Logopädie-Forum

Differenzierung zwischen phonematischen Paraphasien und Sprechapraxie

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Laura_89
Teilnehmer

Hallöchen,

ich habe in der Praxis eine neue Patientin, auf dem Rezept steht Aphasie/ Apraxie. Die Aphasie ist nach AAT nicht klassifizierbar (halb Wernicke, halb anmestisch). Sie hat teilweise Wortfindungsstörungen und ‚verspricht‘ sich häufig. Da der Infark rechtsseitig war hab ich zuerst gedacht dass auch eine Sprechapraxie vorliegt, dafür spricht auch, dass sie ihre Fehler immer sofort erkennt, das Wort wiederholt und sich dabei der Zielform immer weiter annähert. Laute, kurze Wörter und sinnlose Silben kann sie aber gut nachsprechen, bei langen Wörtern treten wieder ihre Probleme auf, wobei das ja auch ein phonologisches Symptom der Aphasie sein könnte. Außerdem, und das spricht ja gegen die Sprechapraxie, macht sie beim Schreiben die gleichen Fehler, kurze Wörter gehen, aber dann schmeißt sie alles durcheinander.


vor 7 years, 9 months #86902

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hachja
Moderator

huhu,

mir ist nicht ganz klar, was deine frage ist. deine patientin kann doch sowohl sprechapraxie als auch eine aphasie haben. ist die läsion tatsächlich rechts oder war das ein tippfehler?

viele grüße


vor 7 years, 9 months #89903

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Laura_89
Teilnehmer

Doch, die Läsion ist tatsächlich rechts!

Natürlich könnte auch beides vorliegen. Meine Frage ist eher wie ich das noch rausbekommen kann, ob auch eine Sprechapraxie vorliegt, wenn keine Suchbewegungen erkennbar sind und Laute sowieso kurze Wörter nachgesprochen werden können. Ist für mich dann eher ein Zeichen dafür dass es keine Sprechapraxie ist, zumal die Symptome in der Schriftsprache auch auftreten.

Da die Läsion aber rechts war und Apraxie mit auf dem Rezept steht bin ich aber nicht ganz sicher. Es wäre ja unschön, wenn ich jetzt nur die Aphasie behandel und dann irgendwann feststelle dass sie doch auch eine Sprechapraxie hat.


vor 7 years, 9 months #89904

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hachja
Moderator

ukeh, also, dass sie läsion rechts ist, ist wirklich interessant und ziemlich selten. das ist aber kein indiz für eine sprechapraxie. die störungsorte, die ursächlich für die sprechapraxie diskutiert werden liegen überwiegend in der linken hemisphäre.

sax ja oder nein:

welche qualität haben die fehler? gibt es auditiv wahrnehmbar phonetische entstellungen? pro sax

gibt es prolongation von vokalen, schwaintrusionen? pro sax

gibt es silbenstruktureffekte?pro sax

fehlerposition im wort? eher am anfang: pro sax

konsonanten sind häufiger als vokale betroffen, pro sax

prosodie ist gestört (soweit beurteilbar, herabgesetzte sprechgeschwindgikeit): pro sax

das nachsprechen von lauten würde ich nicht so hoch gewichten. wenn das nachsprechen von wörtern schon eher aber auch bei der sprechapraxie könnten längeneffekte (silbenanzahl) auftreten. aber soweit ich weiß, gibt es da unterschiedliche befunde in der forschung. allerdings konnte bspw. auch gezeigt werden, dass einsilber anfälliger sind als zweisilber… also wortlänge allein sollte kein kriterium sein.

hoffe, dass das ein wenig hilft


vor 7 years, 9 months #89905

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Laura_89
Teilnehmer

Ok, danke! Keine phonetischen Entstellungen, keine Prolongationen, Fehler eher in der Mitte/ am Ende, es sind auch Vokale betroffen, Prosodie nicht gestört. Was genau meinst du mit Silbenstruktureffekten? Ob sie Konsonantenverbindungen reduziert? Kann ich grad gar nicht sagen, muss ich mal drauf hören.

Spricht dann eher dafür dass keine Sax vorliegt, würde ich sagen, oder? (davon bin ich bisher auch ausgegangen, wollte mich nur nochmal vergewissern, bzw. es auch argumentieren können, dafür haben deine Kriterien mir sehr geholfen!)


vor 7 years, 9 months #89906

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hachja
Moderator

ja würde ich dann (aber ohne gewähr) auch sagen.

mit silbenstruktureffekten meinte ich, ob bei komplexeren silben (cv vs. ccvcc) ist, häufiger fehler auftreten. das müssen allerdings nicht zwangsweise reduktionen sein.


vor 7 years, 9 months #89908

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Norina Lauer
Teilnehmer

Hallo zusammen,

das beschriebene Annähern an die artikulatorische Zielform spricht auch eher gegen Sprechapraxie. Aphasie und Sprechapraxie nach rechtsseitiger Läsion sind ja eher selten zu erwarten. Letztlich kann man die beiden Störungsbilder nur anhand der Gesamtsymptomatik voneinander abgrenzen. Einen Test, der die Störungsbilder sicher voneinander abgrenzen würde, müsste man noch erfinden :-).

Viele Grüße

Norina Lauer


vor 7 years, 8 months #89910

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