Logopädie-Forum

Berufsverband – wichtig oder unwichtig?

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AMA
Teilnehmer

Hallo miteinander,

aus aktuellem Anlass würde mich eure Einstellung bzw. Meinung interessieren:

ich bin Mitglied im dbl und seit vielen Jahren unzufrieden. Ich habe oft überlegt auzutreten. Aus Mangel an guten Alternativen und weil ich einen Zusammenschluss (in welcher Form auch immer) von uns Therapeuten wichtig finde – da wir ansonsten keine Lobby haben-, bin ich bisher noch nicht ausgetreten.
Außerdem muss ich gestehen, dass ich bis vor Kurzem nicht viel Ahnung von Verbandsarbeit hatte und mich auch nie wirklich intensiv mit meinem Verband auseinandergesetzt habe. Seit meiner Selbständigkeit vor einigen Jahren ist mir die Wichtigkeit unserer Stellung in der Öffentlichkeit, die Ergebnisse der Kassenverhandlungen (die der dbl für ALLE Logos macht) etc. sehr viel bewusster geworden. Jetzt bin ich an einem Punkt, an dem ich Veränderung will.

Mich würde interessieren ob ihr in einem Verband seid? Warum? Warum nicht? Was erwartet ihr von einem Berufsverband? Habt ihr das Gefühl, dass ihr genug Informationen über berufspolitische Themen bekommt, oder sagt ihr eher „das interessiert mich nicht“?

Grüße
Aila


vor 7 Jahre, 10 Monaten #92430


Anonym
Inaktiv

Hallo Aila,

danke für das interessante Thema. Ich kann, was du schreibst, sehr gut nachvollziehen. Auch ich würde gerne nicht allein da stehen in der Logopädie. An anderer Stelle hatte ich meine Meinung dazu hier geäußert…

Ich bin kein Verbandsmitglied (und vorweg keine Expertin ;-) ), weil definitiv nicht ersichtlich ist inwiefern wir (Arbeitnehmer und Praxisinhaber) profitieren. Gut, die haben eine Rechtsberatung. Die bekomme ich woanders auch. Mag sein, dass es hier und da noch andere Vorteile gibt, aber defacto bringt eine Mitgliedschaft einen nicht weiter. Schade, denn man wird zur Einzelkämpferin.

So verhält es sich doch eigentlich mit allen Institutionen wie zB Kirche. Eine Mitgliedschaft ist immer eine Vertrauensangelegenheit, Verbundenheit durch gemeinsame Ziele, man möchte ernst genommen werden, gehört werden, gute Politikarbeit gestalten und Veränderung/Entwicklung sehen. Was nützt also ein Auto, wenn es nicht fährt. Da laufe ich zu Fuß, auch wenn es mühsamer ist manchmal…;-)

Gruß


vor 7 Jahre, 10 Monaten #92435

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Gaenseblmchen
Teilnehmer

Hallo,

ich bin ebenfalls vor ein paar Jahren ausgetreten. Grundsätzlich finde ich einen Zusammenschluss, gerade einer so kleinen Berufsgruppe wie bei uns, sehr wichtig zur Vertretung unserer Interessen. Allerdings habe ich genau da das Gefühl dass der Verband dies nicht tut.
Zum einen werden in der Öffentlichkeit Dinge erzählt, die unserem Beruf sehr schaden und zum anderen werden mit den Kassen Verhandlungen geführt, die dazu führen dass wir in bestimmten Bundesländern immer weniger verdienen. Ich fühle mich somit nich Vertreten, sondern habe eher das Gefühl der Verband schadet mir.
Außerdem ist der DBL viel zu sehr mit der Akkademisierung beschäftigt, als dass er sich auch noch um die Belange der aktuellen Logopäden kümmern könnte. Ich bin jedoch zuversichtlich dass auch akkademische Logopäden für einen Hungerlohn arbeitern werden. Womit nicht der Eindruck entstehen soll, dass ich gegen die Akkademisierung bin, aber ich denke dass der Verband zu wenig für unsere momentane Situation tut.
Oder warum schauen immer noch der Großteil der Menschen zu meinen Füßen wenn ich sage dass ich Logopädin bin, oder denken wir spielen den ganzen Tag nur mit lispelnde Kindern? Ich glaube kaum dass allein durch die Akkademisierung automatisch das Ansehen des Berufs steigt und vielleicht endlich mal ernst genommen wird.

