Warum müssen ständig Berichte geschrieben werden?

Es nervt ganz schön. Immer wieder verlangen die Lehrlogopädinnen und Lehrlogopäden Rahmenpläne mit Zielen, Methoden und Begründungen, Therapiepläne mit Grobzielen, Feinzielen, Methoden, Begründungen, Begründungen und Begründungen.

Ich will euch aus der “Zukunft” mal erklären, warum das wirklich sinnvoll ist!

Rahmenplan?

In den Rahmenplänen plant ihr die Therapie: Beschreibt den Patienten und versucht maßgeschneidert für eben diesen Patienten aus dem Fundus der Therapiekonzepte die Teile herauszugreifen, die ihm helfen, ihn fördern oder nur seinen Status erhalten.

Dazu müsst ihr die Konzepte kennen, wissen was der Patient braucht. Müsst wissen was es für Ansätze bei den unterschiedlichen Störungsbildern gibt und die Ansätze nach Qualität und Nutzwert einordnen können.

Außerdem geht es in dem Rahmenplan darum einzuschätzen was ihr in einem bestimmten zeitlichen Rahmen mit eurem Patienten erreichen könnt, wie weit ihr kommt. Wichtig dabei sind vor allem die Fähigkeiten und Leistungen, die der Patient in die Therapie mitbringt.

Therapieplan?

Der Therapieplan für jede einzelne Einheit versucht aufzuzeigen, was erreicht werden soll. Hier geht es nicht mehr nur um einen relativ breiten Zeitrahmen sondern um einen ganz eng umrissenen Teil der Therapie.

Welche Übung aus meinem groben Plan kann ich heute anwenden, was habe ich in der letzten Stunde mit dem Patienten erreichen können und was bedeutet das für die heutige Einheit?

Auch macht ihr euch an dieser Stelle Gedanken zu Fragestellungen wie…

  • Wie leite ich eine Übung an?
  • Welches Material brauche ich?
  • Was mache ich, wenn Probleme auftreten?
  • Wie passt diese Übung in meinen Rahmen?
  • Welche Hilfen kann ich geben? Welche Hilfen will ich geben?
  • Was kann der Patient heute erreichen?

Begründungen?

Wenn ihr euch alle diese Fragen immer wieder stellt – oder eben stellen müsst, weil sie in Form von Plänen schriftliche fixiert werden sollen – dann baut ihr so einen kostbaren Schatz auf.

Einen Schatz an Erfahrungen um im Berufsalltag diese Fragen schnell beantworten zu können. Denn im Berufsalltag habt ihr nicht mehr die Zeit euch lange hinzusetzen Gedanken zu machen… da sollte das idealer Weise schnell und nahezu automatisch – so im Hinterkopf – immer und ständig passieren…

Und die Begründungen, auf die Lehrlogopädinnen immer so viel wert legen bilden dafür die Basis. Sie sind der eigentliche Schatz! Während ihr sie schreibt werdet ihr anfangs feststellen, dass es nicht einfach ist zu erklären, warum man gerade eine bestimmt Übung für sinnvoll hält… aber wenn ihr das ein paar mal gemacht habt, dann stellt sich eine Routine ein.

Und nicht selten kommt es vor, dass einem Teile eines Konzeptes beim Nachdenken erst so richtig klar werden.

Mit den Begründungen im Hinterkopf ist es aber einfacher auch spontan in der Therapiesituation zu reagieren. Nicht immer läuft es wie geplant, selten sogar. Aber gerade das macht einen guten Therapeuten aus, dass er trotzdem sinnvolle Alternativen parat hat. Alternativen bereit zu haben ist immer gut. Sinnvoll sind diese jedoch nur, wenn sie begründet sind! Und dass dies der Fall ist stellt ihr sicher in dem ihr Begründungen in eurem Fundus im Kopf habt, ihr einen großen Schatz aufgebaut habt und diesen nutzen könnt.



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