Logopädie-Forum

Apraxie….,…,… und noch viel mehr

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smo2111
Teilnehmer

Hallo zusammen,

nun bin ich doch schon ein paar Tage als Logo tätig und bin bei einer neuen Patientin am Ende mit meinem Latein.

So wie mir geht es auch unserer Ergo und Physio.

Erstmal eine Vorstellung der Patientin:

Mediainfarkt links, globale Aphasie, Hemiparese, Agnosie, Neglect, Hemianopsie,Hemiparese, Facialisparese, Apraxie (Sprache, Handlung), Dysphagie mit PEG….

Jetzt meine Frage: WAS SOLL ICH MACHEN?

Wo fange ich mit der Therapie an?

Die Patientin hat in der Aphasie- und Apraxiediagnostik jeweils 0 Punkte erreicht.

Habe die Patientin heute kennengelernt. Wir wollten sie für eine Diagnostik in den Stuhl setzten, dieses gelang uns nach ca 10 Minuten nur durch einen kleinen Unfall mit der Ergo, sie wurde von der Patintin gekniffen und beide stolperten auf den Stuhl. Sie wusste nicht, was sie mit dem Stuhl anfangen sollte…

Bei der Schluckuntersuchung habe ich ihr einen Becher gegeben, den sie sich auf den Kopf gesetzt hat, danach wollte sie ihn sich über den Fuß ziehen.

Für Tipps und Vorschläge bin ich sehr dankbar und bedanke mich schon einmal.


vor 9 Jahre, 1 Monat #86719

Is doch ein interessanter, klassischer Fall der Phase B in der neurologischen Frühreha. :)

Hier ist sicher erst einmal ganz basale Arbeit nötig. Also ganz alltägliche einfache Dinge wie die Begrüßung als eine Art Ritual (das sollten die anderen Berufsgruppen auch einhalten) etablieren.

Für die Kontaktaufnahme mit der Patienten sollte eine gemeinsame Absprache getroffen werden mit einer für alle verbindlichen Initialberührung, damit die Patientin sich daran gewöhnen kann.

Dazu solltest du dich in deiner Therapie auf Rituale einstellen. Wenn die Pat. noch Probleme im Sprachverständnis hat, helfen in der Phase sicher immer wiederkehrende Handlungen.

Wenn die Pat. „kneift“ oder ähnliches, ist das immer ein Zeichen von Angst (was bei der Befund-Kombination ja nun kein Wunder is – die Pat. weiß ja nicht, was mit ihr geschieht) und sollte entsprechend beachtet werden. Außerdem sollte mit den Ärzten ggf. über eine angepasst Medikation gesprochen werden. Stimmungsaufheller sind in dieser Phase oft sinnvoll um einen Zugang zur Patientin zu bekommen.

In der Logopädie würde ich wirklich an basalen Dingen arbeiten… Sowas wie „Guten Morgen“… oder auch Reihensprechen (1,2,3…) und dazu Arbeit an der faz. Parese… mit aktivierenden Massagen, wenn die Pat. es zulässt. Behalte im Hinterkopf, dass sie ihren Körper nicht steuern kann, Wahrnehmungsschwierigkeiten hat und sei entsprechend behutsam…

Ich arbeite fast nur mit solchen Pat. und finde es sowas von spannend und es ist großartig, wenn mal was adäquates zurückkommt und die Pat. das auch noch merken ^^

Gruß

Alex


vor 9 Jahre, 1 Monat #89097

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Britta F.
Teilnehmer

Ja, das ist auch mein Alltag in Phase B. :-)

Ich finde es ebenfalls sehr spannend und oft ist Kreativität und manchmal auch Bauchgefühl gefragt, denn hier helfen die gängigen Konzepte und Materialien oft nicht weiter… selbst MODAK ist zu hoch angesetzt.

Ich habe auch gute Erfahrungen mit wiederkehrenden Strukturen, die Sicherheit und Orientierung geben. Das können einfache Dinge sein wie am Anfang die Hand geben, die Brille aufsetzen oder die Haare bürsten… wichtig ist es, Ruhe und Sicherheit zu vermitteln durch Berührung, Stimme, Mimik,…

Um Sprachverständnis und Handlungsplan zu entwickeln, finde ich den Umgang mit Alltagsgegenständen (s.o.) am Besten; man kann hier u.U. auch Elemente aus Affolter integrieren. Manchmal muß man auch mit anderen präverbalen Aufgaben anfangen. Ein paar Ideen kann man sich aus dem Buch „ohne Worte“ von Ostermann ziehen (aber auch nur ein paar…) Expressiv wende ich auch Floskeln, Reihen, Sprichwörter an; eventuell Melodic Intonation Therapy, generell Singen… auch wenn letztere Methoden kontrovers diskutiert werden; die Erleichterung der Patienten, wenn sie plötzlich eine Liedzeile beenden können, wo sonst nichts geht, ist es wert.

LG Britta


vor 9 Jahre #89148

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