Logopädie-Forum

Bachelor, Master, Staatsexamen, usw.

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Ich habe den Überblick verloren!
Ich bin Logopäde mit „altem“ Staatsexamen. Mein Beruf ist Logopäde.
Der Bachelor macht mich auch zum Logopäden…oder etwa nicht? Es ist ja „nur“ ein berufsqualifizierender Hochschulabschluss. Ich habe so im Gefühl, dass der Unterschied doch Relevanz hat!

Warum sollte ich mit meinem Staatsexamen, den Bachelor nachmachen…ich habe doch einen „berufsqualifizierenden Abschluss“.

Warum verwehrt man uns „Alten“ den Zugang zur Hochschule, wenn einem Meister das erlaubt wird?

Aber jetzt gibt es doch auch Studiengänge, wo ich sofort ne Kassenzulassung bekomme. Thema: Ehemalige Sprachheilpädagogen werden zu Sprachtherapeuten….


vor 5 Jahre, 9 Monaten #94125

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Um es noch mal zu verdeutlichen…
Studiere ich an einer FH Maschienenbau und mache dort meinen Bachelor. Dann habe ich einen Bachelor in Maschinenbau und sonst nix. Ich bin dadurch nicht automatisch Maschinenschlosser, Dreher, oder KFZ-Mechaniker.

Übertrage ich das aber auf die Logopädie scheint das ganz anders zu sein.
An der Geschichte ist etwas krumm.
Hier wird durch die Hintertür das Staatsexamen unterwandert und der Beruf des Logopäden zerstört!

Ich will den Bachelor, wenn an den Hochschulen Logopäden ausgebildet werden!

Wenn Akademisierung dann aber auch gerecht


vor 5 Jahre, 9 Monaten #94128

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Hier mal die „Werbung“ von Fresenius

Mit dem international anerkannten Bachelor of Science erhalten die Absolventen des Studiengangs Logopädie (B.Sc.) der Hochschule Fresenius zusätzlich die Vollzulassung zur Heilmittelerbringung im Bereich Sprachtherapie, sodass sie wie staatlich geprüfte Logopäden in Deutschland eingestellt werden und sich niederlassen können (Beschluss des GKV-Spitzenverbandes gem. § 124 Abs. 4 SGB V).

Man ist also „Absolvent“ des Studienganges Logopädie. Die haben gar keine Berufsbezeichnung….oh Gott!

Man ist scheinbar kein Logopäde!

Der Bachelorabschluss erlaubt das, was ich die ganze Zeit tue! Ich will auch den Bachelor!!!


vor 5 Jahre, 9 Monaten #94129

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Teekly
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Das sage ich schon seit 4 Jahren…

Da wirst Du nix dran ändern können. Dir muss einfach das Wissen reichen, dass Du der bessere Therapeut bist, dafür aber nicht so gut im wissenschaftlichen Arbeiten. (Wozu auch immer man das als Logopäde braucht…)


vor 5 Jahre, 9 Monaten #94130

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Lacera
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Da ich selbst den Bachelor gemacht habe: Ich finde nicht, dass andere Therapeuten automatisch besser sind als studierte Logopäden. Die Ausbildungen sind eben verschieden, jeder sollte das wählen was ihm eher liegt.
Ich habe in den Niederlanden studiert, hab also nicht so die Ahnung wie es hier läuft.
Dort sind es jedenfalls 4 Jahre, statt 3 Jahre zur Logopädieschule zu gehen. Ich würde also schon davon ausgehen, dass die Theorie ausreichend und vergleichbar vermittelt wird. 2 Semester bestehen aus Praktika, wodurch also auch die Praxis nicht zu kurz kommt. Den Abschluss muss ich in Deutschland anerkennen lassen. Sollten die theoretischen und praktischen Stunden nicht den Anforderungen genügen, dürfte ich hier also gar nicht arbeiten. (Von wegen international anerkannt… ist ein schönes Gerenne zu Ämtern, Wochen in denen man nicht arbeiten darf)

Und wieso sollte es keine Berufsbezeichnung geben? B.Sc. Logopädie deutet ja irgendwie darauf hin, dass man Logopäde ist?! Ich kann mit dem Studiengang auch nicht Schlosser werden, sondern „nur“ Logopädin sein. Was das angeht verstehe ich deinen Einwand mit dem Maschinenbauer nicht.

