ProfilbildAnanas
Teilnehmer

Hallo ihr Lieben,
gestern habe ich eine Zusage für die Logopädieausbildung an einer Fachschule bekommen. Ich finde den Beruf sehr interessant und auch die Bereiche Medizin und Psychologie interessieren mich. Jedoch habe ich im Internet immer wieder gelesen, dass Logopäden relativ wenig verdienen. Manche raten sogar von der Ausbildung ab. Ist eine Menge Geld, die man für die Ausbildung zahlen muss. Wenn ich mir überlege, einen Nettogehalt von 1.300€ zu bekommen und noch meine Bafög Schulden zurückzahlen muss, bekomme ich Angst. Führt man als Logopäde wirklich ein „Leben am Limit“? Trotz Überstunden..Hat man nicht die Möglichkeir mehr zu verdienen? Was ist denn das Nettogehalt eines Logopäden?Ich würde mich freuen, wenn ihr eure Erfahrungen teilen könntet. Da ich relativ alt bin habe ich Angst, mit dem Beruf eine falsche Entscheidung zu treffen und in finanzielle Not zu kommen. Hätte auch aufgrund meines Alters nicht nochmal die Möglichkeit eine andere Ausbildung zu machen. Ich bin echt am Verzweifeln und hoffe hier von angegenden/praktizierenden Logopäden mehr Infos zu bekommen.

Liebe Grüße, Ananas


vor 2 Monate #96244
ProfilbildThea123
Teilnehmer

Hallo,
deine Frage kann man so pauschal nicht beantworten.
Die Vergütung ist je nach Bundesland ganz unterschiedlich. Im Osten sind Gehälter (Brutto!) um die 2200€ Vollzeit normal, während du in Bayern auch 2400-2800€ verdienen kannst. Wenn du örtlich flexibel bist, macht es schon Sinn eher nach Süddeutschland umzuziehen ;-)
Ich gebe die Zahlen in Brutto an, was jeder Netto für sich raus hat, kommt ja auf viele Faktoren an…
Außerdem ist momentan die Grundlohnsummenanbindung gefallen. Das heißt bisher konnte die Vergütung der Krankenkasse (pauschal beschrieben) nur um ca. 2% jährlich steigen. Die Vergütung ist aber seit Jahren auf einem viel zu niedrigen Stand gewesen, sodass nie vernünftige Preise verhandelbar waren. Jetzt ist die Anbindung für 3 Jahre ausgesetzt worden und es scheint so zu sein als ob eine Vergütungssteigerung in den nächsten 3 Jahren um 30% stattfinden wird. Wie viel die Arbeitgeber davon an die Arbeitnehmer weiterleiten, steht in den Sternen… Aber es herrscht Fachkräftemangel. Wenn die Praxisinhaber keine Angestellten finden, sind sie evtl. bereit auch mehr für die Angestellten zu zahlen.
Solltest du später eine eigene Praxis eröffnen, kannst du natürlich entsprechend mehr verdienen, weil du dann das Risiko trägst.
Und natürlich kann man in Privatpraxen noch mal mehr verdienen, wobei reine Privatpraxen eher selten sind.
Es ist ein toller Beruf, aber die Vergütung ist schlecht. Es ist außerdem ein sicherer Job, eine Arbeitsstelle bekommt man garantiert. Die Arbeitsbedingungen sind meistens ok, wenn man nicht ausgerechnet an einen schlechten Arbeitgeber gerät. Man sollte sich nicht alles gefallen lassen und die Stelle dann halt einfach wechseln.
Ob das Geld zum Leben reicht, muss sich jeder selbst ausrechnen. Es kommt ja auf die eigenen Ausgaben an. Ich hoffe, dass hat die ein wenig geholfen.


vor 2 Monate #96245
Profilbildfinchen5
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Hallo Ananas,

zum Gehalt kann ich dir nichts sagen, da ich selbst noch in der Ausbildung bin. Ich weiß aber, dass einige „Mitschülerinnen“ von mir Bafög beziehen, das nicht zurückgezahlt werden muss, so genanntes Schüler-Bafög, da es sich ja um eine Ausbildung und nicht um ein Studium handelt. Die genauen Kriterien dafür (Alter usw.) weiß ich allerdings nicht. Vielleicht kannst du dich ja mal in der Hinsicht erkundigen. Das ist nämlich echt super, dass man immerhin ohne Bafög-Schulden aus der unbezahlten (und meistens sogar kostenpflichtigen) Ausbildung herausgeht :)

Viele Grüße und alles Liebe für deine Entscheidung..
Finchen


vor 2 Monate #96246
ProfilbildAnanas
Teilnehmer

Danke für eure Antworten :)
Ich würde gerne von praktizierenden Logopäden/Logopädinnen erfahren ob der Beruf wirklich so ein Alptraumjob ist, wie es im Internet teilweise beschrieben wird.


