ProfilbildDaria.Ma
Teilnehmer

Ihr Lieben,

Seit Okober letzten Jahres bin ich als fisch examinierte Logopädin in einer Praxis angestellt. Schon während der Ausbildung habe ich an einer Hochschule, die mit meiner Ausbildungsstätte kooperiert, ein Studium begonnen. Dies läuft auch weiterhin noch.
Ich habe mich sehr auf das Arbeiten in meinen Traumberuf gefreut. Nach und nach wurde mir aber schnell klar, dass meine Vorstellung, die ich während der Ausblidung über den beruflichen Alltag einer Logopädin sammeln konnte, nicht der Realität entsprach. Es war eine deutliche Diskrepanz zwischen dem relalen Beruffslltag und der Arbeitsmögichkeit innerhalb der Ausbilung da. Dies ist auch weiterhin so. Dieses Thema beschäftigt mich sehr. Dies soll nun auch Thema meiner bald anstehenden Bachelorarbeit sein.

Daher nun meine Bitte: Ich wäre Euch sehr dankbar, wenn ihr mir Eure Erfahrungen mitteilen könntet.


vor 3 Wochen, 1 Tag #96226
ProfilbildEulalia
Teilnehmer

Nun, ich erzähle mal von der anderen Seite, ohne zu wissen, was konkret Dir momentan schwer fällt umzusetzen. Ich habe im letzten Herbst eine Berufsanfängerin angestellt (mache ich nicht zum ersten Mal und habe durchaus positive Erfahrungen damit). Sie scheint der Arbeitswirklichkeit noch sehr weit entfernt gewesen zu sein. Arbeitszeiten wollte sie zwischen 08:00 und 16 Uhr, unser Bedarf fängt später an und geht bis in den Abend, ca. 18 oder 19 Uhr. Freitags war ihre Arbeit immer um 14:00 Uhr beendet. Aber das passte wieder nicht, sie könne abends nix mehr machen und einkaufen müsse sie ja auch noch,… Sie wollte andere Arbeitszeiten, ich konnte noch einen Minijobber einstellen, sodass wir ihr etwas entgegen kommen konnten. Zweites Thema war: Wunschpatienten. Geht nicht, ich kann Supervision bieten, wir können vieles gemeinsam besprechen, aber sie kann nicht nur die Patienten mit den Störungen behandeln, die ihr grade gut passen. Stottern, Stimme, Aphasie und Dysarthrie muss neben der KiSpra zumindest in den Grundlagen schon sitzen. Sie hat Nervenkrieg veranstaltet, obwohl sie ihre Arbeit gut gemacht hat, rief sie ständig jeden einzelnen Kollegen um Hilfe an – solange, bis diese sie auf dem Mobilfon blockiert haben !!! Ihre Wünsche versuchte sie gerne mit Tränen durch zu setzen, womit sie bei mir am völlig falschen Platz war. Wir sind ihr in vielem entgegen gekommen, wir haben ihr Unterstützung angeboten, die sie nicht annehmen wollte und hat letztendlich zum Ende der Probezeit gekündigt. Wahrscheinlich ist sie mir nur zuvorgekommen. Da muss ich wirklich sagen, werdet erwachsen, schaut Euch in den Praktikumspraxen genau um und fragt nach Arbeitsmodalitäten und Bedarfen, um einen realistischen Einblick in den Beruf zu bekommen. Und steigt vielleicht nur mit 30 Std. ein anstatt Vollzeit. So arbeitet man sich stressfreier ein. Besprecht Euch mit Kollegen und AG auf einer erwachsenen Ebene – im Vorstellungsgespräch. So – das ist nun eine meiner Efahrungen (wie gesagt, ich habe sehr viel mehr Positive). Aber vielleicht ist es eine bessere Hilfe, wenn Du erzählst, was konkret Deine Schwieirigkeit ist. Aller Anfang ist schwer. Und dann, wie soll eine Praxis kostendeckend – von Gewinn rede ich noch gar nicht, wenn ich nur soviele Patienten behandele, wie Azubis in der Ausbildung ;-)