Und wieso willst du den Bachelor haben? Der bringt einem (soweit ich weiß) keine Vorteile. Sollte das eher „aus Prinzip“ sein, mach ihn halt nach. Dir werden die 3 Jahre angerechnet und auch die Praktika musst du nicht machen, da du bereits arbeitest. Also besuchst du den „Unterricht“ während des Abschlusssemesters und schreibst deine Arbeit. Sollte dir doch nicht schwer fallen die zu schreiben?!
Wir hatten auch 2 Damen dabei die den Bachelor nachgemacht haben, wieso weiß der Teufel. Es soll halt ehrgeizige Menschen geben.


vor 5 Jahre, 9 Monaten #94133

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Hier soll es ja nicht darum gehen wer der bessere Therapeut ist.
Hier geht es um Begrifflichkeiten, um die Anerkennung und Gewichtung der jeweiligen sprachtherapeutischen Ausbildung.

Natürlich fühlt sich die B.Sc Studentin mit ihrem Abschluss als „Logopädin“. Die Frage ist nur: „Darfst du das auf dein Praxisschild schreiben. Ist man als B.Sc nicht „Akademischer Sprachtherapeut“?

Der Bachelor ist eine „Erstausbildung“…die habe ich mit meinem Staatsexamen auch. Ich dachte immer der Beruf des Logopäden ist ein geschützter Begriff.
Außerdem habe ich ein bisschen Angst um die B.Sc Studentinnen. Rechtlich ergeben sich, durch das Fehlen der Berufsbezeichnung, sicherlich Konsequenzen, die nur den wenigsten vertraut sind.

B.Sc Logopädie….ist meines Erachtens irreführend! Du hast damit einen Studiengang belegt und hast einen Titel bekommen. Du hast aber keinen Beruf.

Zum Maschinenbau:
Auch der Bachelor im Maschinenbau hat keinen Beruf!

Warum sollte ich noch ein Jahr in eine Ausbildung investieren, die ich schon habe. Das bisschen Statistik kann ich mir auch durch ne Fortbildung aneignen. Zudem sammel ich ja auch Fortbildungspunkte.
Wenn einem als B.Sc. der Logopädentitel „verliehen“ wird und dazu noch eine Vollzulassung bekommt, ist es ja wohl nicht zuviel verlangt, dass ich auch diesen Titel tragen darf.
Österreich hat es ja vorgemacht!


vor 5 Jahre, 9 Monaten #94134

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Ach…hier der Beweis für meine Warnung!!!
Schaut euch das mal an….

Das schreibt die Uni Würzburg über ihren B.Sc. Studiengang.
„Außeruniversitär“….na, warum die das wohl machen?
Die haben wohl ein schlechtes Gewissen…

Abschluss
Bachelor of Science (B.Sc.) in 7 Semestern
Außeruniversitär nach dem sechsten Semester zu erwerben: staatliche Anerkennung Logopädie
Ausprägungen
210-Punkte-Einzelfach
Studienbeginn
nur zu einem Wintersemester möglich

Zulassung/Bewerbung

Zulassungsbeschränkung
zulassungsbeschränkt (Uni)
(Achtung: Für einen erfolgreichen Studienabschluss wird dringend empfohlen, neben der erfolgreichen Bewerbung an der Uni zusätzlich die Zulassung zur Ausbildung an einer Berufsfachschule für Logopädie zu beantragen. Die Bewerbungsfrist an der Berufsfachschule für Logopädie Würzburg erstreckt sich vom 1.Januar bis zum 31. März (Ausschlussfrist). Die Hochschulzugangsberechtigung kann bis zum 15. Juli nachgereicht werden.
Eignungsprüfung
Nein


vor 5 Jahre, 9 Monaten #94135

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Norina Lauer
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Hallo,

da offensichtlich einige Unklarheit herrscht, was Begrifflichkeiten und rechtliche Aspekte betrifft, versuche ich es mal mit ein paar Erläuterungen zur aktuellen rechtlichen Lage:

1. Ein Bachelortitel allein ermächtigt nicht zur Berufszulassung im Bereich der Logopädie.

2. Ein Bachelorstudium ist keine „Erstausbildung“, sondern der erste akademische Abschluss, den man an einer Hochschule erwerben kann.