vor 2 Monate #96252
ProfilbildThea123
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Zu der Vergütungssituation habe ich ja schon etwas gesagt.
„Alptraumjob“ scheint sich jetzt (wenn ich das richtig verstehe) aber nicht nur auf das finanzielle sondern auch auf inhaltliche Aspekte zu beziehen, oder?
Der Job ist sehr abwechslungsreich. Du lernst ständig neue Menschen kennen. Für mich ist das eine schöne Sache, aber für manche Menschen kann das natürlich auch negativ sein, weil sie eine vertraute, gleichbleibende Arbeitsatmosphäre brauchen. Da muss sich jeder selbst einschätzen.
Mittlerweile ist es doch ziemlich gängig sich auf bestimmte Störungsbilder zu spezialisieren. Das finde ich sehr schön. Je nach Vorliebe kann man also sagen, ich möchte lieber mit Kindern arbeiten oder ich möchte vorrangig mit Erwachsenen arbeiten und man besucht dann Fortbildungen zu seinem Schwerpunkt. Die Fortbildungen werden meistens leider nur anteilig vom Arbeitgeber bezahlt, aber das ist Verhandlungssache. Teure Fortbildungen kann man auch anteilig über Fortbildungsgutscheine oder EU-Förderungen bezahlt bekommen.
Für Fortbildungsmuffel ist der Beruf sicher nichts. Du solltest Spaß an Weiterbildungen haben und Freude daran neue Methoden in den Therapien auszuprobieren.
Bei der Umsetzung der Therapien hat man sehr große Freiheiten. Es sitzt dir niemand ständig im Nacken, der dich kontrolliert. Für mich auch ein absoluter Pluspunkt.
Die Arbeitszeiten sind meistens nicht so toll. Viele Patienten können erst ab dem Nachmittag kommen (Schulkinder, berufstätige Eltern), sodass man häufig noch relativ lange arbeitet (bis 18:00 oder 19:00 Uhr).
Und ansonsten ist es wie in allen anderen Jobs auch: Man kann Glück oder Pech mit dem Arbeitgeber haben. Aber ein Stellenwechsel ist eigentlich kein Problem.
Was genau sind denn deine Befürchtungen? Was glaubst du könnte problematisch werden?


vor 2 Monate #96253
Profilbildsportela
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Hast du in dem Berufsfelde „Logopädie“ ein paar Praktika gemacht? Zum Beispiel eins in einer Praxis und eines in einer Klinik?
Das kann bei einer Entscheidungsfindung hilfreich sein.
Grüße


vor 2 Monate #96255
ProfilbildHanKi
Teilnehmer

Auch wenn ich mich wiederhole^^ Nach 10 Jahren Logopädie ist der Beruf letztendlich kein Traumjob. Bisher habe ich nur in Praxen gearbeitet. Der Beruf ist anspruchsvoll, man muss sich innerhalb eines Arbeitstages immer auf die Patienten einstellen, muss stressresistent sein (schwierige Eltern-Kind-Beziehungen, unmotivierte Kinder und Jugendliche, ausländische Patienten, denen man mit Händen und Füßen etwas Fachliches erklären soll, Patienten mit hohem Leidensdruck aushalten können, von einem Hausbesuch zum nächsten hetzen, Termine planen die unmöglich scheinen, wenn man krank ist von zuhause alle Patienten selber absagen, Ausfallstunden selber tragen usw.). Nach 3 verschiedenen Arbeitgebern glaub ich auch nicht dass ich noch den „richtigen“ Arbeitgeber finden werde. Was mich auch stört, dass man sehr oft ins kalte Wasser geworfen wird, man muss sehr oft improvisieren- viele Störungsbilder sind eben nicht lehrplanmäßig. Ich habe in 5 Jahren nie eine Fallbesprechung genossen, musste mich immer allein durchwursteln. Dabei würde ich meinen jetzigen Arbeitgeber als sehr human bezeichnen im Gegensatz zu den letzten Arbeitsstellen.
Im Grunde macht man Akkordarbeit, Quantität wird bezahlt, Qualität zwar geschätzt aber die Anzahl der abgeleisteten Therapien ist meist wichtiger.
Dabei haben wir keinen Tarifvertrag, Lohn ist Verhandlungssache und oft ungerecht niedrig. Einige meiner Schulkolleginnen gehen bei einer 40 Therapien Woche mit 2200 Euro brutto nach Hause.
Der Beruf ist aber schon abwechslungsreich, der Tag geht schnell vorüber und man arbeitet sehr eigenverantwortlich, das finde ich positiv.
Ganz ehrlich- ich würde nicht mehr Logopädin werden, hätte ich nochmal die Wahl. Tut mir leid wenn ich den Beruf so negativ darstelle, ich hoffe ich bin niemandem auf den Schlips getreten- ich empfinde es so- ich habe aber auch schon viele Logopäden erlebt die absolut in ihrem Beruf aufgehen.


vor 1 Monat, 3 Wochen #96265

Na. Da man sich momentan quasi Stellen aussuchen kann und es sie wie Sand am Meer gibt, verstehe ich nicht, dass immer noch Leute für 11,50 arbeiten und Ausfallstunden tragen.

Nun ja.

Solange die Therapieberufe nicht verkammert sind, gibts halt in kleinen Praxen keinen Tarif. Aber wer würde denn bitte einen Vertrag unterschreiben der nicht dem TVöD entspricht.


vor 1 Monat, 3 Wochen #96266
ProfilbildThea123
Teilnehmer

Wir haben Fachkräftemangel. Die Arbeitsbedingungen werden nur besser, wenn die Angestellten sich endlich flächendeckend wehren! Ausfallstunden müssen bezahlt werden. Bei Krankheit sagt natürlich der Arbeitgeber die Stunden ab, weil man selbst ja krank ist. Ich frage mich auch wer noch Verträge für 1700 Brutto (40 Stunden) unterschreibt. Wurde mir tatsächlich angeboten und die Stelle ist auch besetzt worden. So wird das nichts…


vor 1 Monat, 3 Wochen #96268
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