vor 3 Wochen #96227
ProfilbildThea123
Teilnehmer

Hallo,
ich fand, dass die Praktika in den Praxen und Kliniken während des Studiums schon ziemlich gut die späteren Arbeitsbedingungen wiedergegeben haben. Die internen Praktika haben dies natürlich in keinster Weise. Wir haben uns zu zweit eine gesamte Woche lang auf eine Therapiestunde vorbereitet. Die Therapiequalität war daher extrem gut. Aber diese Arbeitsweise entspricht natürlich nicht dem Therapiealltag. Das war uns im Studium allerdings durch die externen Praktika durchaus klar.
Welche Vorstellungen hattest du denn und inwiefern entsprach dies nicht der Realität?
Berufseinsteiger werden leider meistens sehr schlecht eingearbeitet. Daher würde ich jedem Anfänger raten nicht gleich aufzugeben, sondern sich durchzukämpfen und wenn die Arbeitsbedingungen nicht besser werden die Praxis zu wechseln.
Die Arbeitsbedingungen in den Praxen können nämlich sehr unterschiedlich sein.
Ich habe damals mit 30 Stunden als Anfänger begonnen. In den ersten Wochen hatte ich jedoch nur ca. 15 Therapiestunden pro Woche. Die fehlenden Stunden musste ich aufgrund eines Arbeitszeitkontos später wieder reinarbeiten. Gut fand ich, dass ich zu Beginn wenig spezielle Fälle (Stottern, Dysarthrie) bekommen habe, sondern vor allem Fälle auf Gebieten in denen ich mich durch mein Studium und die Praktika gut auskannte (SES, Aphasie, Myo). Schlecht war, dass kaum Vorbereitungszeit bezahlt wurde und häufig Krankheitsvertretung stattfinden sollte. Dann konnte es sein, dass man statt vormittags die geplanten Stunden zu machen völlig fremde Patienten betreuen musste. Für Anfänger ein ziemlicher Horror. Gut war, dass ich in einem großen Team gearbeitet habe und wir uns fachlich viel austauschen konnten. Wenn man sich unsicher bei einer Therapie war, konnte man immer jemanden fragen. Da alle Therapeuten zur gleichen Zeit Vorbereitungszeit hatten, war das auch kein Problem. In den Teamsitzungen konnten Fälle besprochen werden, auch das hat es einem natürlich erleichtert. Wobei es durchaus auch eine Kollegin gab die sich weigerte einen Fall vorzustellen und sich auch weigerte Fortbildungen zu besuchen. Obwohl sie auch Berufsanfängerin war, ließ sie sich nichts sagen und fühlte sich immer gleich persönlich angegriffen. Aber sie war da die absolute Ausnahme. Alle anderen Berufsanfänger, die ich im Laufe der Zeit jetzt kennenlernen konnte, waren spätestens nach einem Jahr sichere und gute Therapeuten.
Was mir den Berufseinstieg ziemlich schwer gemacht hat, waren die Arbeitszeiten in meiner ersten Praxis.
Wir haben um 07:30 Uhr angefangen und bis 19:00 Uhr therapiert, danach noch 30 Minuten Nachbereitung (aufräumen, abwaschen, Rezepte ins Programm eintragen etc.). In der Mittagszeit wurden Berichte geschrieben und Therapien vorbereitet und es gab 30 Minuten Pause. Wir waren also bis um 19:30 Uhr in der Praxis. Das waren 11 Therapien pro Tag. Ich dachte das sei normal. Ist es aber nicht. Nur freitags hatte man dann schon um 14:00 Uhr Schluss. Ausfallzeiten wurden nicht bezahlt. Wir wollten alle andere Arbeitszeiten und wollten gerne von 07:30 bis 16:30 Uhr von Mo-Fr arbeiten. Wir hatte so viele Gespräche. Es hat nichts gebracht. Eine andere Berufsanfängerin hat nach zwei Jahren Burnout gehabt. Daraufhin ist eine nach der anderen Therapeutin gegangen. Die Praxis ist jetzt nur noch halb so groß. Die Arbeitszeiten in der neuen Praxis waren deutlich besser. Es geht also doch ;-)

Ich denke folgendes ist wichtig für Berufsanfänger:
– Einarbeitungszeit mit weniger Therapiestunden (BEZAHLTE Zeit, in der sich der Anfänger die Materialien und Fachbücher der Praxis anschauen kann und evtl auch mal bei einem Kollegen bei einer Therapiestunde zuschauen kann)
– anfänglich nur leichte Fälle (Ich würde niemals einem Anfänger Stotterpatienten anvertrauen, es sei denn er kann eine Fortbildung auf dem Gebiet vorweisen. Für viele schwierig sind dann wahrscheinlich noch Apraxien, Dysarthrien, Dysphagien und Stimmstörungen. (Aber da muss man sich bei jedem Anfänger den Schwerpunkt der Ausbildung oder des Studiums ansehen.) Nach und nach bekommt der Anfänger dann auch schwierigere Fälle.
– sich zwei Therapieschwerpunkte auszusuchen und hierzu gezielt Fortbildungen zu besuchen. Es ist gar nicht möglich qualitativ hochwertig alle Störungsbilder abzudecken. Die Fortbildungen sollte der Arbeitgeber bezahlen.
– fachlicher Austausch im Team (sei es in der Vorbereitungszeit, während der Mittagspause oder in Teamsitzungen)
– Therapieausfälle sollten bezahlt werden. Berufsanfänger können die Zeit gut nutzen sich Materialien anzuschauen und Therapien intensiver vorzubereiten.
– Eine Einführung in das Praxismanagement: Was macht man bei ungültigen Verordnungen, welche Verordnungen sind überhaupt ungültig, wo trage ich die Verordnungen in den Computer ein, wie läuft das mit den Zuzahlungen usw. Am Besten mit einer schriftlichen Zusammenfassung zum Nachlesen.
– Ein QM-Ordner oder ähnliches: Auflistung von Diagostiken und Materialien, die eine Praxis besitzt, sortiert nach Störungsbild.
– vernünftiges Grundgehalt

All das ist machbar, fianziell wie organisatorisch.
Das Thema eignet sich bestimmt gut für eine Bachelor-Arbeit und wenn dabei so etwas wie eine Leitlinie für die Einarbeitung von Berufsanfängern herauskommt, könnten auch die Verbände an einer Veröffentlichung interessiert sein.
Ich drücke dir die Daumen für die Bachelorarbeit und dass bessere Berufserfahrungen folgen.
Du hast wie es scheint neben dem Berufsstart auch noch dein Studium gehabt, das darf man nicht vergessen. Leicht ist beides gleichzeitig bestimmt nicht…


vor 2 Wochen, 6 Tagen #96233
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