3. Eine Berufszulassung für den Bereich der Logopädie kann über zwei Wege erreicht werden:

a) Staatsexamen gemäß LogAPrO
Dabei wird das Staatsexamen in Modellstudiengänge integriert, wie im angesprochenen Beispiel Würzburg. Damit macht man ein Staatsexamen plus ein Bachelorstudium und kann sich sowohl „akademische/r Sprachtherapeut/in“ als auch „Logopäde/in“ nennen.

b) Zulassung über die GKV nach §124 SGB V
Hierbei wird ein Hochschulstudium absolviert, für das bei den Gesetzlichen Krankenversicherungen eine Berufszulassung beantragt werden kann. Sofern die gesetzlich festgelegten Vorgaben erreicht werden und die Prüfung seitens der GKV-Gutachter positiv ausfällt, kann eine entsprechende Teil- oder Vollzulassung vergeben werden. Eine Vollzulassung haben nur wenige Studiengänge in Deutschland. Es gibt eine Liste der GKV, in der die Studiengänge mit Voll- und Teilzulassungen aufgeführt sind. Oben wurde das Beispiel der Hochschule Fresenius genannt. Hierbei handelt es sich um einen Bachelorstudiengang, der nach §124 SGB V anerkannt ist und zu einer Vollzulassung führt. Die AbsolventInnen sind nicht LogopädInnen, sondern akademische SprachtherapeutInnen. Sie dürfen alle logopädischen Tätigkeiten vollumfänglich ausführen und z.B. auch eine eigene Praxis eröffnen.
Die Anerkennung seitens der GKV von StudiengangsabsolventInnen aus dem Bereich der akademischen Sprachtherapie (z.B. Linguisten, Patholinguisten, Sprachheilpädagogen) gibt es übrigens schon seit vielen Jahren. Allerdings wurden früher einzelne, personenbezogene Anträge geprüft, während es mittlerweile neben diesem Vorgehen auch die Möglichkeit der Anerkennung ganzer Studiengänge gibt.

4. Studiengänge im europäischen Ausland: Mit einem z.B. niederländischen Bachelorabschluss in Logopädie kann man in Deutschland eine Anerkennung zur LogopädIn beantragen. Damit darf man sich auch LogopädIn nennen – und natürlich auch akademische Sprachtherapeutin.

5. Das Praxisschild: Die Begriffe Logopädie oder logopädische Praxis sind nicht gesetzlich geschützt, lediglich der Begriff „Logopäde/in“. Daher können alle o.g. TherapeutInnen die Begriffe Logopädie/logopädisch auf ihr Praxisschild schreiben. Nur diejenigen, die ein Staatsexamen absolviert haben oder wegen eines im europäischen Ausland erworbenen Bachelorabschlusses in Logopädie anerkannt wurden, dürfen sich Logopäde/in nennen.

6. Die österreichischen LogopädInnen, die an Fachschulen ausgebildet wurden, dürfen keinen Bachelortitel tragen! Es wurde lediglich eine Besitzstandswahrung und meines Wissens auch Gleichstellung vereinbart.

7. Ein Bachelortitel ist nur als Abschlussbezeichnung über einen hochschulischen Studiengang zu erwerben und kann nicht ohne Erwerb der dafür erforderlichen hochschulischen Leistungen vergeben werden.

Viele Grüße
Norina Lauer


vor 5 Jahre, 9 Monaten #94136

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Vielen Dank Fr. Dr. Lauer,
das macht die ganze Angelegenheit recht übersichtlich.

Der Bachelor ist also an die Uni gebunden und der erste „akademische Abschluss“. Nun gut…nicht jeder Realschüler soll sich wohl mit diesem Titel schmücken. Wenn es nun darum geht, den Bachelor dort zu belassen wo er herkommt…von mir aus!

Doch wer grapscht hier denn nach den Titeln und fummelt in „sehr kreativer Weise“ an den Begriffen der Logopädie herum. Es sind die Universitäten. Schaut euch doch die Namen der Studiengänge an…. das sagt alles.
In Osnabrück heißt der interdisziplinäre Studiengang in den Überschriften: Logopädie, Ergotherapie, Physiotherapie B.Sc. Alles nicht geschützt…ich weiß.
Habe ich dann diesen Bachelorstudiengang gemacht, schreibe ich auf mein Praxisschild: Praxis für Logopädie, Ergotherapie und Physiotherapie B.Sc. oder ich mache das jetzt schon und lasse den B.Sc. weg.
Wenn das mit der Hochschulausbildung so toll ist, dann sollen die auch eigenen Ausdrücke für ihre Ausbildungsgänge etablieren und nicht in jedem 2-ten Satz von Logopädie sprechen.

