ProfilbildLaFleur
Teilnehmer

Hi,

ich habe mal eine Frage, die aus meinen Unterlagen nicht so recht zu beantworten ist:

Wenn ich ne Dysphagie Diagnostik mit einem Pat. nach Apoplex mache, dann beginne ich mit dem Wasser-Test (so haben wirs zumindest gelernt). Erst nen Teelöffel voll, wenn möglich dann kleine Schlucke nehmen lassen und das ganze beurteilen.

So, angenommen der Pat. hat mit Flüssigkeiten Schwierigkeiten und ich merke, es könnt evtl. was falsch laufen. Hör ich dann mit der Schluckdiagnostik gleich auf oder darf ich dann trotzdem noch andere Konsistenzen testen (weil der Pat. sich damit vllt leichter tut und es z. B. bei Brei oder weicher Kost weniger schnell zur Aspiration kommt???)?? Oder ist das Risiko dann zu hoch? Mir ist nicht ganz klar, ob die eine Konsistenz was mit der anderen zu tun hat. Man sagt ja oft, Flüssigkeiten sind schwieriger. Demnach wäre es ja möglich, dass festere Konsistenzen trotzdem gut gehen?

Liebe Grüße!

Danke im Voraus!


vor 7 Jahre, 1 Monat #86554

Naja… der Wasserschlucktest ist Teil der klinischen Schluckuntersuchung, dazu gehören aber auch noch Überprüfung der Sensibilität, Muskelfunktion und eine Beurteilung der Vigilanz.

Mein erstes Kriterium für eine Dysphagie ist, ob meine Patienten 15 Minuten im Rollstuhl sitzen können. Wenn nicht, gibts es erst mal nix oral!

Aber: wenn der Wasserschlucktest negativ ausfällt, dann heißt das eigentlich, dass eine Bildgebung erforderlich ist. Also eine FEES zum Beispiel. Aber wenn du dir sicher bist, kannst du natürlich auch halbfeste Kost probieren. Aber gerade bei einem Schlaganfall sollte bei negativem Wasserschluckversuch eine Bildgebung folgen!

Gruß,

Alex


vor 7 Jahre, 1 Monat #88428
ProfilbildTeekly
Teilnehmer

Als ehemaliger Mitarbeiter in einer logopädischen Praxis und aktueller Logopäde in der Neurologie mit zertifizierter Strokeunit bin ich in der glücklichen Position bei Bedarf eine FEES durchführen zu können.

Grundsätzlich gibt die klinische Untersuchung Dir eigentlich genug Aufschluss darüber, ob es sich bei der Penetration/Aspiration von Wasser ursächlich primär um eine Störung der oralen Phase/Vorbereitungsphase handelt im Zuge derer es zu posteriorem leaking kommt, oder ob die pharyngeale Phase beeinträchtigt ist.

Sollte ersteres der Fall sein, halte ich es für vertretbar, Schluckversuche mit Götterspeise durchzuführen, um hier ebenfalls auf klinische Aspirationszeichen zu prüfen.

Meiner Ansicht nach wurde in der Akutklinik etwas versäumt, wenn Du ambulant einen Patienten mit fraglicher Dysphagie behandeln sollst, dieser aber bislang keine bildgebende Unteruchung erhalten hat.


vor 7 Jahre, 1 Monat #88430
ProfilbildLaFleur
Teilnehmer

Hallo und danke für eure Antworten :)

Es handelt sich um keinen realen Patienten, es ist eher ne grundsätzliche Frage.

Ich habe schon in vergangenen Praktika, u.a. auch in ner Klinik, mitbekommen, dass Schluckversuche mit Wasser schwierig waren. Ist halt jetzt die Frage, was “negativ” heißt. Ich meinte damit jetzt keine Aspiration mit den klassischen Zeichen sondern eher z. B. einen veränderten Stimmklang nach dem Schluck (a-Probe, Phonationsprobe). Das heißt ja, dass irgendwas nicht stimmt und ne Bildgebung gut wäre, das leuchtet ein :) Aber bei damaligen Schluckversuchen wurde trotzdem mit Apfelmuß weiter gearbeitet und probiert, und oft gab es da keine Probleme und lediglich Wasser konnte nicht oral gegeben werden, Breikost schon.

Was meint ihr dazu?


vor 7 Jahre, 1 Monat #88434

Klar, der Wasserschluckversuch ist auch ausschließlich da, um eine Dysphagie auszuschließen. Mehr kann er nicht. (und in diesem Fall erkennt er auch keine silent aspiration!)

Heutzutage macht man nach einer klinischen Schluckuntersuchung (da ist der Wasserschlucktest Teil von) immer eine Bildgebung, wenn es Auffälligkeiten gibt. Also entweder FEES oder am besten auch Röntgen-Videographie.

Nur weil man Hinweise darauf bekommt, dass Wasser vielleicht nicht geht, heißt das nicht gleich npo (nil per os). Schlucken lernt man durch Schlucken… darum schaut man in einer Bildgebung, was gut geht und nutzt das für die Übungen. Meist ist dies halbfeste Kost… ggf. in Kombination mit einem kompensatorischen Schluckmuster.

(BTW: darüber blogge ich immer mal wieder, wen es also interessiert, kann gern auf meinem Blog alexanderfillbrandt.de mal unter Logopädie nachschauen ;-) )


vor 7 Jahre, 1 Monat #88438
ProfilbildLaFleur
Teilnehmer

Danke danke danke für die Antwort!

Das war das, was ich wissen wollte. Also wenn Wasser nicht geht, heißt das folglich noch lange nicht, dass andere Konsistenzen nicht gut funktionieren (bzw. oft eben besser gehn –> halbfest!)

In der Klinik wo ich war, ist das leider überhaupt nie der Fall gewesen mit der Bildgebung. Es wurde rein klinisch getestet und durch nachschlucken oder hochhusten kompensiert.


vor 7 Jahre, 1 Monat #88439
ProfilbildEisblume
Teilnehmer

Hallo..
Das Thema Dysphagie beherrschen selbst erfahrene Logopäden nicht immer sicher…
man muss natürlich praktische Erfahrungen im Umgang mit solchen Patienten machen .
Ich habe da herausgehört, das du dir nicht erklären kannst, warum man bei Flüssigkeit so vorsichtig ist und dir die Zusammenhänge nicht so recht einleuchten! Mein Rat, probiere es doch mal in einem Seniorenheim bei älteren Menschen aus…natürlich unter vorheriger Absprache mit der Leitung und dem Personal. Führe ein Buch und notiere dir dann, wann der Patient räuspert oder hustet. Zumindest bekommst du dann mal in etwa einen Überblick. Da siehst du auch was die Patienten dort essen. Nur um sich mal ein praktisches Bild davon zu machen…alles andere lernst du in der Ausbildung.


vor 3 Monate, 2 Wochen #96471
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