil die Kanüle dann ihren Sinn nicht mehr erfüllt.
Warum nochmal nicht?

Ich arbeite dann ja sofort daran, dass das Schlucken von Speichel klappt und wenn das möglich ist, brauche ich keine geblockte Kanüle mehr oder?

Wenn der Patient sich verschluckt, muss ich absaugen? Was ist, wenn er still aspiriert?

In manchen Häusern dürfen die Therapeuten doch nicht absaugen. Dann muss ja immer eine Pflegekraft anwesend sein.

Kati.


vor 9 Jahre, 9 Monaten #90198

Hallo Kati,

das jetzt auszuführen würde tatsächlich sehr lange dauern, aber wenn ein Therapeut in einer Klinik mit TK Patienten arbeitet muss er auch absaugen können… und dürfen. Alles andere ist ziemlicher Blödsinn.

Patienten mit einer Kanüle zu Aspirationsprophylaxe müssen entblockt werden im Rahmen der Therapie… und ja… dann aspirieren sie und ja, dann muss man absaugen. Wenn der Pat. still aspiriert sollte man das als Therapeut merken können oder einfach absaugen.

Eine nicht mehr blockbare Kanüle macht immer Sinn (oder meistens) im Rahmen der Dekanülierung. Es kommt tatsächlich oft vor, gerade bei Kanülenträgern die lange versorgt waren, dass die Trachea instabil wird… eine nicht mehr blockbare Kanüle hilft dann in der gefährlichen Woche nach dem letzten Wechsel dass man sich sicher ist, dass die Trachea stabil ist oder dass man zumindest für die Nacht noch einen Absaugkanal hat… oder um dem Patienten die Bronchialtoilette zu erleichtern… auch dafür sind Kanülen gut.

Wie gesagt… TK-Management ist ein sehr weiter und interessantes Feld das man nicht einmal anreißen kann in einem Forum. Dafür sollte man eine FoBi besuchen… Bei Norbert Niers zum Beispiel oder bei mir ;)

Gruß
Alex


vor 9 Jahre, 9 Monaten #90199

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Kati
Teilnehmer

Hallo Alex,

ich arbeite nicht in einer Klinik, aber es kam vor, dass im Hausbesuchsbereich in einem Altenheim ein Kanülepatient versorgt werden musste.

Ich habe ihn abgelehnt, weil wir in der Uni nicht dazu ausgebildet wurden.

Einige meiner Kollegen haben ein Seminar besucht, aber sind sich danach noch so unsicher, dass sie auch keine Kanülenpatienten annehmen. Dann hat man ja wenig davon und kann wenig mit einer Fortbildung anfangen.

Ich überlege jetzt, ob eine solche Fortbildung für mich Sinn macht. Eher wohl nicht, wenn ich nicht in einer Klinik arbeite oder?

Ich hätte nicht alleine absaugen dürfen in diesem Altenheim hätte ich die Therapie angenommen.

Danke für deine Infomationen. Kati


vor 9 Jahre, 9 Monaten #90200

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Lukie
Teilnehmer

Lieber Alexander, du schreibst von therapeutischem Entblocken – ich weiß nicht wie das geht, ich habe noch keine Erfahrung in Schlucktherapie und da ich eine 2- jährige Tochter habe, habe ich keine Möglichkeit über Nacht zu einer Fortbildung wegzubleiben. Soll ich den Patienten abgeben oder besteht für mich eine Möglichkeit dran zu bleiben und mir das nötige Wissen erst mal anders ( bis meine Tochter etwas größer ist) als innerhalb 2-3 tägiger Fortbildungen anzueignen.


vor 9 Jahre, 9 Monaten #90201

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Lukie
Teilnehmer

Noch was. Ich Besuche den Pat. Zuhause, es ist zwar rund um die Uhr Pflegepersonal da, doch Weimar scheint unterschiedlich qualifiziert. Ein therapeutisches Entblocken ist soweit ich weiß nur zu zweit möglich, in diesem Rahmen fehlt aber meineserachtens die Qualifikation. Kennen sich HNO – Ärzte mit therapeutischem Entblocken aus, sodass ich dasvielleicht mit dem HNO – Arzt machen könnte. Ich werde mich wohl auch schleunigst mit Logopäden in Kliniken, die bezüglich diesem Thema Ahnung haben in Verbindung setzen, vielleicht kann ich Tageshospitarionen machen und so mein Wissen erweitern.


vor 9 Jahre, 9 Monaten #90202

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hachja
Moderator

hey,

vielleicht kannst du hier mal schauen: http://www.das-dysphagiezentrum.de dort werden auch fortbildungen in erfurt angeboten. dahin könntest du von weimar aus ja an den jeweiligen hin- und her fahren.

viele grüße


vor 9 Jahre, 9 Monaten #90204

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Lukie
Teilnehmer

Hallo Hachja, danke für den tip, aber ich lebe nicht in Weimar, sondern bei Heilbronn (baden württemberg).


vor 9 Jahre, 9 Monaten #90205

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Appleberry
Teilnehmer

Guten Abend,

Ich betreue seit ca. einem Jahr einen Hausbesuch, der ein massives Schädelhirntrauma erlitten hat.
Der Patient ist tracheostomiert, jedoch nicht beatmet, ist zum Teil entblockt und hat während der Therapie einen Sprechaufsatz ( Absaugung ist gewährleistet), er ist ansprechbar, ist jedoch motorisch nicht in der Lage sich adäquat mitzuteilen – hochgradige Dysarthrie! Ernährung erfolgt über PEG.
Zudem ist er im Bereich der sensiblen Wahrnehmung intra- und extraoral stark eingeschränkt.
Die mimische Muskulatur war wegen der starken Deformierung enorm beeinträchtigt. (Schädelplatte wurde mittlerweile eingesetzt)
Des weiteren leidet er an Hypersalviation und sein Vigilanzzustand ist herabgesetzt.