Warum Fresenius so einen Zulauf hat liegt auf der Hand….Es liegt allein an den Leuten die dort ihre Vorlesungen halten. Ich hoffe die Dozenten wissen das….

Sehr interessant finde ich auch dieses: „Die Berufszulassung in den Bereich Logopädie…“
Es hört sich so an, als wenn die sprachtherapeutische Arbeit die Logopädie ist….Was sagt mir das? Hach, bis jetzt noch nix….grübel.

Es wäre so einfach für die Hochschulen, wenn es nur dieses dämliche Staatsexamen nicht gäbe. Doch das unterwandern die auch noch. Einfach mal abwarten.

Für Berufsanfänger scheint mir das „Würzburger Ding“ am sichersten. 3,5 Jahre und man hat beides. Wie diese Ausbildung praktisch aussieht möchte ich ja wirklich mal erleben.
Der Herr Hansen scheint ein sehr pfiffiger Mensch zu sein….ich glaube der hat ne Lehrerausbildung….

Edit: Die österreichische Gleichstellung finde ich auch sehr interessant. Heißt das, Logopäden mit einem Examen können trotz fehlendem Bachelor, gleich den Master machen?


vor 5 Jahre, 9 Monaten #94147

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Sorry ich kann das nicht mehr editieren….neuer Beitrag.

Ich habe mal gerade geschaut wie lange eine Österreicherin für ihren Bachelor braucht. Sie braucht lediglich 3 Jahre.
Wenn ich den Bachelor haben will führt das zu einer Verlängerung meiner Ausbildungszeit. Das widerspricht aber den Zielen der Bolongna-Erklärung. Es ist und bleibt nicht durchlässig…und nicht international.

Hmmm….Fr. Dr. Lauer ich schreib mal ne Arbeit und schicke sie Ihnen. Nen Buch über Testkonstruktion habe ich auch schon gelesen…wenn ich dann noch nen Schein dazulege (Aufwandsentschädigung) müsste das doch mit meinem B.Sc. funzen…. so ehrenhalber. ^^


vor 5 Jahre, 9 Monaten #94149

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Norina Lauer
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Hallo,

ein Bachelorstudium kann nach Bologna 6, 7 oder 8 Semester dauern. Ein Master kann nur dann angeschlossen werden, wenn vorher ein Bachelor absolviert wurde. In Österreich gibt es allerdings auch sogenannte Weiterbildungsmaster. Darüber kann man zwar einen Mastertitel erwerben, hat aber z.B. keine Möglichkeit, eine Promotion anzuschließen, da es kein „regulärer“ Master ist. Einen regulären Master können die österreichischen Fachschulabsolventen ohne Bachelor nicht anschließen.

Realschulabsolventen können übrigens durchaus an die Hochscule gehen. Hierzu gibt es entsprechende Prüfungen, über die man nach 3 Beufsjahren auch studieren kann.

Die Aussage, dass Hochschulen das Staatsexamen „auch noch unterwandern“ ist definitiv falsch. Die Modellstudiengänge, in denen das Staatsexamen immer implementiert sein muss, setzen dieses entsprechend um und werden von den gleichen Regierungspräsidien überprüft, die auch die fachschulischen Examina kontrollieren. Auch wenn über die Modellklausel noch nicht seitens des Gesetzgebes entschieden wurde, ist davon auszugehen, dass das Staatsexamen auch künftig ein wesentlicher Bestandteil des Studiums bleiben wird.

Dass jemand nach fachschulischer Ausbildung mit einem darauf aufbauenden Studium mehr als 3 Jahre für den Bachelor braucht, widerspricht nicht Bologna. Die Ausbildung kann eben nur zu einem Teil auf das Sttudium angerechnet werden. Der Studiengang in Osnabrück ist übrigens für Personen, die bereits eine Fachschulausbildung absolviert haben, insofern ist die Verwendung der Begriffe Logopädie etc. absolut nachvollziehbar.

Der Begriff der akademischen Sprachtherapie umfasst bei einer Vollzulassung übrigens tatsächlich das gesamte Spektrum der Logopädie. Insofern ist der Begriff Sprachtherapie in diesem Zusammenhang sicher nicht ideal, aber als Abkürzung für Sprach-/Sprech-/Stimm-/Schlucktherapie etwas griffiger.