Ich denke dass ein Zusammenschluss mit den Ergos und Physios gut wäre, weil die ähnliche Probleme haben und wir somit noch eine viel größe Gruppe wären. Und je mehr Menschen betroffen sind und sich wehren, umso eher passiert was.
Falls ich mal viel Zeit in meinem Leben habe setze ich mich für die Gründung eines neuen Verbandes ein. Falls hier jemand jetzt schon viel Zeit hat…


vor 7 Jahre, 10 Monaten #92438

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AMA
Teilnehmer

Danke für eure Rückmeldungen!
Ich kann eure Einstellung sehr gut verstehen. Mir geht es da schon ähnlich. Allerdings war mein Dilemma bisher, dass wenn ich austrete, auch mein Mitspracherecht aufgebe.

Das Problem ist ja eben, dass ALLE (angestellten und selbständigen) Logos betroffen sind, wenn z.B. die dbl-Präsidentin ein „unglückliches“ Interview gibt, was eher unserem Berufstand schadet, als dass es nützt.
Es sind ALLE Logos betroffen, wenn die Kassenverhandlungen, die der dbl macht so schlecht laufen. Ob man will oder nicht – als Nicht-Mitglied ist man genauso betroffen, wie als Mitglied. Und da bin ich eben lieber aktiv dabei und nutze mein Stimmrecht… dachte ich mir zumindest immer….
Leider ist es so, dass sich nur sehr wenig Kollegen (egal ob Mitglied oder nicht) kaum mit Berufspolitik beschäftigen. Vielleicht liegt es auch am Konkurrenzdenken, dass wir so wenig zusammenhalten? Ein Zusammenschluss aller Therapeutengruppen war ja schon im Gespräch, aber die sind sich untereinander alle nicht einig. Einer Verkammerung wäre ich z.B. auch nicht mehr so abgeneigt – den Ärzten hat es ja auch geholfen.

Ich freue zumindest, dass immer mehr dbl Mitglieder anfangen sich zu wehren und sich zu vernetzen. Ob es wirklich zu großen Veränderungen kommt, bleibt abzuwarten. Wenn nicht, bin ich nach der Mitgliederversammlung raus aus dem Verein. (Und nicht nur ich). Vielleicht kommt dann ja tatsächlich etwas Neues?! Genug engagierte Kollegen haben wir ja :)

Und was die Akademisierung angeht: ich habe selber studiert und bin ebenfalls der Meinung, dass der dbl andere Belange in den Vordergrund stellen sollte. Natürlich ist Wissenschaft wichtig, aber nur durch einen Titel bekommt man leider nicht mehr Geld. Und es macht nicht zwangsweise einen besseren Therapeuten aus mir. Ich kenne so viele Kollegen die „nur“ die Berufsausbildung haben und großartige Arbeit leisten, über ein sehr großes Wissen verfügen und effektiver arbeiten als so manch studierter Logo. In einem therapeutischen oder pädagogischen Beruf sollte es beides geben und sich ergänzen dürfen – die Wissenschaftler und die Praktiker.


vor 7 Jahre, 10 Monaten #92443

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Wicki
Teilnehmer

Gegen Ende meiner Ausbildung 1999 wurde uns von den Lehrlogopäden nahe gelegt, unseren Verband zu unterstützen und einzutreten. Ich glaube, alle aus meinem damaligen Jahrgang inkl. mir sind dem gefolgt. Allein schon, weil wir alle das „Forum“ haben wollten. Damals wussten wir nicht, dass man das auch ohne Mitgliedschaft abonnieren kann.