Zu Beginn der Therapie war die spontane Schluckfrequenz sehr stark herabgesetzt und der Schluckreflex konnte nach gesetzten Reizen nur vereinzelt ausgelöst werden.
Innerhalb eines 3/4 Jahres, konnte die spontane Schluckfrequenz durch die Therapie um 70% gesteigert werden und er war in der Lage nach jedem gesetzten Reiz adäquat abzuschlucken.
Da der Schluckreflex qualitativ jedoch noch sehr mangelhaft war wurde weiterhin auf orale Ernährung und Dekanülierung verzichtet, da aufgrund fehlender oder mangelnder Schutzmechanismen weiterhin erhöhte Aspirationsgefahr bestand.
Ein weiterer Erfolg war die Speichelkontrolle, der Pat. war in der Lage, den Mundschluss einzuhalten und den Speichel abzuschlucken, kein Speichelaustritt mehr aus dem Mundwinkel.
Zuletzt Beschriebenes war der Zustand vor Einsatz der Schädelplatte.
Nach der Operation hat sich aus logopädischer Sicht der Zustand des Patienten allgemein sehr
verschlechtert.
Plötzlich hängt der rechte Mundwinkel, Speichelkontrolle nicht mehr möglich, Vigilanz weiter gesunken ( Aufmerksamkeitsspanne jetzt 10-15 Min.), spontane Schluckfrequenz nur noch ca. 15%, Reaktion auf gesetzte Reize = 0! Ich vermute einen Apoplex, jedoch nicht bestätigt.

Nachdem ich jetzt noch meine Therapieinhalte aufzeigen möchte, komme ich auch endlich zu meiner Frage!

-Sensible Wahrnehmungsförderung im intra- und extraoralen Bereich mittels Vibration/ Kälte
-Förderung der mimischen und intraoralen Muskulatur durch geführte Bewegungsabläufe.
-Stärkung und Förderung des Schluckreflexes mittels intraoralen Zahnfleischstimulation – diese erfolgt ebenfalls mit eisgekühlter und blau eingefärbter (visuelle Aspirationskontrolle) Flüssigkeit um die Reize zu intensivieren.
-Erhalt des Zahnstatus durch Kautraining und Zahnschmelzstimuation.
-Therapeutisches Atemtraining und Luftstromlenkung und Dosierung ( wegen der Kanüle deutlich beeinträchtigt)
-Förderung der Zungenbeweglichkeit durch Tapping
-Teile der NF!T Therapie nach Elke Rogge, in der gezielte, durch die Therapeutin gesetzte, immer wiederkehrende Bewegungsabläufe neue Verknüpfungen im Gehirn bilden.

Mittlerweile habe ich das Gefühl an meine therapeutischen Grenzen gestoßen zu sein.
Aus therapeutischer Sicht vermute ich, dass ich den Zustand des Patienten nur noch weitestgehend erhalten und nicht mehr verbessern kann.
Das allein ist zwar nicht besonders zufriedenstellend aber für mich akzeptable, jedoch nicht für seine Ehefrau.
Diese ist der Grund für meine Frustration und Unsicherheit.
Sie wirft mir Inkompetenz vor weil ich ihre Ziele, die sie für ihren Mann hegt nicht erreiche, des weiteren ist sie mit der Durchführung meiner Therapie nicht einverstanden, “ es ist ja immer nur das Gleiche“
Sie erwartet, dass ihr Mann bald wieder aktiv am Leben teilnehmen kann… …
Es fanden bereits vermehrte Beratungs- und Aufklärungsgespräche statt.

Ich bin eigentlich der Meinung, dass ich meine Therapie nach bestem Wissen und Gewissen gestalte und bin erstmal von meiner Kompetenz überzeugt ( ohne arrogant zu sein – ich arbeite seit 8 Jahren im klinischen Bereich, davon 4 Jahre Betreuung eines Pflegefachzentrums für Wachkomapatienten ), jedoch natürlich auch bereit Kritik entgegenzunehmen und Hilfe anzunehmen.

Kann ich meiner Therapie noch etwas hinzufügen damit ich weitere Erfolge erzielen kann?

Ich bedanke mich für die mir entgegengebrachte Geduld und hoffe auf eine Antwort.


vor 7 Jahre, 11 Monaten #93300

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Appleberry
Teilnehmer

…im übrigen behandle ich ihn 3x pro Woche, dazu kommen 4 Physiotherapietermine und 2x Ergotherapie pro Woche + 24std.Pflegedienst! Meiner Meinung nach ist der Patient stark überfordert!


vor 7 Jahre, 11 Monaten #93301

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