Viele Grüße
Norina Lauer


vor 5 Jahre, 9 Monaten #94152

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Thea123
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„Hmmm….Fr. Dr. Lauer ich schreib mal ne Arbeit und schicke sie Ihnen. Nen Buch über Testkonstruktion habe ich auch schon gelesen…wenn ich dann noch nen Schein dazulege (Aufwandsentschädigung) müsste das doch mit meinem B.Sc. funzen…. so ehrenhalber.“

Bei einem Studium geht es um so viel mehr. Es ist wirklich hart. Die Studierenden werden häufig sehr unter Druck gesetzt. Zum einen sollen alle Voraussetzungen der Krankenkassen umgesetzt werden, zum anderen möchte die Universität auch ihre wissenschaftlichen Themen unterbringen. Und das ganze soll möglichst in der Regelstudienzeit passieren. Es ist überhaupt nicht angebracht diese Leistungen so ins Lächerliche zu ziehen.
Ich bin sicher jeder hat sich etwas hart erarbeitet auf das er stolz sein kann, ob Patholinguistik, Logopäde, Klinischer Linguist, akademischer Sprachtherapeut oder wer auch immer. Ob mit Studienabschluss oder ohne. Ob Praxisinhaber oder Angestellter. Es gibt keinen Grund für eine Neid-Debatte.


vor 5 Jahre, 9 Monaten #94154

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@Thea123
Na ja, ob das nun eine Neiddebatte ist muss jeder für sich entscheiden. Doch am Ende drängen alle auf den Arbeitsmarkt. Ich kann mir da nicht vorstellen, dass die einzelnen Fakultäten dann Verantwortung zeigen. Jeder köchelt da seine eigene Suppe und versucht seine Schäfchen zu positionieren. Zumal der überwiegende Teil der Hochschulausbildung in privater Hand liegt.

Doch es ist ganz nett, Fr. Dr. Lauer, dass sie ein bisschen Licht in das Thema bringen.


vor 5 Jahre, 9 Monaten #94156

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Thea123
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Wo ist denn das Problem? Im Moment werden händeringend Fachkräfte, auch Sprachtherapeuten, gesucht. Der Arbeitsmarkt reguliert sich selbst, wie auch in anderen Berufen.


vor 5 Jahre, 9 Monaten #94157

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Vielleicht lenke ich mal die Sichtweise auf diejenigen, die schon sehr lange im Beruf sind.

Eine „gestandene“ Logopädin hatte aufgrund der damaligen Verhältnisse nicht die Möglichkeit einen akademischen Abschluss zu machen.
Diejenigen, die jetzt Logopädin werden, schaffen dieses auf dem schnellsten Wege in 6 Semestern (in Europa). Diese Möglichkeit wird den Älteren verwehrt, da sie den Bachelor -so wie es aussieht- erst erreichen, wenn sie ein Jahr länger in die Ausbildung investieren. Das ist „Altersdiskrimination“!

In Deutschland kann man auf dem schnellsten Wege in Würzburg in 7 Semestern zum Bachelor + Staatsexamen kommen und hat damit alle Qualifikationen in der Tasche. Wo in Deutschland kann eine „älterer“ Logopädin in einem halben Jahr zum Bachelor kommen, damit sie die gleiche Qualifikation an Ende von 3,5 Jahren vorweisen kann?

Das Ziel von Bologna ist, die Ausbildungszeiten zu vereinheitlichen und zu verkürzen. Meine Ausbilungszeit würde sich aber im Vergleich zu den jüngeren „Neuanfängern“ im Verhältnis verlängern, um auf den gleichen Ausbildungsstand zu kommen. Das ist nicht korrekt. Denken wir da mal an die Rente!
Warten wir mal ab bis die nächste Hochschule den B.Sc +Staatsexamen in 3 Jahren anbietet.