Nach 4 oder 5 Jahren aber fühlte ich mich dem Verband nicht mehr zugehörig. Auf einer Mitgliederversammlung ist mir dann der Kragen geplatzt. Erstmal war die Rechtsvertretung keine Anwältin (und ist es heute wohl immer noch nicht) und war mit allen Fragen total überfordert und dann hatte der Vorstand keine Ahnung mehr von der Basis….klar bleibt wenig Zeit für die Praxis, wenn ich mich total der Verbandsarbeit widme. Wenn mein Einkommen durch den Verband gesichert ist, besteht ja auch für Therapien an echten Patienten keine Notwendigkeit mehr. Das, was die Herren und Damen aber da von sich gegeben hatten, war so weit weg von der Realität, dass das für mich nichts mehr mit dem tatsächlichen Leben zu tun hatte.
Wenn man von anderen Verbänden z. B. Sprachheilpädagogen gefragt wird, warum bei gemeinsamen Kassenverhandlungen der dbl so schnell nachgibt und sich mit Peanuts zufrieden gibt, kommt man ins Grübeln und überdenkt nochmal, ob man diese Leute weiterhin (finanziell) mit einer Mitgliedschaft untersützen will. Den Krankenkassen-Anzugträgern wurde damals die Verhandlungen teilweise mit selbstgebackenen Keksen (!!!!) versüßt. Einen solchen „Mutti-Verein“ kann so jemand glaube ich, nicht wirklich ernst nehmen. Ist heute wahrscheinlich anders, aber das hat mir echt den Rest gegeben. Also bin ich ausgetreten.
Am liebsten wäre mir (aber das ist nur Wunschdenken), dass ein neuer Verein gegründet würde, der sich wirklich den Interessen der niedergelassenen Logos widmet und sich in der Politik und bei Krankenkassen wirklich Gehör verschafft. Aber bislang hat meines Wissens nach noch keiner den Mut dazu aufgebracht.


vor 7 Jahre, 10 Monaten #92452

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dickie
Teilnehmer

Hallo,
ich bin dem dbl bisher nicht beigetreten, aus den vielen Gründen, die schon genannt wurden. Generell bin ich sehr interessiert daran, was berufspolitisch passiert oder auch eben nicht passiert. Ich habe länger überlegt dem dbl beizutreten und habe mich schließlich dagegen entschieden. Den Zusammenschluß finde ich wichtig und richtig, fühle mich aber nicht angesprochen und angenommen. Ich habe meinen Abschluß an einer Fachschule gemacht und mein Eindruck ist, dass es in letzter Zeit viel um die Akademisierung geht und die Ausbildung der Fachschule abgewertet wird (auch wenn es so nicht explizit ausgesprochen wird).
Zudem finde ich den Mitgliedsbeitrag happig und ich ärgere mich darüber, dass die Preise für Fobis für Mitglieder und Nicht-Mitglieder so auseinander gehen. Da gehe ich doch lieber woanders hin…
Ich würde mir wünschen, dass ein Berufsverband die Interessen aller Logos stärker unterstützt und sich bei Krankenkassen-Verhandlungen nicht mit Cent-Beiträgen abspeisen lässt.
Grüße, dickie


vor 7 Jahre, 9 Monaten #92464

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Logopaede
Teilnehmer

An ja…is ja alles richtig!
Ihr Selbstständigen bekommt wenigstens noch mal ne „Anpassung“.
Ich arbeite in einer Klinik und habe seit 15 Jahren keine Lohnerhöhung bekommen!

Logopäden sind eben popelige „Sprechlehrer“, die eh zu viele unnötige Therapien durchführen. Hat das nicht unsere „Präsidentin“ gesagt….jedenfalls so ähnlich!

Logopäde


vor 7 Jahre, 6 Monaten #92958

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