Hallo zusammen!
Ich hoffe Ihr könnt mir helfen, ich habe ein Kind in der Praxis, das mich verzweifeln lässt:
Heute gerade habe ich ein Gespräch mit meiner Chefin geführt, dass mich ein wenig Hoffnung schöpfen lässt, gänzlich verstanden habe ich aber noch nicht alles und ich hoffe nun auf die ein oder andere "kluge" Erklärung oder Anregung.
Zum Fall:
Seit nunmehr 23 Therapiestunden a 30 min. kommt ein Junge zu mir, der jetzt ziemlich genau 4 Jahre alt ist. Seine Aussprache ist - so die erste (hör-)eindrückliche Diagnose - sehr undeutlich. Er klingt, als hätte er eine sehr sehr starke phonologische Störung, Auszüge aus Äußerungen in unseren Stunden klingen in etwa so: (mit der 1 oder 2 hinter dem ch versuche ich ch1 und ch2 zu kennzeichnen!)
"Bu bich1 bann" - Du bist dran!
"eimch1, ch1ei, ch1ei, ch1ier, ch1ümch1" - eins, zwei, drei, vier, fünf
"bu much2 mir aim beheuch1 hormach2en - Du musst mir ein Geräusch vormachen
" biho heibch1u bach1 mip?" - wieso schreibst Du das mit?
"Mokopei" - Polizei
"Ch1ajap" - Fahrrad
...
Dabei ist in seinen ersetzungen keinerlei Regelhaftigkeit zu erkennen, was es unglaublich schwer macht, sich einzuhören.
Ich habe seinerzeit dann angefangen alles mögliche mal abzutesten und musste zu dem Ergebnis kommen, dass er - wenn es nicht gerade ums Sprechen geht - ein kleiner Überflieger ist!
Mundmotorisch ist er einsame Spitze, um es etwas plastischer auszudrücken, er bräuchte weder Finger, noch Taschentuch. Die auditive Wahrnehmung ist kaum zu überbieten, er hört Anlaute, bildet Reimwörter, Diskriminiert Laute bis Wortebene nahezu fehlerfrei, sucht in "sekundenschnelle" aus Wimmelbildern die heraus, in denen ein bestimmter Laut vorkommt, er war das erste Kind, was ich erlebt habe, was bei den Tiergeräuschen in Audiolog den Delfin und die Grille erkennt und Gans und Ente unterscheiden kann und auch sonst ist er fit! Er erzählt mir von Planeten und Dinosauriern, rechnet im Kopf bis 10 plus und minus, zählt 18 Wagons an einem vorbeifahrenden Zug, er setzt im Spiel bis zu 5 Schritte weiter ohne abzuzählen und so weiter.
Er stellt mich gelinde gesagt vor ein Rätsel. Ich weiß nicht, wo ich mit ihm anfangen soll.
Seine Mama hat vor kurzem mal den Spieß umgedreht und meinte zu ihrem Sohn "Schau mal, da ist eine Mokopei!" - woraufhin ihr Junior sehr beleidigt reagierte und meinte "Mama, pach2 ich2 boch2 eime PO-LI-ZEI!"
HILFE! :-/
Meine Chefin meinte nun, das klinge für sie wie eine kindliche Sprechapraxie, ich solle mindestens die Lautebene, nach Möglichkeit aber sogar die Silbenebene auslassen und mit ihm direkt auf Wortebene arbeiten und zwar mit Taktkin... mir einen Laut rauspicken, der - wenn ich ihn dann mit meiner Hand unterstütze - viel "bietet", also z.B. das /sch/ und ihn den Bewegungsablauf immer wieder spüren lassen.
Ich habe mir nach dem Gespräch das ein oder andere über kindliche Sprechapraxie bzw. Entwicklungsdyspraxie durchgelesen, aber bleibe immer wieder daran hängen, dass es meist heißt, die Kinder würden nur schwer und sehr spät sprechen lernen... Mein Eumelchen hier plappert mit seinen gerade 4 Jahren aber wie ein Wasserfall! Er quatscht mir wirklich Knöpfe an die Backe und begleitet wirklich alles sprachlich! "Nur" eben sehr sehr schwer verständlich!
Hat irgendjemand noch andere Ideen, was ich mit ihm machen könnte? Oder kennt jemand dieses Störungsbild aus eigener Erfahrung und hat Erfahrungen was die Behandlung angeht? Ich bin - was das angeht - leider gänzlich unerfahren, das letzte mal, als ich ein derart desaströses Lautbild vor mir hatte, konnte ich in 70 Stunden alles ausbügeln, weil es sich "nur" um ein "phonologisches Paukenröhrchen" handelte, aber diesmal ist alles so unauffällig um das Kind herum, selbst die Eltern sind unglaublich geduldige und gute Vorbilder ....
Langer Rede kurzer Sinn:
Bitte........!? ........ DANKE!!! :-)
Liebe Grüße!