vor 5 Jahre, 9 Monaten #94159

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Özlem
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Ich kann mich Thea nur anschließen… Warum diese Neid-Debatte (und ja, es ist eine, wenn Argumente wie „jeder drängt auf den Arbeitsmarkt“ kommen. Und warum sollte man „alten Logopäden einen Bachelor in 1 Semester zubilligen? Sie haben – aus welchen Gründen auch immer – einen anderen Ausbildungsweg als die studierten. Und es ist nicht so, dass den Studenten an der Uni der Abschluss nur so nachgeschmissen wird. Wäre es nicht sinnvoller, als Angehörige des selben Berufsstands, sich den echten Problemen wie der miserablen Bezahlung zu widmen anstatt Kollegen ihre Ausbildung madig zu reden?
und @ Teekly: Wenn Du tatsächlich fragst, wozu man als Logopäde wissenschaftliches Arbeiten braucht, solltest Du vielleicht wirklich mal 1-2 Semester an einer Uni oder Fachhochschule belegen – Stichworte hypothesengeleitete Diagnostik, evidenzbasierte Verfahren, Testgütekriterien und Qualitätsmanagement… All das ist nämlich Teil des wissenschaftlichen Arbeitens und hoffentlich Deines Arbeitsalltags… Außerdem bezweifle ich sehr, dass jeder gelernte Logopäde per se besser ist als jeder studierte Sprachtherapeut….


vor 5 Jahre, 9 Monaten #94160

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Halt, halt,
hier geht es darum, wer jetzt, im Jahre 2015, einen Bachelor macht und wieviel Zeit er dann für eine gleichwertige Qualifikation investiert hat. Es geht nicht um die Qualität, um Neid, oder darum, ob einem die Qualifikation nachgeschmissen wird. Das ist ein ganz anderes Thema.

Aus den Antworten kann man jedoch gut ersehen, dass es im Kern auf beiden Seiten (wenn man von Seiten sprechen will) Ängste gibt. Diese Ängste sind begründet und müssen thematisiert werden.

Warum kann ich nicht durch qualifizierte und speziell dafür angebotene Fortbildungen meinen Bachelor erwerben. Fr. Lauer bietet dann als Beispiel die Fortbildung „AVWS- auf Bachelor“ an. So sammel ich dann eine gewisse Anzahl von „akademischen“ Fortbildungspunkten, die mich dann qualifizieren. Man muss nur wollen….


vor 5 Jahre, 9 Monaten #94161

Ich möchte mal ganz anders fragen: Warum kann man im Jahr 2015 in Deutschland immer noch eine Ausbildung zum Logopäden an einer Berufsfachschule machen? Warum ist es in Deutschland – wie in den meisten anderen Ländern auch – nicht endlich ein ausschließlicher Studiengang? Das ist in meinen Augen die viel dringendere Frage.


vor 5 Jahre, 9 Monaten #94163

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Özlem
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Du kannst nicht durch zusätzliche Fortbildungen den Bachelor erwerben, weil Fortbildungen kein Studium sind. Ich kann nicht durch zusätzliche Fortbildungen das Staatsexamen ersetzen, weil Fortbildungen keine Ausbildung sind. Ich finde, das ist ziemlich logisch. Und duale Studiengänge, wo man das Examen und einen akademischen Abschluss macht, gibt es in anderen Bereichen auch (z.B. der Bachelor of Nursing + das Examen als Krankenschwester). Das sind Modellstudiengänge und mitnichten einfach zu meistern.

Und ich schließe mich da Alexander an – eine Akademisierung der Sprachtherapie/Logopädie wäre der sinnvolle Schritt, um die nötige Anerkennung und angemessene Bezahlung für den Berufsstand zu erreichen. Natürlich darf man dabei die gelernten Logopäden nicht ausschließen oder irgendwie benachteiligen, aber im Prinzip ist das, was Logopäden lernen und tun auf einem sehr hohen Niveau und sollte eine akademische Ausbildung sein.


vor 5 Jahre, 9 Monaten #94164

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Norina Lauer
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Hallo,

Fortbildungen sind kein Studium. Mit „man muss nur wollen“ wird man hochschulrechtliche Bestimmungen nicht übergehen können. Und die Bologna-Reform hat das Ziel der Harmonisierung europäischer Studiengänge. Mit Ausbildungen hat das nichts zu tun.

In der Logopädie bzw. akademischen Sprachtherapie gibt es aktuell Studiengänge, die mit 6, meist aber 7 oder 8 Semestern zur vollen Berufszulassung führen. Dabei ist man sich berufspolitisch einig, dass es mindestens 7 Semester sein sollten. Ich musste 7 Jahre in Ausbildung + Diplom-Studium als Vollzeitstudium investieren. Das war zu der damaligen Zeit eben so. Da hat man heute erfreulicherweise mehr und schnellere Möglichkeiten.

Viele Grüße
Norina Lauer


vor 5 Jahre, 9 Monaten #94166

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